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Der Urwortskern K/i/ü/e/a/ö/o/u/T – Teil 2

Der Urwortskern K[i/ü/e/a/ö/o/u]T (2)
©Zoltán Ludwig Kruse

Die aus dem Urwortskern K/i/ü/e/a/ö/o/u/T entwickelte Wortsphäre im Sanskrit

Zu dem im 1. Teil vorgestellten, durch Lautvariations-Spiel mit dem Urwortskern K/i/ü/e/a/ö/o/u/T realisierten, umfangreichen Inhaltskomplex im Kingir/Šumerischen und Hungar/Magyarischen gehört eine Unmenge von Wortklängen vieler Sprachen. Im Sanskrit (→ Brockhaus: “die gegen 600 v. u. Z. durch den indischen Grammatiker Panini in Regeln gefasste literarische Kunstsprache in Indien“) sind die aus dem Urwortskern K/i/ü/e/a/ö/o/u/T entwickelten Worte reichhaltig; die, in Fettschrift notierte, Kernformen hingegen etwas weniger üppig. Hier folgen einige repräsentative Wortbeispiele aus dem Wortbestand dieser Sprache: chid “abschneiden, durchschneiden, trennen, amputieren, dividieren“ (↔ mag. KÉS “Messer“, KÉT “Zwei“, tibet. gcod/chöd “abschneiden, zerstören, vernichten“); chit~ti “Teilung, Stückelung, Division, Trennung“ (↔ mag. KET~TÉ “ent-zwei“); chid~a “abschneiden“; chid~i “Beil, Schwert“; chid~ura “schneiden, teilen“; kut~a “Haus“ (↔ mag. HÁZ, lat. it. cas~a, engl. hous~e); kut~ika “kleines Haus“ (↔ mag. HÁZ~IKÓ); kut~ira “Häus~chen, Hütt~e, Schuppen“ (↔ dt. Hut, Haut, hüt~en, engl. hut “Hütte“, hatHut“); kut~tin “Schneiden, Schnitt“ (↔ engl. cut; mag. KÉS “Messer“); kuth~ara “Beil, eine Art von Hacke oder Spaten“; kuth~araka “Beil, ein kleines Beil“; kuth~arika “Holzfäller/-schneider“; kud~ya “Mauer“ (↔ mag. GÁT “Deich, it. dig~a, engl. dik~e“); khit “erschrocken/entsetzt sein“, khid “schlagen, stoßen, treffen, abschließen, streichen, einholen, wechseln, abbauen, Streik/ Verweigerung“, khid~rá “Arme/r, Krankheit, Leiden, ein Spaltungs-Instrument“, khid~ras “Niedergeschlagenheit, Verzweiflung“, khed~a “Müdigkeit, Depression, Verzweiflung, Erschöpfung, Schmerz, Leid, Kummer, Betrübnis, ein Spaltungs-Instrument das zu Indra gehört“, khed~ita “gestört“, gudh “verpacken, einwickeln, -hüllen, einschließen, bedecken, kleiden“, gudh~ita eingeschlossen, umrundet, gudh~era “Schützen“, gud~á “Gedärme, Eingeweide, Mastdarm, After“ (Ausscheidungs-Weg), gat~a “gegangen, weggegangen, abgereist, entfernt, aufgebrochen, getrennt, verstorben, tot, vergangen, verschwunden, zerstört, vorüber und vorbei, dahin (↔ rum. gat~a, mag. KÉSZ [k<g, t<sz] “fertig, bereit“; KET~TÉ-/SZÉT-SZED “entzwei-/auseinander-nimmt“) verbunden mit, bezogen auf, gekoppelt mit“ (↔ mag. KÖT “verbindet“, KÖT~ÉL “Seil“, KÖT~ÉS “Bindung“); chad “zudecken, überdecken, kleiden, verschleiern (↔ mag. KÖD, norw. s~kodd[a] “Nebel“, dt. Schatt~en), gud~ha “bedeckt, geheim, versteckt, verborgen, maskiert“ usw..

Die aus dem Urwortskern K/i/ü/e/a/ö/o/u/T entwickelte Wortsphäre im Griechischen

Im Griechischen ist der Urwortskern K/i/ü/e/a/ö/o/u/T vorwiegend in der Funktion von Vorsilbe in den Gestalten “kata~, kate~, kato~, kati~, kuti~, katu~“ gegenwärtig und wirksam in einer langen Reihe von Worten mit den Bedeutungen “zu, an, gemäß, nach, gegen, von – herab, abwärts, über – hin, gänzlich“. Hier folgen einige Wortbeispiele, die diese wohl bekannte Vorsilbe enthalten: kata~vallo “bezwingen, überwältigen“, kata~vasi “Abfahrt“, kata~gma “Bruch, Fraktur“, kata~dioko “verfolgen“, kata~dioksi “Verfolgung“, kata~thlipsi “Depression, Verzweiflung“, kata~kathi “Bodensatz“, kata~kathome “sich absetzen (scheiden)“, kata~logos “Verzeichnis, Kata~log“, kate~dafizo “abreißen, abbrechen“, kate~dafisi “Abriss, Abbruch“, kate~ragris “listig, schlau, Schlitzohr“, kuti~fora “abschüssiger Weg, Gefälle, Abhang“, kati~forizo “hinabgehen, bergab gehen“, kati~kia “Haus“, kati~kimenos “bewohnt“, kat~ikos “ Bewohner, Einwohner“, kati~ko “bewohnen, be~haus~en“, kato~ptro “Spiegel“, katu~ro “Urin, Wasser lassen/ausscheiden; und natürlich gibt es da auch eine Reihe von Fachausdrücken, die aus dem Griechischen auch ins Deutsche übernommen wurden, z. B.: Kata~tonie, eine Form der Schizophrenie (gespaltene Persönlichkeit); Kata~lepsie “Starrsucht“ (bes. Anzeichen der Schizophrenie), Kata~strophe “Zusammenbruch, Umkehr, Wendung“, Kata~bolismus “Abbauvorgänge, Spaltungen der Stoffe im Körper der Lebewesen durch den Stoffwechsel“, Kata~phasie “Sprachstörung“ (mech. Wiederholen von Sätzen), oder auch Kata~maran “Segelboot mit Doppelrumpf“, Kata~rakt “niedriger Wassersturz (Unterbrechung des Strömungsflusses)“; gelegentlich kommt er auch in Anlaut-Auslaut eingebettet vor, so beispielsweise in: s~kat~a “Kot, Schiet“, s~kat~o “Schat~ten“ usw..

