Ursprung und Bedeutungen des Namens CHARTRES
18. Februar 2011 von Erwin
Ein Gastbeitrag des Sprachforschers Zoltán Kruse
Ursprung und Bedeutungen des Namens CHARTRES
© Zoltán Ludwig Kruse
Auf Ursprung und Bedeutungen des Toponyms “Chartres“ bin ich bereits in einem früheren Beitrag eingegangen. Doch der Wortarchetyp GAR/KÖR Kreis (lat. cir~cum, it. cer~chio, fr. cer~cle, rum. cer~c, engl. cir~cle), Grundlage von “Char~tres“, beschäftigt mich weiterhin. Überall wohin ich meine Aufmerksamkeit auch richte, tauchen weitere Elemente auf, die in diese Wortklangsphäre gehören. Hier folgen also einige dieser neueren Ergebnisse meiner Sprachforschung.
Bedeutungsvoll und überaus aufschlussreich scheint mir die zwischen den Urwortskernen GAR/CHAR/KÖR/KIR und BAR/BYR/PIR bestehende sehr enge Beziehung. Man kann sogar sagen, dass sie von wahrhaftiger Kon-fusion, von Vermischung sei. Dies weil sowohl der eine als der andere auf das große Thema “Sonne“ bezogene archetypische Klanglichkeiten sind. Wie man wohl weiß, die den Licht und Wärme ausströmenden Stern erfassenden menschlichen Wahrnehmungen sind vielfältig. Mit dem Urwortskern GAR/KAR/KÖR (und Varianten) werden vorwiegend Aspekte reflektiert, die an seine Erscheinung und an seine Umlaufbahn am Himmelsgewölbe, an seine zyklisch kreisende Bewegung, die Tag-Nacht sowie Ablaufen des Zeitstromes bewirken und Ähnliches gebunden sind. Während mit dem Urwortskern BAR/BIR/PIR werden Aspekte reflektiert, die an seine chromatische Erscheinung von Röte (Feuer/fire/Feuer/Für, Pyr~os → py~rot, py~red, py~rouge, py~rosso, py~roşu usw.), an sein Dasein von wär~meausstrahlende, bro~delnde Quelle und auch an seine pir~ouettengleich wir~belnde/pyrot~ierende Bewegung gebunden sind. Ja, selbst der Urwortskern TÉR, der Aspekte von Raum, Feld, Einfluss-Sphäre, Kehren, Wiederkehren, Wenden reflektiert, ist in enger Beziehung mit dem Archetypen GAR/KÖR Kreis. Dazu einige Beispiele: A KÖR FOR~OG Der Kreis dreht sich; KÖR-FOR~G~ÁS Kreis-drehung/Kreis-lauf; Im Kör-per, lat. corpus, (KÖR-PÍR Kreis-Röte, KÖR-VÉR Kreis-Blut) geschieht VÉR- KÖR-FOR~G~ÁS/KER~ING~ÉS Blut-Krei~slauf/ Zir~kulation/(Py)Rotation/Umlauf.
Der Ortsname “Chartres“ ist leicht wiedererkennbar in Varianten wie fra. “Char~treuse“ it. “Cer~tosa” oder dt. “Kar~tause“ (↔ mag. KER~T Gar~ten, lat. hor~tus, it. giar~dino, fra. jar~din, engl. gar~den; KER~ET Rahmen, it. cor~nice, engl. carr~ier). Mit diesen Namen wird das Kloster der “Kartäuser“ (engl. “Carthusian“), ein katholischer Einsiedlerorden, genannt. Sitz des Ordensgenerals der Kartäuser ist das 1084 erbaute, umfriedete Stammkloster “Gra~nde Char~treuse“ bei Gre~noble. Der beeindruckende Film “Die große Stille“ des Regisseurs Philip Gröning ist in diesem Kloster gedreht worden.
