Der Sprechende Name TRUIA – Folgebeitrag 1
29. September 2011 von Zoltán
© Zoltán Ludwig Kruse
Der Sinnbedeutung des sprechenden Namens TRUIA Ehre erweisend, “kehre” ich hier “erneut” auf ihn und seine außerordentlich wertvollen Botschaften “zurück”. Ja, ich denke, dass die Notwendigkeit besteht, seine von mir begonnene Erkundung weiter zu führen. Denn die Sinnbezüge aus dem Bereich der agglutinierender Sprachen Kingir/Šumerisch und Hungar/Magyarisch, die ich in meinem ersten Beitrag mitgeteilt habe, bilden erst das Kernstück eines sehr viel umfangreicheren Systems von Wortklängen, das natürlicher Weise auch in den Bereich der flektierenden Sprachen sich ausdehnt. Aus meinen bisherigen Erläuterungen geht bereits hervor, dass der sprechende Name TRUIA weit mehr ist als das wofür er im Rahmen der Labyrinthforschung gehalten wird, nämlich ein für das Labyrinthwesen bedeutender, dennoch veralteter Name. Der Urwortskern T[i/ü/e/a/ö/o/u]R, der seine Grundlage bildet, hat ganz konkret mit der Realität unserer heutigen Sprachen zu tun. Er ist ebenso wie für die agglutinierenden Sprachen Kingir/Šumerisch, Mecher/Etruskisch und Hungar/Magyarisch auch für den Wortschatz der flektierenden deutschen und aller anderen indogermanischen/-europäischen Sprachen von grundlegender Bedeutung. Seine Botschaften sind nach wie vor hochaktuell. Ja, es lässt sich sagen: er ist für die alltägliche Kommunikation schlicht unentbehrlich.
In diesem, dem sprechenden Namen TRUIA gewidmeten Folgebeitrag gedenke ich einige weitere Türen der Erkenntnis zu öffnen. Überhaupt, ”Tür” und ”Tor” sowie eine Serie anderer hiermit verwandten Wortklänge ganz konkret in den Brennpunkt meiner Erkundungen zu stellen.
Die Zeitwort- und Namenbedeutungen des Urwortskernes TÉR ”kehrt, wendet, windet, (ver)wandelt, tritt ab, wendet zu, richtet; Raum, Feld, Platz, Gebiet, Bereich”, Teilgrundlage des Namens T[e]RUIA, erhalten Bestätigung in einer ganzen Reihe europäischer Sprachen durch Wortklänge wie: ”Tür(e), Tor”, engl. ”door”, niederl. ”deur”, schwed. ”dörr“, lit. “dùrys“, alb. “derë“, gr. “thýrā“ usw., die, offenkundig, Variationen davon darstellen. ”Tür” und ”Tor” sind die allgegenwertigen Öffnungen, die dem Menschen zum Einkehren, Auskehren, Durchqueren, also ganz allgemein zum Verkehren dienen. Die Realisierung dieser Wortbedeutungen aus dem Urwortskern TÉR heraus ist somit nur schlüssig. ”Räume” und ”Räumlichkeiten” (TÉR, TER~EM) werden getrennt und gleichzeitig untereinander verbunden durch Tür~en und Tor~e. Durch ihre Präsenz entsteht die Teilung in ein Diesseits und ein Jenseits.
Doch wohin führt im deutschen Wortschatz der rote Sinnfaden von den Urwortskern T[i/ü/e/a/ö/o/u]R bestimmten Wortklängen “Tor“ und “Tür“? Er führt weiter zu Wortklängen wie: “dur~ch, trei~ben, drä~ngen“. Und immer dann, wenn Durchgangs-Türen und -Tore genannt, geöffnet, geschlossen und benutzt werden, durch sie ein-, ausgekehrt und hindurch gedrungen wird, ja, wenn das alltägliche, weltweite Trei~ben dur~ch Tür~en und Tor~e geschieht, gelangt der Urwortskern T[i/ü/e/a/ö/o/u]R stets zur Anwendung.