Die aus dem Urwortskern K/i/ü/e/a/ö/o/u/T entwickelte Wortsphäre im Lateinischen

Auch im Lateinischen findet man zu dieser großen Wortsphäre gehörige Worte, wie z. B.: ced~ere ”schreiten, weggehen, weichen, nachgeben, aufgeben” (it. ”absacken, überlassen, abtreten”) cet~era ”im übrigen, sonst”, et~cet~era ”und so weiter” (Serie, die mit ”Zwei” beginnt), cet~eri ”die übrigen/anderen”, se~c()t~io ”Zerstückelung”, se~c()t~or ”Abschneider”, se~c()t~ura ”Stein-Bruch”, se~c()t~a ”Richtung, Weg, Partei/Se~k()t~e”, sec~are – se~c()t~um ”zerschneiden, zerspalten”, se~ced~ere (ced~o, ces~si, ces~sum) ”weggehen, sich entfernen/trennen”, se~ces~sio (d<s) “Spaltung, Trennung“; se~ces~sus “Abgeschiedenheit, Abgetrenntheit“, cat~ena ”Ket~te, Fessel”, cas~a ”Hüt~te, Häus~chen, Baracke”, cas~sis ”(Metall)Helm, Sturmhaube, cas~tellum ”Kas~tell, Festung”, cas~tigare ”züchtigen, strafen”, cas~tigatio ”Züchtigung, Strafe”, cas~timonia ”Keuschheit”, cas~tus ”keusch, züchtig”, cas~us ”Fall, Sturz, Zwischenfall”, cas~tra ”(Kriegs)Lager”, cas~trum ”Kas~tell, Burg” usw..

Die aus dem Urwortskern K/i/ü/e/a/ö/o/u/T entwickelte Wortsphäre im Italienischen

Selbstverständlich gibt es auch im Italienischen zahlreiche in diese umfangreiche Wortsphäre gehörige, inhaltlich verwandte Worte, so z. B.: cad~ere ”fallen”, cad~uta ”Fall, Sturz”, cad~enza ”Kad~enz, Fall, Rhythmus”, cad~enzato ”kad~enziert, rhythmisch”, de~cad~enza ”De~kad~enz”, cat~ena ”Ket~te”, in~cat~enare ”an~ket~ten, fesseln”, s~cat~enare ”entfesseln”, cut~e ”Haut”, s~cud~o ”Schild (S~chut~z)”, ces~oia “Draht-, Blech-, Garten-Schere“ (Schneid-Werkzeug), ces~sare “aufhören, beenden“, ces~sione “Abtretung“; ces~so “Abort“; ces~ura “Zäs~ur, Trennung“, s~cat~to “Aus-/Loslösen, Losgehen, Auslöser“, s~cat~tare “losgehen, loslösen“, ris~cat~to “Loskaufen, Freikaufen, Lösegeld, Befreiung, Erlösung“; ris~cat~tare “frei-kaufen, befreien, erlösen“, s~cat~ologia “Fäkalsprache“, s~cat~ola “Schachtel“, s~cat~urire “heraus-sprudeln, heraus-laufen, entspringen“, s~chiz~ofrenia “S~chiz~ofrenie/ Gespaltenheit“ (t<s), s~cis~ma/ s~cis~sione “Spaltung“, s~cis~to “Schiefer“ usw.. cas~a ”Haus”, cas~etta ”Häus~chen”, cas~tello ”Kas~tell, Burg”, cit~adella ”Zitadelle, Festung”, cuccia ”Hundehütte, Kiste”, cuccio~lo ”Welpe, (Tier)Junges”, cucce~tta ”Koje, Liegewagen-Platz”, cot~ica, cot~enna ”Schwarte”, cod~a ”Schwanz” (Anhang, Anhängsel), cod~ino ”Zopf, Zöpfchen”, cod~azzo ”Gefolgschaft”, caz~zo ”Schwanz”, cet~o ”Schicht, Stand”, ced~uo ”fällbar, schlagbar”, ced~ola ”Coupon, Dividendenschein”, cit~are ”zitieren,, vorladen, anführen”, cit~azione ”Vorladung”, cit~ofono ”Sprechanlage”, cat~tività ”Gefangenschaft”, cat~tura ”Festnahme, Fang”, cas~cata ”Sturz, Wasserfall”, cad~uta ”Fall, Absturz”, goccia ”Tropfen”, get~tare”(wef)werfen, schmeißen, auswerfen, stoßen”, get~to” Spross, Trieb”, git~a ”Ausflug”, get~tito ”Ertrag”, ghet~ta ”Gamasche”, ghet~to ”Ghet~to” (Abtrennung) usw.. Der blanke Wortkern KÉT oder Variationen davon, der, m. E., die grundlegendege Voraussetzung für Erweiterungen liefert, ist im Leitenischen und Italienischen sowie in den anderen romanischen Sprachen unauffindbar.

Die aus dem Urwortskern K/i/ü/e/a/ö/o/u/T entwickelte Wortsphäre im Englischen

Zu dieser, aus dem Urwortskern K/i/ü/e/a/ö/o/u/T entwickelten Wortsphäre gehörige Worte sind natürlich auch im Englischen reichlich vorhanden, so z. B.: cut ”Schnitt”, to cut ”schneiden” mit seinen zahlreichen Entwicklungen wie z. B. cut~ler ”Messerschmied”, cut~ter ”Schneidende/r, Schneider”, cut~ting ”Schneiden, Schnitt”, chat “Geplauder, Geschnatter, Schwätzchen (Zwie-gespraech)“, chat~ter “zwitschern“, gat~e ”Brücke”, cut~icle ”Häut~chen”, cut~aneous ”Haut-”, hatHut”, hut ”Hütte”, cad ”Flegel, Lümmel, Rüpel, cad~aver “Kadaver“, cad~ucity “Hinfälligkeit“, cas~e “Behälter, Scheide, Gehäuse, Kiste, Kasten“, cash “Bar-/Fertig-Geld“ (↔ mag. KÉSZ PÉNZ), cas~ing “Bekleidung Gehäuse, Umhüllung“, cas~t “(ab-, aus-, fort-, hin-, weg)werfen, hinfallen lassen, verlieren, sich erbrechen, Auswerfen, Wurf, Abguss“, cas~te “Kaste (Teilung)“, cas~ting “Wurf, Guss, Abguss, Gusseisen“, cas~tle “Burg“, cas~trate ”kas~trieren, verschneiden”, cas~tration ”Kastration, Verschneidung”, catch ”(auf-, ein)fangen, erwischen, packen, Fangen, Beute, Stocken, Bruchstück”, cat~enary ”Ketten-, Kettenlinie”, cat~er ”be-, herausschaffen, liefern”, ced~e ”aufgeben, abtreten, zed~ieren”, cheat ”betrügen, täuschen, prellen” (↔ mag. CSŐD ”Bankrott”), ches~t ”Kis~te, Kas~ten”, chid~e ”schelten, tadeln”, cis~t ”Zis~te, (prähist.) Steingrab”, cis~tern ”Zis~terne”, cit~ation ”(Vor)ladung, Zit~ieren, Zit~at”, cod~e ”Schlüßel (zu Geheimschriften), (Ver)Decken, Kryptieren”, cot ”Unterstand, Schutzdach, -Hütt~e, Kat~e, Hüt~te”, cot~e ”Schutzdach, Stall”, cot~tage ”Hütte, Häuschen, Land-, Sommerhaus, hous~e ”Haus”, cut~let ”Kotelett”, kiss ”küs~sen, Kuss”, kit ”Eimer, Kübel, Bütte, Gepäck, Ausrüstung”, shad~e, shad~ow ”Schat~ten, Schutz, Dunkelheit”, shad~ing ”Abschirmung”, shat~ter ”zerschmettern, zerbrechen, zersplittern”, shead ”aus-, vergiessen/strömen, abstoßen, werfen, sich entledigen, Schutz-, Wetterdach”, sheet ”Bettuch, Laken, bedecken, verschütten”, shit/shit~e ”Schiet, Kot, Scheis~se, scheis~sen”, sheath ”(Schwert)Scheid~e” usw. Bemerkenswert ist im Englischen die lange Reihe bloßer (in Fettschrift notierter) Wortkerngestalten. Eine eigenartige Gegebenheit diese, die mehr dem Bestand der Wort-Kerne im Kingir/Sumerisch und Hungar/Magyarisch ähnelt, weniger dem im Sanskrit, Lateinisch und Griechisch vorhandenen. Sie sind offenbar zum Urwortskern-System K/i/ü/e/a/ö/o/u/T gehörige Variationsformen. Die recht oft vorkommenden Lautwandlungen k < c, h, g, s, z und t < s, z dienen hier, wie in anderen Fällen auch, zur semantischen Differenzierung. Selbstverständlich dehnt sich die Sphäre dieser zusammengehörigen Wortklänge in den Bereich der anderen europäischen, germanischen, romanischen, slavischen, baltischen Sprachen aus.