Der Urwortskernanteil CHAR/KAR/KÖR Kreis im Ortsnamen “Chartres“ weist nach oben, zum Himmel, womit Vertikales, Erhebung, Qualität gegeben sind (im Lat. “cael~um“, It. ”ciel~o”, Fra. ”ciel“, Rum. “cer“ bedeuten Himmel). Während der Urwortskernanteil TÉR/TÉR~ÉS (Raum, Feld, kehrt, wendet bzw. Kehren, Wenden) nach unten, zum Terr~ain, zum Boden weist; gleichzeitig aber auch räumliche Allgegenwärtigkeit vermittelt. Und damit sind Waagerechtes, Terr~estrisches, Weite und Quantität gegeben. Vertikales und Waagerechtes zusammen ergeben das Kreuz +. Kreu~z (lat. cru~x, cru~cis, it. cro~ce, fra. croi~x, rum. cru~ce, spa. cru~z, alb. kry~q) und Krei~s (lat. cir~culus, gr. ký~kl~os) sind an sich Varianten des selben Urwortskern-Archetyps GAR/CHAR/KÖR. Eine bildliche Darstellung hiervon ist das Kreuz im Kreis: Å, Ä. Dynamisches und Ruhendes. Licht und Materie.
Da die “Kathedrale“ das unverwechselbare Wahrzeichen von “Chartres“ darstellt, will ich hier ganz kurz Ursprung und Bedeutung dieses Wortes erläutern. Der Duden erklärt: «Kathedrale ist die übliche Bezeichnung für die “bischöfliche Hauptkirche“, besonders in Spanien, Frankreich und England; hervorgegangen aus mlat. “ecclesia cathedralis“ “zum Bischofssitz gehörige Kirche“ ». Die “Kathedrale“ ist also eine besondere, bedeutende Kirche, eben die Bischofs-Kirche. Und des weiteren, ebenfalls im Duden, findet man unter dem Stichwort “Kirche“ die Auskunft: «aus gr. kyriakón “das zum Herrn gehörige“ kyrikón “Gotteshaus“; ahd. kiricha, chirihha, mhd. kirche, asächs. kirika, aengl. cirice, engl. church, schwed. kyrka.» Mit dem Wort “Kirche“ sagt man also sinngemäß “das zum Herrn gehörige“. Das heißt, “Kirche“ ist rückverbunden an die Wortklanglichkeiten “Guru, Góré, Kyrie, Herr“. Leicht erkennt man: Grundlage all dieser Wortbildungen ist der Urwortskern-Archetyp KIR/KÖR/KAR/GAR/CHAR/HAR, eingestimmter Ausdruck der allgemeinen Bedeutung von Kreis. Ergo, wenn man “Char~tres“ nennt, dessen bedeutendstes Bauwerk die Bischofs-Kir~che ist, setzt man, nolens volens, die Urbedeutung “Kreis“ tragende Wortklanglichkeit in den Raum. Man kann nicht umhin. Man befindet sich zwangsläufig in der umfangreichen Sphäre des Inhaltsbereiches “Kreis“. Ein bekanntes kölsches Lied lautet: “Mer losse de Dom in Kölle, denn dort jehört er hin. Wat soll er denn wo anders? Dat hat ja keinen Sinn!“. Diese Aussage hat, übers kölsche Heiter- und Witzigsein hinaus, eine tiefere, zutreffende Bedeutung. Denn bekanntlich wurden seinerzeit Standorte von Kirchenbauten ganz allgemein von sensitiven Fachleuten ausgesucht. Meistens waren vorhandene unterirdische Wasserläufe für die Wahl des Standortes ausschlaggebend. Standort und Orientierung des Domes zu Köln, wie auch der Kathedrale/Bischofs-Kirche zu Chartres und anderer Kirchenbauten sind somit sinnvoll. Dort, an dem Standort wo sie stehen, erfüllen sie ihre Daseinsbestimmung. Und, des weiteren, in der Bischofs~kir~che von Char~tres sind selbst Standort des Chor~es bzw. Platzierung des Labyrinthos sinnvoll ausgesucht, nicht zufällig, ja, die architektonischen Elemente des Bauwerkes sind in Entsprechung mit den vor Ort herrschenden geobiologischen, sub~terr~estrischen Kräften, den Wasserader-Kräften, die sich eben im Krei~slauf befinden.
