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Das verrückte Labyrinth

oder auch:

Das schiefe/ schräge / krumme / verdrehte / verschobene / verwundene Labyrinth

Betrachtet mit den Augen eines Geometers und Labyrinthebauers (wahlweise: Designer oder etwas abgehobener: experimenteller Labyrinthologe)

Das klassische Labyrinth

Hier das klassische Labyrinth, entwickelt nach dem bekanntem Grundmuster mit dem Kreuz, den vier Punkten und den vier Winkeln dazwischen. Angeordnet in einem Quadrat.
 

Das klassische Labyrinth mit gleichen Wegbreiten

Das klassische Labyrinth mit gleichen Wegbreiten

Daraus entfaltet sich das ganze Labyrinth, indem alle Elemente bogenförmig miteinander verbunden werden. Also eine Synthese von Quadrat und Kreis. Somit ergeben sich 5 Mittelpunkte, die alle im Quadrat liegen und und deren Bogenstücke (Halb- und Viertelkreise) knickfrei (hierbei spielt der rechte Winkel eine Rolle) aneinanderstoßen. Das ergibt die Labyrinthfigur mit ihren Begrenzungslinien.
Will man ein (begehbares) Labyrinth mit gleichen Wegbreiten, tritt das zentrale Ausgangskreuz zurück und es bleibt ein rautenförmiges Gebilde (die Fontanelle).
Schaut man die Lage der sich ergebenden Wege an, erkennt man. dass die Eingangsachse, die Mittelachse, die Zentrumsachse in verschiedenen Ebenen liegen. Die Eingangsachse liegt nicht in einer Linie mit der Wegachse, die in die Mitte führt. Es gibt so etwas wie ein Zentrum und eine Mitte, die voneinander verschieden sind. Erst im römischen Labyrinth fallen die zusammen.
Oder anders ausgedrückt:
Ein Labyrinth ist nicht symmetrisch, obwohl es gleichmäßig aussieht.
Ein Labyrinth  ist keine Spirale, obwohl sich die Wege winden.
Ein (klassisches) Labyrinth ist keine Kreisfigur, obwohl es aus lauter Kreisbögen besteht.

Das Knidos Labyrinth

Für begehbare Labyrinthe wird oft eine größere Mitte gewünscht.
Erstmals ist ein solches Labyrinth auf einem Graffito zu sehen, das auf einem Steinblock auf der Halbinsel Knidos in der heutigen Türkei bei Ausgrabungen römischer Anlagen gefunden wurde und in die byzantinische Epoche datiert werden kann.

Das Knidos Labyrinth

Das Knidos Labyrinth

Der Mittelpunkt für die Mitte springt also gleichsam aus dem Quadrat heraus (quasi ein Eisprung).
Die geometrische Umsetzung wird nun schwieriger. Behält man die übrigen vier Mittelpunkte im Quadrat bei, verschieben sich die verschiedenen Achsen in unterschiedlichen Abständen und aus den Halb- und Viertelkreisen werden größere und kleinere Segmente (Kuchenstücke). Insgesamt wird die Labyrinthform runder.

Das mittige Knidos Labyrinth

Möchte man nun dass die Achse des letzten Wegstückes und der Mittelpunkt der Mitte auf der gleichen Linie liegen, verschieben sich die beiden rechten Mittelpunkte im Quadrat etwas nach oben und nach links. Aus dem Quadrat wird eine Raute und die Kuchenstücke verändern sich ebenfalls.

Das mittige Knidos Labyrinth

Das mittige Knidos Labyrinth

Das zentrierte Knidos Labyrinth

Sollen nun alle Achsen auf einer Linie liegen (wie z. B. beim Santa Rosa Labyrinth), verschieben sich die 4 Mittelpunkte im Quadrat noch mehr. Damit aber auch die Kuchenstücke und die Fontanelle. Die ursprünglichen 4 Mittelpunkte haben sich total verzogen und liegen schief im Labyrinth.

Das zentrierte Knidos Labyrinth

Das zentrierte Knidos Labyrinth

Welches Labyrinth gefällt Ihnen/Dir am besten?