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Der Urwortskern K/i/ü/e/a/ö/o/u/T – Teil 1

Der Urwortskern K[i/ü/e/a/ö/o/u]T (1)
©Zoltán Ludwig Kruse

Im vorliegenden Text will ich mich der Erkundung jener umfangreichen Wortsphäre widmen, die ihren Ursprung im Urwortskern K[i/ü/e/a/ö/o/u]T nimmt. In und durch ihm erhält Reflexion des Menschen archetypische Vorstellung von “Verzweigung“. Die durch das Zeichen der Gabelung geäußerte Wurzelidee von “Verzweigen“ konnte im Kingir/Šumerischen sowohl mit dem Urwortskern TAR, TIR, TUR als auch mit dem Urwortskern KUD/QUD, auch QAT/KAT, KATA, alternativ ausgedrückt werden. Wie ich in meinem Text “Der Sprechende Name TRUIA“ unlängst berichtet habe, ist der Urwortskern TAR/TIR/TUR relativ zu den Inhaltsaspekten “ab-/zusammen-/ein-/kehren; ab-/teilen/trennen“. Der Urwortskern KUD/QUD, QAT/KAT, KATA wiederum ist bezogen auf die Aspekte “scheiden/entzweien/verzweigen, Zwei, Hände“.

Ein Urwortskern Archetyp ist grundsätzlich durch Wandelbarkeit gekennzeichnet. Die Möglichkeiten der Variation der Laute, die den Urwortskern K/i/ü/e/a/ö/o/u/T bilden, sind: K/Q/C < CH < H< G, für den Guttural, alle Vokalwerte für den interkonsonantischen Vokal und T < TY/TJ < D < DJ < S < SZ < Z, für den Dental.
Durch das Spiel der Lautvariation sowie durch Erweiterungen des Kerns wird die Wurzelbedeutung “Verzweigung – Zwei – Zweiheit“ mannigfach differenziert. Aus dem einzigen ursprünglichen Wort-Kern K/i/ü/e/a/ö/o/u/T entsteht auf diese Weise ein regelrechter Wort-Baum, eine Sphäre lautlich-inhaltlich eng-verwandter Worte. Und dieser Wort-Baum, diese  riesige Wort-Sphäre umfasst, wie wir noch hören und sehen werden, Wortklänge sehr vieler Sprachen verschiedener syntaktischer Organisation.

Das Urwortskern-System K/i/ü/e/a/ö/o/u/T im Kingir/Šumerischen

Die Keilschriftzeichen Nr. 63 TAG “zurücklassen, entlassen, verzichten“, KID “abkneifen, abgekniffener Ton, schleißen, spalten“ (Deimel), KÁD, KÀD “(an-, zusammen)binden, festmachen, fesseln“, KÍD “kneifen, Ton modellieren“ (Labat) und Nr. 354 ŠU, KATU “Hand“, KID “bauen, festfügen“ (Deimel), ŠU, QAT, QAD, QATA “Hand, Griff“ (Labat) [↔ mag. KÉZ/KETE “Hand“ - KÉT “Zwei“ -  KÖT “bindet“] gehen zurück auf das Urbild der nach vorn (zum Greifen) ausgestreckten rechten Hand. Während das Urbild des Keilschriftzeichens Nr. 90 KAD, KÚT, GAD(A), akk. kitû, “Leinen/Leinenstoff“, Determinativ vor dem Namen von Leinen Pflanzungen (Labat), GAD, GADU, GADA, KITU “Flachs, Leinengewand“ (Deimel) [↔ mag. GATYA “weite Leinen-Hose/Hosenrock“, KÖT~ÉNY “Bindling“, “Schürze“ ↔ gr. chit~on “altgriechisches Kleidungsstück aus Leinen“] wahrscheinlich die Blüte des Flachses/Leins ist (nach Deimel). Das Urbild des Keilschriftzeichens der Gabelung Nr. 12 TAR, TIR, KUD, QUD, TUR (Labat) KUD, HAŠ, GIŠ, TAR (Deimel) ist wiederum “Der Scheideweg“. Die aus diesem Urbild entwickelten Grundbedeutungen sind (nach Deimel): “bauen [↔ mag. KÖT “(ver)bindet, fügt zusammen], schneiden, durchschneiden, abschneiden, zerschneiden, beißen, scheiden, ausreißen, trennen, spalten, durchbrechen, bändigen“, HAŠ “schädigen, verderben, zerschlagen, zermalmen“, GIŠ eine Waffe [↔ mag. KÉS “Messer“]. Die Urbilder von “Hand“ und “Der Scheideweg“ reflektieren die gemeinsame Wurzelidee von “Verzweigung“ – ein allgegenwärtiges Prinzip in der Natur. Sie ist offensichtlich der Baum-Ast-eigenen Naturrealität entlehnt. Ihre Formulierung ereignete sich, wohlgemerkt, aus zwei verschiedenen, eng verwandten Denkperspektiven. Beim Zeichen der Gabelung Nr. 12 geschah sie aus jene der einfachen Verzweigung/Scheidung des Weges, während sie bei den Zeichen Nr. 63 und Nr. 354 aus jener der mehrfachen Verzweigung der fünffach befingerten Hand erfolgte. Ja, eigentlich der “Zwei Hände“ [mag. KÉT KÉZ], die durch einen trennenden “Zwischenraum verbunden“ [mag. KÖZ KÖT] oder auch durch einen “verbindenden Zwischenraum“ [mag. KÖTKÖZ) “getrennt“ [mag. KET~TÉ “ent~zweit“] sind, je nach dem, welchen dieser beiden gleich gültigen Aspekte man hervorheben will.