Mit den Sonnenwend- und Äquinoktialfesten werden vom Menschen seit Urzeiten die bedeutendsten Zeitpunkte der Laufbahn der Sonne, des großen Himmels-Kreises gefeiert.
Der Name “Wintersonnenwende“ den wir eher als “Weihnachten“ kennen, heißt im alten Kingir/Šumerischen GURUŠUN. Er bildet eine Zusammensetzung der beiden Urwortskerne GUR (Labat, Deimel Nr. 111) und ŠUN (Deimel Nr. 129/12) mit den Bedeutungen sich drehen, sich verändern/wandeln/wenden bzw. aufleuchten, aufstrahlen. Hierdurch erhält Ausdruck: des Sonnen-Krei~ses Wenden und wieder Aufstrahlen, also Zeitpunkt der Geburt des neuen, unbesiegbaren Lichtes. GURUŠUN lebt weiter im heutigen Hungar/Magyarischen in der Gestalt KARÁCSONY [k]ra:toŋ] Weihnachten. Der Name GURUŠUN / KARÁCSONY wurde auch ins Rumänische übernommen, da heißt er CRĂCIUN [kr]tun]. Weihnachten KARÁCSONY erhält im Magyarischen eine aufschlussreiche Ergänzung mit dem Namen des Wander-Falken KERECSENY [kereteŋ] – SÓLYOM, den man leicht als Variation von KARÁCSONY erkennen kann. Er ist der Sonnengottheit heiliger Vogel, der im Altägyptischen als HORUS genannt wurde. Es ist bemerkenswert, dass Wintersonnenwende/Weihnachten und HORUS / KERECSENY – Falke im Magyarischen, und soweit es mir bekannt ist nur da, miteinander untrennbar verbunden sind. Die Sonnengottheit wurde im antiken Ägypten mit zahlreichen Namen genannt. Die bedeutendsten dieser Namen sind: RE/RA “Sonne“ (Bezüge im Magyarischen: RÁ darauf, RÓ ritzt, prägt ein, auferlegt, durchmisst; ÚR Herr. AZ ÚR RÁ-RÓ A HAT~ÁR~RA Der Herr darauf-prägt auf den Hor~izont); HOR/HORUS (↔ mag.: KÖR Kreis, KÖRŐS Kreisahn, Kreisursprung, KÖRÖS bekreist, KÖRÖZ kreist, macht Runden
; HOR-PA-CHERED “Horus das Kind“, gr. “Harpokrates“ (↔ mag.: KÖR – FI – GYEREK Kreis – Junge – Kind, KÖR – FŐ – GYEREK Kreis – Haupt – Kind); RE-HARACHTE “HORUS im Hor~izont“, Sonne (↔ mag.: RÁ – KEREK – TŐ Darauf – Runder – Ansatz, RÁ – KERÉK – TŐ Darauf – Rad – Ansatz, RÁ – KERÉK – TÁJ Darauf – Rad – Landschaft, RÓ – KERÉK – TŐ Prägt – Rad – Ansatz); HOR-WER “HORUS der Große“, gr. “Haroeris“ (↔ mag.: KÖR – VÉR Kreis – Blut, KÖR – PÍR Kreis – Röte, KÖR – ERŐS Kreis – Starker). Während die hellenisierten Namensgestalten “Harpokrates“ und “Haroeris“ der altägyptischen Namen der Sonne im Griechischen kaum eine Erklärung über deren Bedeutungen zu bieten haben, liefern diesbezüglich die gleichlautenden Magyarischen Varianten aufschlussreiche, wertvolle Informationen. Ja, an sich bestätigen sie die über die Jahrtausende hin bis in unsere Tage hinein überlieferten Bedeutungen.