Deutsche Bezüge zum Urwortskern T[i/ü/e/a/ö/o/u]R:
Die Wirksamkeit des Urwortskernes T[i/ü/e/a/ö/o/u]R im Wortschatz der deutschen Sprache ist ganz besonders stark. Für den Ausdruck der Vorstellung von Einkehren, Auskehren, durchqueren der Tür und/oder des Tores erscheint der Urwortskern T[i/ü/e/a/ö/o/u]R unentbehrlich. Selbst die Präposition und das Adverb ”durch, hindurch” (aind. “tiráh“, lat. “trans“, it. “attraverso“, engl. “th[o]rough“, niederl. “door“) sind mit den Worten “Tür“, “Tor“ und also mit dem Urwortskern T[i/ü/e/a/ö/o/u]R in engster lautlich-inhaltlicher Verbindung, wie man das hörend und sehend leicht nachvollziehen kann. Folglich, immer dann, wenn ”Tür”- und ”Tor”-bezogene Wortklänge wie beispielsweise ”dur~ch, hin~dur~ch, Dra~ng, dri~ngen, drä~ngen, dur~ch~dri~ngen, dur~ch~drä~ngen, dur~ch~dru~ngen, Dur~ch~dru~ngenheit, Trie~b, trei~ben, dur~ch~trei~ben, dur~ch~trie~ben, Dur~ch~trie~benheit, Dur~ch~dri~ngung, Dur~chgang” gedacht, gesagt, geschrieben oder/und benutzt werden, winken unentwegt die Botschaften des Utwortskernes T[i/ü/e/a/ö/o/u]R. Der unsichtbare, hörbare, stets wirksame, kapillare rote Sinnfaden gewährleistet die Verbindung im Wortnetzwerk. Er dur~ch-dri~ngt es und verbindet alle Wortklänge, die darin zusammengehörig sind.
In einem früheren Beitrag (”Ursprung und Bedeutungen des Namens Chartres”) wies ich bereits hin auf die zwischen den Urwortskernen GAR/KIR “Kreis“, BAR/PIR “Sonnen-(Py)röte“ und TAR/TIR “(ab)kehren/-zweigen“ bestehende sehr enge Wechselbeziehung. Man kann sagen, dass sie von wahrhaftiger Vermischung, ja, von Verwobenheit sei. Dies weil sie alle drei auf das große Thema “Sonnenkreis“ bezogene archetypische Klanglichkeiten sind. Anhand der zwischen den folgenden Wortklängen bestehenden Sinnzusammenhänge lässt sich diese Verwobenheit leicht nachvollziehen: mag. TÉR ↔ “kehr~t, dreh~t“ ↔ it. “gir~a, cir~cola, tor~na“; Kehr-/Dreh ↔ it. “tru~cco“; TÉR~NI ↔ “dreh~en, kehr~en“ ↔ it. “gir~are, tor~nare“; TOR~NA VER~SENY ↔ “Tur~n Wettbe~wer~b, Tur~nier“ ↔ it. “tor~neo“; her~um ↔ it. “tor~no“; Kehr~e, Kur~ve ↔ it. ”tor~nante, cur~va”; FOR~DUL~Ó ↔ ”Tur~nus, Runde” ↔ it. ”tur~no, gir~o”; krei~sen, kehr~en, dreh~en, wir~beln ↔ it. ”gir~are, vol~gere, vor~ticare, vir~are, tor~nare; Kehr~reim ↔ ”ri~tor~nello” usw.