An dieser Stelle möchte ich an die außerordentlich wichtige Bedeutung des Urbildes “Hand“ kurz erinnern. Die “Hand“ ist eines der menschlichen Gliedmaßen von größter symbolischer Expressivität. Mit den “Zwei Händen“ führt der Mensch Taten, Gestaltungen, ja, konkrete Arbeiten aus. Er fertigt mit ihnen Gegenstände, Bauten, Anlagen, Lebensmittel, Kunstwerke an. Er pflanzt, baut, bindet, fügt zusammen, trennt, schlägt, tastet, streichelt, spürt, pflegt, heilt und spielt Instrumente mit seinen Händen. Auch hat die “Hand“ ihre eigene Sprache: sie kann willkommen heißen, verabschieden, verlangen, fordern, flehen, drohen, bitten, besänftigen, messen, zählen, Mengen anzeigen, ermutigen, verbieten, ausweisen, einladen usw.. Die “langen Hände“ verkörpern oft in den archaischen Ikonographien die Strahlen der Sonne. Im Hinduismus bilden symbolische Gesten, Bewegungen und Haltungen der Hände bekanntlich eine ganze Sprache: die Sprache der Mudras.

Der Weg

Die Wurzelidee von ”Weg” erhält in der LA LAB AB ABY BY BYR YR YRI RI RINTH IN INTH THO THOS OS Urwortskern-Sequenz durch den Wort-Kern THO Ausdruck. Des Weges Grundkennzeichen ist das “Ansetzen“, die “Angesetztheit“. Der Weg ist und wird angesetzt. Diese Realität wurde ursprünglich, und in manchen Sprachen wird es heute immer noch, mit der Lautqualität und Sinnprägungssiegel “T/D“ artikulatorisch zum Ausdruck gebracht. Sei es mit Vokalanlaut als ÚT (mag.) “Weg“, sei es mit Vokalauslaut (der auch diphthongiert sein kann) als (mag.) ”Ansatz, Stamm“ (unten, am Boden), DO (jap.) und TAO/DAO (chin.) “Weg“, als auch beides zugleich UTU (šum.) “Sonne“, IDŐ (mag.) ”Zeit” (T~ide; ↔ it. idi ”Ide~n”, alb. udhë “Weg“). In der piktographischen Dimension der Lautzeichen ”T” und ”D” (die beliebig gedreht werden können) erhält die Realität von ”Angesetztheit” zusätzliche Bestätigung. Das Urbild von ”Ansetzen” ist die aufgehende Sonnenscheibe (UD, UT, UTU, PAR, PIR ”Sonne”, Labat Nr. 381). Sie erscheint im Osten, wo sie am Horizont ihren Tages-Weg mit leuchtenden-wärmenden Strahlen anzusetzen scheint. In dem sie strahlend über dem Himmelsgewölbe fährt, lässt sie die Wesen der Erde beleben. Das “Ansetzen“ des Sonnen-Weges geht einher mit dem scheinbaren “Loslösen, Trennen, Scheiden, Entzweien“ der Sonnenscheibe vom Horizont. Im Kingir/Šumerischen und Hungar/Magyarischen, aber nicht nur da, wird auch dieser Aspekt kohärenter Weise mit der selben dentalen Lautqualität “T/D“ ausgedrückt und zwar in den Urwortskernen TAR/TIR/TUR, mag. R, und KUD/QUD, mag. KÉT. Im Kingir/Šumerischen mit den Bedeutungen “Weg, Route, Wegkreuzung“ und “spalten“ (Labat Nr. 12, 114); im Hungar/Magyarischen mit den Bedeutungen (physikalischer) “Raum, Platz“, als Substantiv, und “kehrt, wendet, zweigt/ wendet ab“ als Zeitwort, bzw. “Zwei“ (↔ gr. dro~mos, rum. dru~m “Weg, Gang“). Im Übrigen, das Scheide-Weg-eigene “Abzweigen, Verzweigen“ ist das Grundprinzip, das ebenfalls das Ader-System kennzeichnet. Die “Ader“ mag. ÉR aber, mit ihren verbindenden Eigenschaften von “(ge-)langt, (er-)reicht, rührt“, (diese sind, wohlgemerkt, die Zeitwortbedeutungen des Urwortskerns ÉR) ist im Urwortskern T~ÉR auf wundersame Weise schon mit enthalten, inbegriffen und wirksam. Anders ausgedrückt, die Grundeigenschaft der “Ader“ ÉR von “kehren, wenden, abzweigen“, wird durch Erweiterung des Urwortskernes ÉR mit dem dentalen Lautsiegel “T“ stimmig realisiert, und also in der Wortlautgestalt T~ÉR zum Ausdruck gebracht. Aber auch diese andere, ergänzende Option ist gültig: Zur Basis (↔ ”Ansatz”; engl. tou~ch, it. to~cco, ta~tto, con~ta~tto, ”Ta~sten, Ta~kt, Kon~ta~kt”) gesellt sich der Vibrant “R“. Das heißt: die Basis wird durch das Lautsiegel “R“ stimmig ergänzt. Auf Grund seiner Artikulationsrealität, der prägungsstark ist, erhält das vibrante Lautsiegel “R“, in der Regel, in zahlreichen Wortklängen Wirksamkeit; so beispielsweise: in “Rad, Rolle, Runde, Route, rollen, Kreis, Kreisen, Kreislaufen, Rotieren, Rotation“ usw..

Der Ur-Weg, namentlich der am Horizont angesetzte, bogenförmige, ja, runde “Sonnen-Weg“ mag. NAP-ÚT, mit dem alle anderen Wege naturgemäß verbunden sind, offenbart sich als “Zeit-Weg“ mag. IDŐ-ÚT, eben, als Zeit-Ablauf. Der Sonnen- “Weg“ ÚT führt fort vom ”Landschafts-” – J “Ansatz-“ Punkt im Osten, hin zur Vollendung, im Westen. Und während des Sonnen-Weges Ablauf läuft die “runde“ KEREK (zauberhaft treffend diese Realisierung mit einem Palindrom!) “Zeit“, die Sonnen-Zeit, untrennbar mit. Das ist also der Ur-Weg. Der Weg, der weg führt. Der auf- und absteigende Sonnen-Weg, der vom Aufgangs-Ansatz weg, hin zum Niedergangs-Ansatz, und dann erneut zum Aufgangs-Ansatz zurück- und weiterführt.

In Parenthese sei hier erwähnt, dass der selbe Wortklang “Weg“ im Magyarischen, interessanter Weise, andere, eng verwandte Bedeutungen übermittelt. Ich nenne sie hier nur, weil sie mir, bezogen auf den deutschen Bedeutungswert, durchaus bemerkenswert erscheinen: VÉG “Ende, Zweck, Schluss; Stumpf, Spitze, Zipfel; Stück, Gewebe, Webe; Grenzland, Grenzgebiet“; VÁG “schneidet, scheidet”. Die Erweiterungen: VÉG~EZ “(be)endigt, schließt ab, absolviert, vollendet/vollführt, macht, stellt an, nimmt vor, übt aus, leistet, verrichtet, beschließt, richtet aus, wird fertig, erledigt jemanden, fertigt jemanden ab, absolviert, legt ab, tritt ab“ und VÉG~Z~ET “Schicksal, Geschick, Verhängnis“ ergänzen die genannte Grundbedeutung.