Auf Grund dieser Zusammenhänge ist es kein Wunder daher, dass selbst die Realisierung der Vorstellung von “gro~ß“, “Größe“ (it. “gra~nde, gra~ndezza, gro~sso“, fra. ”gra~nd, gra~ndeur” engl. “grea~t, grea~tnes“) wie auch “Kre~ation, kre~ieren (lat. pro~cre~atio, -onis, (pro) ~cre~ator, (pro) ~cre~atrix, engl. Cre~ation, Cre~ator, to cre~ate, it. Cre~azione, Cre~atore, cre~are“ Schöpfung, Schöpfer/in, schöpfen) aus dem Wortarchetyp KIR/KÖR/GAR Kreis (↔ Šum. GAL groß) hervorgeht. Und diese Verbindung ist sehr leicht nachvollziehbar, denn sie ist folgerichtig: die am Hor~izont auf- (mag. KEL geht/steht auf) und untergehende Sonnenscheibe (aägypt. RA, HOR) “der Herr“, sanskr. SUR~YA, ( vergl. mit Mag. AZ ÚR JÓ “der Herr ist gut“ bzw. KÖR-JÓ “Kreis-Gut“), erscheint als gro~ßer Krei~s. A FOR~GÓ PIR~OS NAP-KOR~ONG KEL/GÁL ÉS KÖR. Die wir~belnde (py)r~ote Sonnenscheibe ist “Groß“ GAL und “Kreis“ GAR, zugleich.
Aus der ursprünglichen kingir/šumerischen Rangbezeichnung LU-GAL König (“Mann-groß“), durch Umkehrung der Reihenfolge der beiden Wortskerne (→ GAL-LU) und weitere Lautvariation (→ GAL < GAR < KIR; LU < UL < ÁLY) entsteht im Magyarischen die Wortgestalt → KIR~ÁLY König. Allgemeinbekanntes Erkennungszeichen des Ranges von König und Königin ist die Kro~ne KOR~ONA. Die krei~srunde Kro~ne schmückt ihre Häupter. Und aus dem Herrschertitel KIR~ÁLY König sind, durch weitere Variation, Vornamen wie Kar~l, Kar~olin/e, Char~les, Char~lotte, Car~ol, Car~ola, Car~olin/e/a, Car~lo, Car~lino, Car~lotta u. a. hervorgegangen.
Wie verhält es sich denn aber mit dem Namen “Gral“? Selbstverständlich gehört auch der heilige “Gra~l“, als Hostiengefäß und/oder Christi Abendmahls-Kelch (lat. cal~ix, it. , fr. cal~ice, engl. chal~ice), zur Wortklang-Sphäre des Archetyps GAR/KÖR Kreis. Der Sage nach vollzog Christus mit dem Gral-Kelch die Spendung des Abendmahls. Und später soll Joseph von Arimathia darin das Blut Christi gesammelt haben. Zurecht assoziiert man also mit dem Kel~ch, der eine kreisrunde Öffnung aufweist, die krei~sförmige Hostie, die königliche Präsenz (LU~GAL < GAL~UL < GAR~AL < KAR~AL < KIR~ÁLY König) bzw. das (py)rote Blut Chri~sti und nicht zuletzt auch die Kir~che “das zum Herr~n, Kyr~ie, Gur~u, Gór~é gehörige“, das Gotteshaus. Ebenso dazugehörig sind die Worte “Gra~b, Gru~be, Gru~ft, Gro~tte, Gra~ben, Gra~cht“. Der Duden erteilt diesbezüglich die Auskunft: «Das Wort Kry~pta/Gru~ft “unterirdischer Kir~chen-, Kapellenraum“ ist aus lat. cry~pta, gr. kry~pte, krý~ptein “verbergen, verstecken“, “verdeckter unterirdischer Gang, Gewölbe“ entlehnt. Gro~tte vlat. cru~pta “Korr~idor, Kreu~zgang unterirdisches Gewölbe“» (↔ Kur~s, her~um kur~sieren, kreu~zen, lat. curr~ere “rennen/laufen“, it. corr~idoio, corr~ere, corr~ente, cor~so).