Aus der Fülle der zur Bedeutungssphäre des Urwortskernes T[i/ü/e/a/ö/o/u]R gehörigen deutschen Wortklänge hier nur einige wenige Beispiele, als Anregung zum Weiterforschen: Tur~m (mit krei~send kehr~ender Wendeltreppe), Tur~ban, Tul~ipan (Tur < Tul), Tur~bine: Maschine in der die S~trö~mungsenergie von Dampf, Gas oder Wasser mit Hilfe rotierender, krei~send kehr~end, dre~hend wir~belnder (KIR ↔ TIR ↔ PIR) Laufräder in mechanische Arbeit umgewandelt wird; Tur~bo, Tur~bolenz, Dreh~ung (TIR), Trie~bwerk (eines Fahr~zeuges, TIR ↔ PIR). Hierher gehört natürlich auch der Tor~nado (TIR), der her~um-krei~sende (KIR) Wir~bel-S~tur~m (PIR ↔ TIR). Er trei~bt übers Gelände/Terr~ain (TIR); seine S~tre~cke fähr~t/führ~t über ein gewisses Terr~itorium (TIR ↔ PIR ↔ TIR), fegt über S~tra~ßen und behindert erheblich die Fahr~t der Fahr~enden mit ihren Fahr~zeugen (TIR ↔ PIR).
Der Asen-Gott THOR
In der germanischen Sagenwelt ist Thor/Donar der Sohn des Hauptgottes Wotan/Odin. Neben seinem Vater ist er der mächtigste und berühmteste Asen-Gott. Seine Naturgrundlage ist das mit dem Donner hereinbrechende Gewitter. Seine wohl bekannte, ihn kennzeichnende Waffe ist der Hammer “Miölnir“, mit dem er das Böse “zermalmt“ (↔ EL-TÖR). Diesen schmettert er gegen das Böse. Der Hammer fährt dann dahin wie ein Blitzstrahl, trifft mit “zerbrechender“ (↔ TÖR~Ő) Gewalt sein Ziel und, Wunder, “kehrt“ (TÉR) von selbst “wieder“ in die Hand des Asen Thor “zurück“. Bemerkenswert ist hierbei die Realisierung des Sinnzusammenhanges “fahr~en ↔ tre~ffen ↔ bre~chen ↔ kehr~en“ mit Variationsgestalten der Urwortskerne PIR ↔ TER ↔ PIR ↔ KÖR. Sie stellt einen zusätzlichen Beleg für die besagte, zwischen diesen bestehende, Wechselbeziehung. Der Hammer-schmetternde, rot-behaarte und -bebartete Thor/Donar ist der Gott der Bauern. Er bringt ihnen den gesegneten Gewitterregen, der die Erde fruchtbar macht. Des Asen-Gottes Thor Lieblingsbaum war die Eiche. Der Vogelbeerbaum (Eberesche) mit seinen (py)roten Beeren, das Eichhörnchen, das Rotkehlchen und das Rotschwänzchen waren wegen ihrer (py)r~oten Far~be ebenfalls ihm geweiht. Er galt als Midgard´s Wehr, der Welt Verteidiger und Schirmherr. Als stärkster unter den germanischen Asen-Göttern, verkörpert er die Wahr~heit und die Wir~klichkeit (↔ PIR) im Leben. Thors Hammer galt bei den Germanen als Sinnbild göttlicher Gewalt über Leben und Tod. Mit ihm pflegte man daher bei feierlichen Handlungen die Weihe zu vollziehen. So beispielsweise bei Trauungen (“Zusammen-Kehr~en“ ÖSSZE-TÉR~ÉS); da wurde der Hammer auf den Schoß der Braut gelegt und über ihn wurde durch Händedruck der Bund fürs Leben geschlossen. Der Hammer weihte den Toten auf dem Scheiterhaufen zur “Wieder-Kehr“ (ÚJJÁ-TÉR-ÉS; TRUIA/TÉR-ÚJJÁ “kehrt wieder/erneut“) durch die Kraft der Wahrheit. Er heiligte und befriedete die Tür- und Tor-Schwelle des Hauses und ebenso die Marksteine zwischen den Gauen und Stämmen. Auch wurde die Vermessung der Flur bei Verteilung von eroberten Ter~ritorien durch Hammerwurf vorgenommen.