Der Urwortskern K/i/ü/e/a/ö/o/u/T in Namen alt-ägyptischer Gottheiten

Der alt-ägyptische Name des zweigestaltigen Gottes der auf- und untergehenden Sonne, der in der damaligen Ikonographie als Falke im Steig- bzw. Sturzflug dargestellt wurde, ist uns, mit griechischer Vermittlung, als HARACHTE überliefert worden. Die Bedeutung dieses archaischen Namens ist: “Horus der Zwei Horizonte“. Der gleich-lautende magyarische Ausdruck KÖR A KÉT~É (HAR A CH[]T~E) “Kreis der Zwei“ benötigt kaum zusätzliche Erklärungen, denke ich; die lautlich-inhaltliche Entsprechung liefert offenkundige Bestätigung. Diese im Namen HARACHTE vorhandene Grundidee von “Zwei – Zweiheit“ gelangt, im Übrigen, im Namen “Horizont“ selbst zur Geltung. Denn er drückt die Bedeutung “Grenzlinie“ aus. Ursprünglich handelt es sich um die “Grenzlinie“, an der die goldene Sonnenscheibe das Bescheinen der Welt mit ihren belebenden Strahlen beginnt bzw. aufhört damit. Und auch zum Wortklang “Horizont“ gibt es, wieder einmal zufällig treffend, einen gleich-lautenden magyarischen Ausdruck. Er lautet: KÖR-ŐS / KÖR IZZÓ ONT, und bedeutet “Kreis-Ahn-in / Kreis glühender strömt aus“ (ihre Strahlen). Dieser Ausdruck scheint mir inhaltlich ebenfalls außerordentlich aufschlussreich zu sein. Im Namen “Horizont“, dass als ein einziges Wort erscheint, liegt demnach ein ganzer magyarischer Satz verborgen. Er vermittelt das Erscheinen der glühenden Sonnenscheibe.

Die Gottheit HARACHTE steht in engster Verbindung zu der Gottheit SETH (CHTE ↔ SETH; CH < S). Diese ist im alten Ägypten bekannt als “Herr des Reiches der Dunkelheit“. Jener Dunkelheit, die durch das Dahin-scheiden der licht-spendenden Sonnenscheibe zustande kommt. Der “Scheide-Weg“, an dem die Sonne ihre Reise durchs Reich der Dunkelheit antritt, ist der “Horizont“. Er scheidet Licht von Dunkelheit. Die Gegebenheit, dass die Wortkerne SZÉT und SZED im Magyarischen ausgerechnet die Inhalte “auseinander“ bzw. “ nimmt, pflückt, sammelt“ ausdrücken ist, m. E., wieder kein purer Zufall. Denn SETH wird nicht anders zum “Herren des Reiches der Dunkelheit“, als durch die “Auseinandernahme“, also die “Trennung“, der Sonnenscheibe vom “Horizont“. Als kombinierter Wortklang SZÉT-SZED drücken diese beiden variierten Wortkerne ganz genau die Bedeutung “auseinander nimmt/nimmt auseinander“ aus. Der “Horizont“ fungiert also als auseinander-nehmende, trennende Grenzlinie. Von dieser Sinn-Grundlage ausgehend können durch Laut-Spiel die Bedeutungen SÖT~ÉT, SÖT~ÉT~SÉG “dunkel, Dunkelheit“ (SÖT~ÚT, SZÉT~ÚT “dunkler Weg, Auseinander-/Trenn-/Scheide-Weg“ der Sonnenscheibe) entwickelt werden. Im Wortkern SZ~ÉT ist potentiell der Urwortskern-Komplex ÚT – ÁT – ÉT – ITT – OTT – ID~E – OD~A – ID~Ő – ÜT – ÖT – TŰ – TŐ – TÓ – TA – TÁ~J – TE~J-ÚT (“Weg, durch/hindurch, Speise, hier, dort, hierher, dorthin, Zeit, schlägt, Fünf, Nadel, Ansatz, See, Ort, Landschaft, Milch-Straße“) enthalten. Das “Auseinander“, das seinem Wesen nach “Weg“- ÚT bezogen ist, erhält somit seinen stimmigen Ausdruck im Wortklang SZ~ÉT.

Das System des Urwortskernes K/i/ü/e/a/ö/o/u/T und die daraus entwickelte Wortsphäre im Magyarischen

Erhören wir nun gemeinsam die Sphäre magyarischer, blanker Wortkerne, deren integrierende Bestandteile die eben genannten Wortkerne SZÉT “auseinander“ und SZED “nimmt, pflückt“ sind: KÉT/KET~TŐ ”Zwei”, KÉZ, KACS~Ó, aktuelle Wortformen, KET~E, archaische Wortgestalt, ”Hand, Händchen” (↔ kingir/šumerisch QAT/QATA/QAD, akkadisch qatu; Labat Nr. 354), KÉS ”Messer”, KÉSZ ”fertig, bereit”, KÖT ”(ver)bindet, knüpft, fügt zusammen, fesselt, strickt”, KÖZ “Zwischenraum“ (zwi~schen den “Zwei Händen“); Gemeinschaft, Öffentlichkeit/Allgemeinheit“, KÚT “Brunnen“ (verbindet außen und innen), CSAT “Schnalle, Spange, Verschluss“ (Verbindungsteil das Zwei Enden verbindet), CSŐD “Bankrott, Konkurs, Zusammenbruch“, KAS “Korb“, HAS “Bauch“, HÁZ “Haus“ (Schutz-Haut, lat. cut~is), KEDD “Dienstag“ (2. Wochentag), KÖD “Nebel“, GÁT “Deich, Damm“. Diese Serie blanker variierter Wortkerne bildet, offenkundig, ein konsistentes System. Es ist jenes des Inhaltskomplexes von “Zwei – Zweiwerdung – Zweiheit“. Dieses System von Wortkern-Knoten ist natürlich Grundlage weiterer, erweiterter Wortklänge im Magyarischen, wie beispielsweise: KUT~AT “forscht, sucht“, KUT~AT~Ó “Forscher/in, forschend“, KUT~AT~ÁS “Forschung“, HAS~AD “spaltet sich“, HAS~ÁB “Scheit“, HAS~AD~ÉK “Spalt, Riss, Schlucht“, HAS~ÍT “spaltet, schneidet“, HAS~ÍT~ÉK “Schlitz“; MÉH-KAS “Bienen-Korb“ (↔ Hut, Haut, Hüt~te, hüt~en, Schutz, schütz~en, Haus HÁZ, it. cas~a, cas~etta); HAZ~A ”Vaterland, Heimatland”, HÁZ~I ”vom Hause, hausgemacht”, HÁZ~AS ”verheiratet, Ehemann”, HÁZ~AS~OK ”Eheleute”, HÁZ~I~AS ”häuslich”, KASZ~A “Sense“, KÖD~ÖS ”nebelig”, KÖT~ÉS ”(Ver)Bindung, Knüpfung, Verband”, KAT~ONA ”Soldat” (im Verbund stehender), KAT~ONA~SÁG ”Militär”, KÖT~EG ”Band, Bund, Bündel”, KÖT~ÉL ”Seil, Strick, Tau, Leine, Strang, Fessel”, KÉT~ELY ”Zweifel”, KÉT~ELY~ES ”zweifelhaft”, KÉT~SÉG ”Zweifel”, KEZ~EL ”behandelt”, KEZ~ES ”Bürge”, KEZ~ES~SÉG ”Bürgschaft”, KEZ~EL~Ő ”behandelnd, Behandelnde/r”, KEZ~EL~ÉS ”Behandlung”, KÉSZ~ÍT ”fertigt an, stellt her”, KÉSZ~ÍT~Ő ”Hersteller/in”, KÉSZ~ÍT~ÉS ”Anfertigung, Herstellung”, KÖZ~EG ”Medium”, KÖZ-ÉP ”Mitte” (”Zwischenraum-heil”), KÖZ~ÖL ”teilt mit, veröffentlicht, verlautbart, übermittelt, berichtet”, KÖZ~ÖNY ”Gleichmut”, KÖZ~ÖN~SÉG ”Publikum, Öffentlichkeit”, KÖZ~L~ÖNY ”Mitteilungsblatt”, KÖZ~L~ÉS ”Mitteilung”, KÖZ~ÖS ”gemeinsam, gemeinschaftlich, Gemeinsame”, KÖZ~SÉG ”Gemeinde”, KÖZ~ÜL~ET ”Gemeinwesen, Körperschaft”, KÖZ~ÖS~SÉG ”Gemeinschaft, Gemeinsamkeit”, KÖZ~ÖS~ÜL ”wohnt/schläft jemandem bei”, KÖZ~ÖS~ÜL~ÉS ”Beischlaf”, KÖZ~VET~ÍT ”vermittelt”, KÖZ~VET~ÍT~ÉS ”Vermittlung, Übertragung, Sendung”, GÁT~OL ”hemmt, hindert”, GÁT~L~Ó ”hindernd; Hindernde/r”, GÁT~L~ÁS ”Hemmung, Hinderung, Stauung”, CSAT~A “Schlacht“ , CSAT~OL “schließt/gliedert an“, CSAT~OL~ÁS “Anschluss, Koppelung“; CSAT~T~AN “schnallt, knallt, klatscht“; CSAT~T~OG “klappert, knattert, klatscht“; A~KAD ”stockt, bleibt stecken”, A~KAD~ÁLY ”Hindernis”, A~KAD~ÁLY~OZ ”(ver)hindert, hemmt”, A~KAD~ÁLY~OZ~ÁS ”Behinderung/Verhinderung, Hemmung”, KÁTY~Ú ”schlammiges Weg-Hindernis”, KED~ÉLY ”Gemüt” (hin und her schwankendes) usw..