Es kommt natürlich auch darauf an, an welchem Ort sich das Labrinth befindet und welchen Zwecken es dient, was damit ausgesagt werden soll und was einem persönlich wichtig ist.
Weitere Variationen sind noch möglich, die einfachsten erhält man durch Spiegeln an einer vertikalen Achse.
Die Entwicklungsstufen vom klassischen Labyrinth zum zentrierten Knidos Labyrinth könnte man auch als eine Wandlung vom Quadrat und Rechteck zum Kreis betrachten. Die Endstufe wäre dann vielleicht das Chartres Labyrinth, das den Kreis und die Mitte noch mehr betont und wo die Kreuzform im ganzen Labyrinth ausgedrückt wird.

liebe leserInnen!

dies ist – auf erwins ausdrücklichen wunsch – mein gastbeitrag über meine chartres-reise im juli:
was kann ich neues sagen, sind doch schon tausende von seiten darüber geschrieben worden?
vielleicht geht es ja nicht um neues sondern darum, wieder an etwas erinnert zu werden?
wie zum Beispiel daran, dass am 6.juli das licht um ca. 17.45 durch die beiden kleinen öffnungen der linken oberen glasfenster als zwei kreise auf die säule rechts vom altar fällt und die relativ rasch ineinander übergehen und ein herz bilden!

Lichtspiele

Lichtspiele

vielleicht geht es auch mehr um die wortverbindungen nach dieser lichtverbindung?
ich hab aber kein gedicht geschrieben, kein einziges …
in prosa:
die verbundenheit mit dem boden zu spüren ist beeindruckend, wenn du wirklich die schuhe ausziehst und barfuß den weg gehst
(achtung: der kirchenboden ist extrem schmutzig und danach sind es deine füße auch!
praktischer hinweis: zieh danach dünne socken an, ehe du in deine sauberen schuhe schlüpfst)

Das Labyrinth und die Stühle

Das Labyrinth und die Stühle

labyrinthe im chartres-stil habe ich schon mehrmals begangen – die labyrinth-erfahrungen des originals in der kathedrale hat noch ganz andere zusätzliche qualitäten, sodass eine reise dorthin für alle labyrinth-liebhaberInnen unumgänglich ist :-)
beachte bitte: nur im zeitraum von ostern bis allerheiligen werden freitags die sessel am 8.30 bis ca. 17.45 vom labyrinth abgeräumt!
und stell dich drauf ein, dass es zwischendurch vorkommen kann, dass ohne vorwarnung – auch wenn du dich gerade auf dem weg befindest – die sessel draufgestellt werden oder japanische touristInnen querfeld ein als gruppe drüberlatschen …
yes, that is life! die kirche ist kein geschützter ort, in der kirche findet leben statt und deine labyrinthbegehung schenkt dir so auch alltags/selbst/spiegel-erfahrungen und nicht nur meditative oder spirituelle :-)

die kathedrale von chartres hat mir so gut gefallen, ich hab mich darin so wohl gefühlt (sie ist auch wohl temperiert), dass ich am liebsten meine hängematte aufgehängt und mich reingelegt hätte!
so aber war ich wandelnd getragen
von ihrer leichtigkeit und fröhlichkeit,
berührt von ihrer schönheit und toleranz
mit der sie ein- und ausatmet
und alles sein lässt wie es ist!

Ilse mit Überblick

Ilse mit Überblick

vielleicht werden nach mehr als 700 jahren ostern 2011 die priester das ritual mit dem golden ball (der christus symbolisiert) präsentieren – geübt haben sie bereits !
damit hab ich dir/euch also doch noch eine neuigkeit mitteilen können ..

ilse

An diesem Wochenende gab es auf dem Benediktushof in Holzkirchen ein Sommerfestival zu Ehren von P. Willigis Jäger, der am 7. März 2010 85 Jahre alt wurde.

Bei all den Festlichkeiten wurden auch verschiedene Workshops zu unterschiedlichen Themen angeboten. Und einer zum Thema “Das Labyrinth – Die Kunst zu wandeln”. Von der Autorin des gleichnamigen Buches selbst: Ilse M. Seifried aus Wien.

Wandelnde im Labyrinth

Wandelnde im Labyrinth

Einen Besuch im Anhydritbergwerk der Fa. Knauf in Hüttenheim haben die ehemaligen Pfadfinder aus Kitzingen organisiert und ich durfte dabei sein. Hier wird Anhydrit unter Tage abgebaut und oberirdisch zu Estrich-Produkten weiterverarbeitet.

Im Berg

Im Berg

Unter dem Bullenheimer Berg und dem Tannenberg erstreckt sich ein schachbrettförmiges Tunnelsystem von ca. 150 km Länge. Immer 10 x 6 m große Säulen bleiben stehen und so tragen sich die Stollen selbst. Es wird gebohrt und gesprengt und das abgebaute Gestein zum Brecher gefahren und nach oben befördert.
Eine eigene Welt unter den fränkischen Weinbergen.

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