Der Asen-Gott TYR
Auch Tyr (Tiu, Ziu) gehört in der germanischen Sagenwelt, neben Wotan/Odin und Thor/Donar, mit zu dem höchsten Asen-Götter. Es fällt auf Anhieb die große klangliche Ähnlichkeit zwischen den Namen Thor und Tyr auf. Lediglich der Vokalwert (o < y) verändert sich. Der Asen-Gott Tyr ist in Deutschland unter den verschiedenen Namen: Tiu, Ziu, Sarnot, Eru und Heru (↔ ERŐ ”Kraft”) bekannt. Sein Erkennungszeichen ist das “Schwert“ (↔ ŐR ”Wächter“, TŐR ”Dolch, Florett; Falle, Hinterhalt”). Sein Tag heißt Tius-Tag und ist der Dienstag, in Bayern auch Ertag (von Eru/Heru) genannt. Die Gegebenheit, dass Tyr dem Dämon Fenriswolf seinen Arm kaltblütig als Unterpfand in den Rachen legte und erduldete, dass er ihm von diesem verschlungen wurde, bezeugt seine Kühnheit. Seitdem Tyr dies ”erlitten” hat, ist er der einarmige Asen-Gott (↔ ŰR ”Leere, Raum“, TŰR ”duldet, erleidet”, TŰR~ÉS ”Duldung, Erleiden”, TÜR~ELEM ”Geduld”). Der Sinnbezug des Namens “Tyr“ zu den Urwortskernen ŐR – TŐR und ŰR – TŰR mit ihren entsprechenden Bedeutungen wie auch des Asen Tyr alternativen Namen Eru/Heru zum Urwortskern ERŐ, ist höchst bemerkenswert. Ja, er scheint mir besonders aufschlussreich zu sein, denn er erhält volle Bestätigung durch die alt-germanische Sage. Man würde denken und zu Recht erwarten, dass man eine solche oder eine ähnliche Bestätigung auch aus dem Netzwerk des deutschen Wortschatzes bekommen könnte. Aber eigenartiger Weise erhält man sie hieraus nicht.
Diese kurzen Angaben belegen offenkundig die zwischen den Asen-Gott Namen “Thor“ und “Tyr“ der germanischen Sagenwelt und der Bedeutungssphäre des Urwortskernes T[i/ü/e/a/ö/o/u]R bestehenden, vielfältigen Sinnverbindungen. Und sie bezeugen zugleich mit Klarheit, dass auch die Namen “Thor“ und “Tyr“ sprechende Namen darstellen, die aus dieser umfangreichen Bedeutungssphäre genährt sind.
Mecher/Etruskische Bezüge zum Urwortskern T[i/ü/e/a/ö/o/u]
Das “Tor zum Jenseits“ ist eines der meist vorkommenden Sinnbildern in den mecher/etruskischen Grabstätten. Man kennt es ebenfalls aus der Ikonographie der Grabstätten des antiken Ägypten. Es ist der Dur~chgang zwischen den Welten, den jeder Dahingeschiedene zu dur~chqueren hat. Die Gegebenheit, dass das für die Verstorbenen zum Dur~chqueren und Einkehren ins Jenseits bestimmte ”Tor” eines der zentralen Symbole der Fresken in den mecher/etruskischen Grabstätten darstellt, vermittelt seine ganz besondere Bedeutung. In der Vorstellung der Mecher (nach M. Alinei ist dies das Ethnonym, womit die Etrusker sich selbst nannten) hatten die Verstorbenen, um in den ”Raum” des Jenseits zu gelangen, das schwere ”Tor” zu durchqueren. Die Vorstellung der Mecher/Etrusker im Bezug auf das ins Jenseitsgelangen der Toten war einfach der Realität ihres Alltags entlehnt. Sie projizierten die Erfahrung der Benutzung des Räume-trennenden und -verbindenden Tores auf die Lage der Heimgegangenen. So stellten sie sich vor, dass die Verstorbenen, den Lebenden gleich, ein Tor, ja, d a s Tor zu dur~chqueren hatten, um ins Jenseits, in den ”anderen Raum der Seelen” zu gelangen.