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Sanskrit Bezüge zum Urwortskern T[i/ü/e/a/ö/o/u]R

Wie die folgenden Wortklangbeispiele es belegen, sind die Bezüge auch in dieser alten Sprache reichhaltig: dār~a (engl. ”tear~ing”) ”wild wütend, Zerriss, Brechen, Spalten” (↔ TÖR); dār~aka (engl. ”breaking, tear~ing, splitting”) ”Brechen, Zerkleinern, Bruch”; dār~i (engl. ”splitting, tear~ing asunder”) ”auseinander reissen”, dār~ita (engl. ”tor~n, rent, divided”) ”zerrissen, Riß, Sprung, Spalt, geteilt”; dār~ú (engl. ”braking, splitting”) ”Brechen, Spalten” (↔ TÖR~Ő ”Brecher, brechend/e/r”); Dār~uka, Name von Krishna´s Wagenlenker (der herum~fähr~t/-kehr~t; TÉR~Ő ”Herumkehrer, kehrend, Kehre”, TÉR~Ő~KE ”Kehrelein”); dúr = dvār (engl. ”a door”) ”ein/e Tor/Tür”; duro-dara (engl. ”door-opener”) ”Tür/Tor-Öffner” (↔ TÉR~Ő-TÁR~Ó ”Kehre-Öffner”; eine recht bemerkenswerte lautlich-inhaltliche Übereinstimmung!); dúr~ya (engl. ”belonging to the door or house, a residence”) ”zum Tor oder Haus gehörig, ein Aufenthaltsort”; tir~ás (engl. ”throu~gh, across, beyond, over, so as to pass by, apart from, without, against”) ”dur~ch, quer durch/über, jenseits, vorüber, über, vorbei, aus, zu Ende, so wie vorübergehen/-fahren, geschieden von, ohne, gegen, wider”; Dhár~ma (engl. ”that which is established or firm, steadfast decree, statue, ordinance, law”, hebr. ”Thor~a”) ”das, was festgesetzt oder beständig ist, fest gegründete Verfügung, Statue, Regel, Gesetz” (↔ TÖR~VÉNY Gesetz).

Lateinische Bezüge zum Urwortskern T[i/ü/e/a/ö/o/u]R:

Ter ”dreimal”, ter~ni ”je drei”, ter~ere ”(ab)reiben, oft gebrauchen/besuchen/befahren”, ter~gi-ver~sari ”Ausflüchte suchen”, ter~gi~ver~satio ”Verzögerung/Abweichung” (↔ EL-TÉR ”ab-weicht/kehrt”), ter~minare ”begrenzen, beschränken, bestimmen, festsetzen”, ter~rere ”(er)schrecken”, ter~ra ”Erde”, ter~renus ”aus Erde, auf/in der Erde befindlich” (↔ ÉR ”Quelle, Ader, Gang, gelangt, berührt, reift”, TÉR ”kehrt, Feld, Raum”), tor~mentum (it. ver~ricello) ”Winde”, tor~quere ”dreh~en”, tor~quis ”Gewundene/ Ge~dreh~te/Halskette”, tur~ba ”Ver~wirr~ung, Tur~bulenz”, tur~bare ”ver~wirr~en, trü~ben, aufwühlen”, tur~bidus ”s~tür~misch, ver~wirr~t, ge~trü~bt”, tur~bineus ”wir~belnd, krei~send”, tur~bulentus ”s~tür~misch/tur~bulent, wirr”, tur~ma ”Schwadron (röm. Reiterabteilung von 30 Mann), Schar, Schwarm”, tur~ris ”Tur~m, hoher Bau, Palast, Burg” usw.

Italienische Bezüge zum Urwortskern T[i/ü/e/a/ö/o/u]R:

Tir~anno/a ”Tyr~ann/in”, tir~annia ”Tyr~annei/Gewalt-/Willkürherrschaft” (Dru~ck, Er~drü~ckung, Unterdrückung ↔ TŰR ”(er)duldet”), tir~are ”(aus-, zu-)ziehen, wer~fen, ab~feuer~n, schleppen, dru~cken/abziehen”, tir~o ”Ziehen, Schießen, Wer~fen, Schuß, Wur~f, (Pferde-) Gespann, S~trei~ch”, tir~aggio ”Luftzufuhr”, tor~o ”S~tier” (gr. taur~os, lat. taur~us ↔ TÚR ”wühlt”, TÚR~ÁS ”Wühlen”, SZÚR ”sticht”, SZÚR~ÁS ”Stich, Stechen”, TÚR~ÓS ”wühlig”, SZÚR~ÓS ”stichig”), tor~re ”Tur~m” (engl. tower), tor~ta ”Tor~te” (die krei~srunde), tor~tor~a ”Tur~teltaube” (die gur~rende, TUR~BÉK~OL ”tur~telt”), tor~tuosità ”Gewundenheit, Krü~mmung”, tor~to ”Unrecht” (abge~kehr~t von der Wahrheit ↔ EL~TÉR~T).