In der Archäologie begegnet man dem Fachausdruck “Kurgan“. Mit ihm werden die Hügelgräber der Skythen in den Steppengebieten des Schwarzmeerraumes und Zentral-asiens bezeichnet. Diese Bezeichnung reflektiert getreu die kreisrunde Erscheinungsform der Hügelgräber. Die Wortbildung “Kurgan“ ist vom Wortschatz des Magyarischen ausgehend leicht verständlich: KUR–GAN = KÖR–HON Kreis–Heim/Heimat/Heimstatt und KÖR–HANT Kreis–Hügelgrab. Auch liefern die verwandten Wortwerte KAN männlich, KÁN Khan (“Führer“), HUNY Augen schließen, EL~HUNY~T Entschlafene/r, Verstorbene/r, KANY~AR Kurve, KAN~TÁR Zaum, KON~TY Haar-Schopf/Knoten, LE~KONY~UL herabhängen, niedersinken, AL~KONY Abenddämmerung, NYUG Ruhe (realisiert mit der Umkehrungsform von GUN/GAN), NYUG~ÚT Ruheweg, NYUG-AT Westen ergänzenden Aufschluss über das Hügelgrab und die darin bestatteten Führerfiguren, Reiterfürsten, gelegentlich auch Reiterfürstinnen.
Zur Abrundung seien hier noch einige Bezüge zum Archetypen GAR/KIR/KÖR aus einigen Außereuropäischen, -nahöstlichen Sprachen genannt.
Aus dem Sanskrit stammen, unter vielen anderen, die oft verwendeten Worte “Chakra“ Wagen, Karr~en (fr. charr~ette, it. carr~o, engl. car) “Guru“ Meister, Haupt, “Kriyâ“ Aktion und “Karunâ“ Energie, im Sinne von Mitgefühl, Liebe. Die Magyarische Entsprechungen zu “Cha~kra“ und “Gur~u“ sind SZE~KÉR und GÓR~É. Es wäre interessant zu erfahren, ob im Sanskrit die selbe oder eine ähnliche Einheitlichkeit des verbalen Ausdrucks festgestellt werden kann, wie im hungar/magyarischen Satz: A KÖR-KER~EK SZE~KÉR – KER~ÉK GYOR~SAN GÖR~DÜL Der krei~s-runde Karr~en – Rad schnell rollt / The circle-round car – wheel is fast rolling. Wie man hören und sehen kann, eine Einheitlichkeit des Wortausdrucks geringeren Grades, die in der Präsenz des Urwortskernes KÖR (in den Varianten krei~ und Karr~) und des Liquiden/Vibranten “R“ besteht, ist auch im Deutschen feststellbar; etwas schwächer auch im Englischen.