Das “Tor zum Jenseits“ erhält seinen ergänzenden Gegenpol in der Vulva der großen Mutter, die in Höhlen und auf Kultobjekten im alten Europa so oft dargestellt wurde. Die Vulva wurde in ihrer dreifachen Funktion als heiliges “Tor“ des weiblichen Tempels der Liebe, als heiliges “Tor“ der Ein-kehr ins Leben sowie als heiliges “Tor“ der Ausscheidung von Har~n und Menstruationsblut verehrt. Die Ein-kehr ins Leben geschieht durch das “Tor“ der Scheide, die Aus-kehr~e durch des Grabes “Tor zum Jenseits“. Und dazwischen, in der Lebensspanne eines jeden Menschen, ereignet sich das Trei~ben unzähliger “Tor“- und “Tür“- bezogener Dur~chgänge. Ja, es lässt sich ebenfalls aussagen, dass sämtliche Kör~per-eigenen Öffnungen des Menschen, im übertragenen Sinne, auch “Tore“ sind; Tore des Ein- und Aus-kehr~ens von Nahrung, von Sinneseindrücken, “Tore“ des Ver~kehr~s, des Zir~kulierens eben.
Dass es in neueren Zeiten so viele verschiedene Interpretationen über die Sprache der Mecher/Etrusker geschrieben werden konnten und können, ist der gründlichen Vernichtungsaktion ihrer schriftlichen Werke durch die römischen Päpste der jüdisch-christlichen Kirche der ersten Jahrhunderte u. Z. zu verdanken. Von diesen Werken sind nur noch die Titel bekannt, so etwa: ”Die Tagetischen Bücher”, darunter ”Die Disziplin”, ”Die Vegoe-/Begoischen Bücher (z. B.: ”Libri Fulgurales, Libri Rituales”), ”Die Sibillinischen Bücher”, um nur einige der bedeutendsten zu nennen. Das, was diese umfangreiche Vernichtungskampagne überstanden hat, sind an sich Reste, Splitter, Fragmente, meistens sind es kurze Grabaufschriften und Votivschriften. Bis auf wenige Ausnahmen, gibt es kaum zweisprachige Schriften; auch gibt es keine umfangreiche Wörterbücher. Welch eine Schande, dass all das geschriebene Wissen der Mecher/ Etrusker von den Machtgierigen zerstört und für immer ausgelöscht wurde!
Man wird sich zu Recht fragen, warum dieser Kulturvernichtungsakt veranlasst und durchgeführt wurde? Ganz einfach, um die äußerst gefärliche Konkurrenz, die die ”heidnisch” bezeichnete, feminin-, naturorientierte, und deswegen von den Machthabern stets mit Missgunst betrachtete, fremdartige mecher/etruskische Kultur im damaligen Europa darstellte, weitgehend auszuschalten.
Aus der Spärlichkeit des übriggebliebenen Sprachmaterials hier nun einige mecher/etruskische Bezüge zum Urwortskern T[i/ü/e/a/ö/o/u]R (aus M. Alinei “Etrusco: Una Forma Arcaica di Ungherese” [Etruskisch: Eine Archaische Form von Ungarisch]):
TRAMA/TaRAMA mech./etr. ”Lager-/Speicherfrau/-Mutter; Verwalterin eines Lebensmittelvorrats, Proviantmeisterin” ↔ mag. TÁR ”Lager, Speicher, öffnet, schließt weit auf, bietet an”; amag. AMA – EME ”Weib, Mutter”, mag. ANYA ”Mutter” ↔ mong. ”Frau”; mech./etr. F[a]SI-TRALS/-T[a]RAL[a]S Aufschrift neben einem das Mahl vorbereitenden Diener ↔ mag. TÁR~OL “wartet auf, bewahrt auf, lagert“, TÁR~OL~ÁS “Aufwartung, Aufbewahrung, Lagerung, Speicherung“; TIURUNIAS mech./etr. “Gesetz, gesellschaftliche Ordnung, Brauch/Gewohnheit“ ↔ mag. TÖR~VÉNY “Gesetz“, TÖR~VÉNY~ES “gesetzlich“.