Englische Bezüge zum Urwortskern T[i/ü/e/a/ö/o/u]R:

Thro/trou~gh ”Schnellver~kehr~ss~tra~ße, Autobahn”, tra~ck ”S~pur, Fähr~te, Pfad, Weg, Bahn”, tra~ct ”(Land-) S~tri~ch, S~tre~cke, Gebiet, Fläche”, tra~de ”Handel (Wahren-Ver~kehr)”, tra~ding ”handel~trei~bend”, tra~ffic ”Ver~kehr”, tra~in ”Zug, Kar~awane, Reihe, Ser~ie”, tra~mp ”wandern, marschieren, laufen”, tra~vel ”fahr~en, gehen, laufen”, trea~d ”be~tre~ten, gehen, schreiten auf”, tree (↔ trou~gh, terr~ain) ”Baum” (↔ russ. der~evo; die germ. Weltesche Yg~dra~sil ↔ TÉR ”Raum, Feld; kehrt”, TER~JED ”dehnt/weitet sich aus”, TER~EP ”Gelände”, TER~EB~ÉLY ”Ausladung/
-weitung/-dehnung” der Baumkrone, TER~EB~ÉLY~ES ”ausladend”), tre~nd ”sich wenden, ers~tre~cken, ausdehnen”, tear (tor~e, tor~n) ”zerreißen, (auf)spalten, zersplittern, rasen, toben, Toben, Raserei” (↔ TÖR), tear around ”herumrennen/-tour~en”, tear down ”abreißen/-brechen, Trä~ne (tre~nnt sich und kehr~t her~vor aus dem Auge)”, tra~p (it. tra~ppola) ”Falle, Fallgrube, Schlinge, Fall~tür” (↔ TŐR); tra~pper ”Fallensteller, Tra~pper”; tra~verse ”dur~ch-/überqueren, durchkreuzen, Querlinie, Tra~verse, Hindernis, Dreh~bewegung, Queren, Schwenkbereich, Schwenkung” (↔ door – Tür/Tor), thre~shold ”Schwelle”.

Wechselbeziehung der Urwortskerne
T[i/ü/e/a/ö/o/u]R – K[i/ü/e/a/ö/o/u]R – P[i/ü/e/a/ö/o/u]R

Bild 1

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Die Labyrinthos Darstellung auf dem Weinkrug von Tragliatella selbst, die die Inschrift TRUIA im äußersten Umgang trägt, ist offenbare Kundgebung der Realität von Verwobenheit der Urwortskerninhalte KÖR – PIR – TER, denn es zeigt den Betrachtern die Bildelemente: Krei~s – Krei~sen – Kehr~e – Kehr~en – Kur~sieren (KÖR) – For~m – Fahr~t – Fahr~en – Wir~bel – Wer~den (PIR/BYR) – Tour~en – Tur~nier – Tur~nus – Dreh – Dreh~en (gr. tro~chos “Rad“) – Dreh~ung – Trieb – Trei~ben (TER). Das Korrespondieren der drei Urwortskerne wird noch deutlicher, wenn man sich die Realisierung einer bestimmten Bedeutung in den Wortklängen verschiedener Sprachen anhört und diese miteinander vergleicht. Der Vergleich spricht dann für sich selbst: wieder-dreh~en/-kehr~en ↔ it. “ri~gir~are“ ↔ engl. “re~tur~n“; Dreh~ung/Kehr~e/Wendung ↔ it. “(ri)~gir~o“ ↔ engl. “tur~n, tor~sion“; um-/zurück-kehr~en ↔ engl. “re~tur~n, tur~n round“; zurück-/wieder-kehr~en/-wer~den ↔ it. “ri~tor~nare ↔ engl. “to re~tur~n“; Rück-/Wieder-kehr ↔ it. “ri~tor~no“ ↔ engl. “re~tur~n, re~cur~rence“; Dreh~en, wir~beln, sich dreh~en, um-dreh~en, -kehr~en, Wendung, Runde, Rundgang, Wechsel, Wende ↔ engl. “tur~n“; sich um-dreh~en, -wenden, -kehr~en ↔ engl. “to tur~n about“; Dreh~ung/Kehr~en, Wendung, Übergang, Wechsel ↔ engl. “tur~nover“; zurück-/wieder-kehr~en/-wer~den, Rück~kehr/-kunft, Wieder~kehr ↔ engl. “re~tur~n“; (An-, be-)trei~ben, fahr~en, bohr~en, energisch be~trei~ben, durchsetzen/-führ~en, den Ball trei~ben, Fahr~en, Fahr~t, Trie~bwerk, Trie~bkraft, Trie~b, An~trie~b, Dru~ck (drü~cken), drä~ngen/dri~ngende Sache, Auf~trie~b ↔ engl. “dri~ve“; trei~bend, Trei~b-, Trei~ben, Fahr~en ↔ engl. “dri~ving“; ver-/um~dre~hen/krü~mmen ↔ it. “tor~cere“; um-dreh~en, -wenden ↔ rum. “în~toar~ce“; Rück~kehr ↔ rum. “în~toar~cere“; zurückge~kehr~t ↔ it. “ri~tor~nato“ ↔ rum. “în~tor~s“; Wendung/ Dreh~ung/Kehr~e ↔ it. “ri~tor~nello“ ↔ rum. “în~tor~să~tur~ă“. Diese vorliegende “Kon-fusion” der Drei Urwortskerne belegt auch der deutsche Satz: “Manche wichtige Tür~en werden geradezu fre~netisch von tur~bulent wir~belnden, ein- und aus~kehr~enden Menschen-Schar~en (SOR “Ser~ie, Reihe“) fre~quentiert, dur~ch-dru~ngen, dur~ch-quer~t“.

Bild 2

Bild 2

Das die Inschrift TRUIA tragende Labyrinthos auf dem Weinkrug von Tragliatella ist zusammengewachsen dargestellt mit einer Reihe von jungen menschlichen Gestalten: zwei am Boden liegend kopulierenden (Geschlechts-Ver~kehr trei~benden: TÁR “öffnet, schließt weit auf, bietet an“, TÉR “kehr~t“, TÚR “wühlt“), eine ursprüngliche heilige Hochzeit zelebrierenden Paaren auf der rechten (das obere Paar ist auf einer erhöhten Unterlage dargestellt, während das untere sich auf dem Erdboden befindet) und zwei hintereinander reitenden, aus-kehr~enden und dahinziehenden Reitergestalten auf der linken Seite. Diese explizite Art der dicht nebeneinandergestellten Darstellung dieser Bildanteile des Weinkruges nötigt geradezu die Betrachtenden zu einer zusammen-hängenden Lesung dieser Symbole. Das Ein-/Dur~ch-/Her~vor-kehr~en, Ein-/Dur~ch-/ Ausziehen, Hinein-/Dur~ch-/Hinauss~tre~ben in, dur~ch und aus dem Labyrinthos bildet somit eine Metapher der durch paarende Fortpflanzung sich ereignenden Wiedergeburt des Menschen. Durch die Ader-Blut-Strom ÉR-VÉR-ÁR genährte ”starke Kraft” ERŐS ERŐ des Eros, die den wollusterfüllten Paarungsakt bewirkt, erhält das in der heilen Mitte des Labyrinthos geborgene Zeichen MYŠ-TER-UM: “Paargezeugtes Anderes/Neues – generiert durch Abzweigung – in der Mutter“ Gültigkeit. Wesentlich scheint mir dabei die Gegebenheit, dass diese verschmolzene Art der Darstellung der kopulierenden Paare mit dem Labyrinthos sich in direkter, natürlicher Entsprechung befindet mit der Klanglichkeit des Wortnetzgewebes, dessen Ausgangsknoten die zahlreichen Wandlungsgestalten der Urwortskerne TIR, GIR und PIR bilden. Dass heißt, dass auch in diesem Fall, wie allgemein, das Bildhafte das lautsprachliche Gewebe in eingestimmter Art und Weise reflektiert.