Einige, zunächst wenige aber aufschlussreiche, Bezüge im Tibetischen sind: KÀR~U groß (vergl. šum. GAL); GOR/GOR~VA um~krei~st (↔ mag. KÖR~BE rings~her~um); KÒR~DU drum~her~um (↔ mag. GÖR~DÜL rollt); GUR gib mir (↔ mag. KÉR verlangt, bittet) und GÁR zeitweilige Residenz von Nomaden (↔ mag. KAR~ÁM Kra~l, port. “cor~rál“ eingefriedeter Platz, Viehgehege). Auch in Quechua, der Sprache der Inkas in Südamerika, die von Mesopotamien und Europa geographisch weit abgelegen ist, gibt es etliche Bezüge zum Wortarchetypen “Kreis“. Diese Gegebenheit bestätigt wiederholt die Universalität des Wortarchetyps GAR/KÖR Kreis. Einige Beispiele aus dieser Sprache sind: “chiri kausay“ kaltblutiges Tier; “churi pacha“ die Zeit des Sohnes (šum. GIR Kind, Gör/Göre, engl. girl/child, que. churi, aägypt. CHERED, mag. GYEREK); “karpay“ Initiation, Macht (-Sphäre/Kreis); “kuraq“ größer, größte(r, s); “kurku“ Wirbelsäule (die sich drehende); “qori“ Gold, golden (↔ mag. ARANY, gr. chri~sáfi Gold, chri~safís goldfarben, chri~sós golden, Gold-).
Vielleicht fragen sich manche Leser/innen wozu denn diese von mir mitgeteilten Kenntnisse gut sein sollen, ja, ob sie über einen gewissen, eventuellen Unterhaltungswert hinaus überhaupt noch einen Nutzwert haben können. Ich bin der Ansicht, dass dieses kurze Einblicken und Einhören in die weite Sphäre der Wortklänge, die aus dem Wortarchetypen GAR/CHAR/HAR/KÖR Kreis durch Variationsspiel vom Menschen kreiert wurden, der Leserschaft erlaubt sich über die Zusammengehörigkeit dieser Worte bewusst zu werden. Und, auf diese Weise klärend, vermag dieses Wissen den Automatismus ihrer gewohnheitsmäßigen Verwendung etwas aufzulockern und, im Endeffekt, die Art, die Qualität der Sprachkommunikation zu verbessern. Auch kann allmählich eine Ahnung darüber entstehen, wie das komplexe Netzwerk unseres Wortschatzes gewirkt und strukturiert ist.
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lieber zoltan,
ja, ich habe dein buch, als es erschien,
in der hängematte gelesen
mitschwingend sozusagen
und bin – über deine musikalität und
kreativität staunend-
beflügelt weitergeschwungen
dies ist eine buchempfehlung
lg
ilse
Liebe Ilse,
dass Du mit meiner Arbeit in Resonanz bist,
freut mich sehr!
Zoltán
[...] In einem früheren Beitrag (”Ursprung und Bedeutungen des Namens Chartres”) wies ich bereits hin auf die zwischen den Urwortskernen GAR/KIR “Kreis“, BAR/PIR “Sonnen-(Py)röte“ und TAR/TIR “(ab)kehren/-zweigen“ bestehende sehr enge Wechselbeziehung. Man kann sagen, dass sie von wahrhaftiger Vermischung, ja, von Verwobenheit sei. Dies weil sie alle drei auf das große Thema “Sonnenkreis“ bezogene archetypische Klanglichkeiten sind. Anhand der zwischen den folgenden Wortklängen bestehenden Sinnzusammenhänge lässt sich diese Verwobenheit leicht nachvollziehen: mag. TÉR ↔ “kehr~t, dreh~t“ ↔ it. “gir~a, cir~cola, tor~na“; Kehr-/Dreh ↔ it. “tru~cco“; TÉR~NI ↔ “dreh~en, kehr~en“ ↔ it. “gir~are, tor~nare“; TOR~NA VER~SENY ↔ “Tur~n Wettbe~wer~b, Tur~nier“ ↔ it. “tor~neo“; her~um ↔ it. “tor~no“; Kehr~e, Kur~ve ↔ it. ”tor~nante, cur~va”; FOR~DUL~Ó ↔ ”Tur~nus, Runde” ↔ it. ”tur~no, gir~o”; krei~sen, kehr~en, dreh~en, wir~beln ↔ it. ”gir~are, vol~gere, vor~ticare, vir~are, tor~nare; Kehr~reim ↔ ”ri~tor~nello” usw. [...]