TUR mech./etr. “als Weihgabe anbieten“ ↔ mag. TÉR “abtreten, zuwenden, richten“; TURAN, die mecher/etruskische Aphrodite, Göttin der Schönheit, der Liebe und Fruchtbarkeit ↔ šum. TUR Labat Nr. 144 ”klein, jung sein”, mag. TÚR ”wühlt, gräbt/senkt sich ein“ (das aus dem Mutterschoß ”hervor-gekehrte” ELŐ-TÉR~T Wesen), reflektiert sich in mag. TER~EM “generiert, gedeiht, wächst, (umschlossener) Raum“; TER~EM~T “schöpft, generiert, erzeugt“; TER~EM~T~Ő ”schöpfend/e/r, Schöpfer/in”.
Ursprung und Bedeutung des Titels TARKUN/TARKAN
Die Stadt Tarquinia, wo sich die meisten mit Fresken ausgestatteten etruskischen Grabstätten befinden, wurde, der Überlieferung zufolge, von der mecher/etruskischen Familie der Tarquinier (die mech./etr. Gestalt des Namens ist Tarkun/Tarchun) gegründet. Nach Einschätzung des Autors M. Alinei bedeutet «Tarkan, Tarqan, Tarjan» “höchster Führer”; in anderen Gestalten: «Khagan» oder «Khan». Eine der sieben hungar/magyarischen Stämme der (Wieder)Eroberung hieß «Tarján» (Tariánu). «Tarján» ist der Titel von ”Heerführer, Vizekönig”. Alternative Gestalten sind auch: «Tarxan, Tärkän». Der Titel «Tarqan/Tarxan/Darqan», der in Alttürkisch die Bedeutung ”Haupt/Führer, hoher Würdenträger, Vizekönig” hat, ist in zahlreichen asiatischen Sprachen gegenwärtig. So beispielsweise in Kasakisch, wo «Darkan» ”Begünstigter des Khans” bedeutet; oder in Mongolisch, wo «Dar-qan» die Bedeutung ” Adlige/r, vornehm, adelig” hat; oder auch in Russisch, wo «tarxan» ”Zustand von jemanden, der steuerfrei ist” bedeutet.
In der magyarischen Toponomastik kommen vor die Varianten: TÁR~KÁNY, TAR~JÁN, TER~ÉNY. Der Wortklang TÁR~KÁNY zeigt eine enge inhaltliche Verwandtschaft zum Wortklang SÁR-KÁNY “Dra~che/n“ (engl. dra~gon, lat. dra~co, it. dra~gone, gr. dra~chos, alb. dra~gua). Die Sinnwandlung ist hier realisiert durch die Lautwandlung vom stimmlosen Dental “T“ zum stimmhaften Sibillant/Frikativ “Sch“ (T < Sch). Wesentliche, den “Drachen“ kennzeichnende Wortklänge sind unter anderen: SÁR “Schlamm“ (SZAR “Kot“), SÁR~GA “gelb“, (↔ SAR “Lohn“, SÁR~ARANY “gediegenes Gold“, SÁR~MÁNY “Goldammer“), SAR~OK “ Ferse“, SAR~KAN~TYÚ “Sporn, Sporen“, SER~KEN~T “spornt an“, SAR~KAN~TYÚ~S SÁR~GA SÁR~KÁNY “gespornter gelber Dra~chen“.
Aus der Summe der magyarischen Bedeutungen: TAR “rasiert, kahl“, TAR~KÓ “Genick, Nacken“, TAR~AJ “Kamm“, (LE)-TAR~OL “grast ab, heimst ein“; KAN “männlich“, KON~TY “Haarknoten“, HUN/HON “Heimat, Vaterland“ (im Kingir/Šumerischen bezeichnet LU HUN.GA das Sternzeichen Widder, das im Tierkreiszeichen an erster Stelle steht) ergibt sich die Botschaft des sprechenden Namens/Titels TARKUN/TARKÁNY: “Kahlköpfiger Heerführer, erster Mann der Heimat“.
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