Bild 3

Bild 3

Die Darstellung des Klein~tier-Paar~es auf dem Weinkrug, wobei das eine Tier das andere trei~bt, setzt eine zusätzliche Betonung und vermittelt die für die Tier~welt wesentliche Schlüßelbotschaft: “Trie~b, Trei~ben, Ge~trie~ben-sein“, der Weg zur unendlichen Serie von Kör~per-for~m-wer~dungen. Die onduliert krie~chende lange Schlange, Symboltier der sub~ter~restrischen hin-und-her kehr~enden (TÉR~Ő) Ader-Strom-Kräfte (ÉR-ÁR-ERŐ) ist hier ebenfalls präsent. Und auch diese Botschaften erhalten Realisierung durch die Urwortskerne T[i/ü/e/a/ö/o/u]R – K[i/ü/e/a/ö/o/u]R – P[i/ü/e/a/ö/o/u]R.

Die Botschaft von SOR ”Serie”

Wortklänge wie Zir~kulieren, Zir~kel, Zir~kus, Zer~emonie, Ser~mon, mag. SOR “Ser~ie, Sequenz, Reihe“, SOR~OZ~AT “Reihenfolge“ sind rückverbunden an die grundsätzliche Vorstellung von “Rundsein, Rotieren, Abrollen, Abspulen“ (der Sequenz), die einen wesentlichen Aspekt des Archetypus ☼, namentlich des großen himmlischen Sonnen-Kreises darstellt. Wie in früheren Texten von mir bereits erläutert, ist der Archetypus ☼ mit dem Urwortskern KIR/GIR/KÖR “Krei~s“ lautsprachlich realisiert. Die Wortklänge fra. char, engl. char~iot (beräderter, rollender) “Wagen“, Chor (Krei~s der Sängerinnen und Sänger), mag. SOR “Serie, Reihe“, die diese Verbundenheit belegen, können somit als lautlich-inhaltliche Variationsgestalten des Urwortskernes KIR/GIR/KÖR “Krei~s“ erkannt werden (K < G < CH < S).

Bild 4

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Die Darstellungen auf dem Weinkrug von Tragliatella übermitteln sehr klar den Gedankeninhalt “Serie, Sequenz“, die, naturgemäß, Krei~slauf geprägt ist (Zir~kulieren, Tur~nier, Kur~sieren, Krei~slauf/-Dreh~ung KÖR-FOR~G~ÁS; FOR ↔ KÖR < SOR). Dies äußert sich in der serienmäßig angeordnete Aufstellung der zu Pferd reitenden und zu Fuß schreitenden Knabengestalten. Sie sind an der Zer~emonie (ser~ienartig “abrollende“ Reihenfolge von Handlungen) des TéRÚJJÁ “Kehrt zum Neuen“ Turnier-Spiels beteiligt (in einem Tur~nier kommt es stets auf (Ein)Tre~ffen – Tre~ffer – Tro~phäe und Tri~umph an). Die Ser~ie dieser, und überhaupt aller, Tier- und Menschen-Gestalten kehr~t her~vor aus dem in der Mitte des LABYRINTHOS geborgenen MYŠ-TER-UM. Die im Magyarischen gegenwärtigen Variationen und Entwicklungen des Urwortskerns SOR, Wandlungsform des Urwortskernes KOR/KÖR “Zeitalter/Kreis“ und Wurzel des Wortklanges “Ser~ie“, bieten den hörend Betrachtenden allgemeine, vielfältige und überaus wertvolle Botschaften: SOR “Ser~ie, Reihe“ (Labat, Šumerogramm Nr. 152 SAR, in “Reihe“ gepflanztes grünes Gemüse), SOR~OL “reiht auf“, SOR~S “Schicksal“ (zyklische Abfolge von Lebensereignissen), SOR~OZ~AT “Reihenfolge“, SZER “Zer~emonie, -mal/-fach, Mittel, Gerät“ (die zur Vervielfältigung dienen), SZER~V “Organ“ (Multipel gleichartiger Zellen; ein zu bestimmter Leistung dienender Kör~per~teil mehrzelliger Lebewesen), SZER~V~EZ “organisiert“, SZER~V~ES “organisch“, SZER~V~EZ~ET “Organismus“, SZER~V~EZ~ÉS “Organisierung“, SZOR~OZ “multipliziert/vervielfältigt/mehrt“, SZER~ET “liebt“, SZER~ET~Ő ”Liebende/r, Geliebte/r“, SZER~ET~ET (universale) “Liebe“ (lat. car~itas), SZER~EL~EM (sinnliche) “Liebe“, SZER~EN~CSE “Glück“ (↔ For~tuna, FOR~OG, FOR~DUL “dreht/wendet sich“).

Bild 5

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Ebenso bedeutend erweist sich mir die Mitteilung der Realität von “Harmonie“, von Geordnetheit, die durch die Familien-Harmonie bildende Drei~heit Mutter-Vater-Kind dargestellt ist. Diese erhält Realisierung durch die Wortklänge GAR ”Stimmenflut” (↔ Chor, Har~a, Hur~ra!, Har~e, Har~e, Gur~u!; vergl. m. ”jemandem den Gar ausmachen”), KÖR ”Kreis” (fra. cœur, it. cuor~e ”Her~z”) und GYER~EK ”Gör/e, Kind”, HÁR~OM ”Drei”, HÁR~M~AS ”Dreier”, HÁR~M~AN ”zu dritt”, HÁR~M~AN JÓ ”zu dritt Gut”, die allen wohlbekannte Har~monia/Har~monie. Wenn man das Detail dieser Drei~ergruppe, die in der eigenen Imagination die Familie als Kerngrundlage der menschlichen Gesellschaft wachruft, eine geraume Zeit anschaut, wird einem allmählich die darin geborgene Dreh~bewegung bewusst. Und zwar im zentralen Zwischenraum der Kommunikation. Die große (Ei-) Sphäre in der Hand der Frau, die etwas kleinere (Apfel-) Sphäre in der Hand des Mannes und die rechte Hand des Mädchens, die unmissverständlich auf den Frauenschoß, dem Ursprung der unendlichen Ser~ie menschlicher Geschöpfe weist, sind ihre einprägsamen Momente. Der/die mecher/etruskische Gestalter/in der Darstellung hat hier, m. E., mit aller einfachsten Ausdrucksmitteln die Botschaft des zyklischen Krei~slaufes der “Wieder~kehr“ TRUIA/TÉRÚJJÁ des Lebens aus dem Mutterschoß meisterhaft realisiert.

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Der Sinnbedeutung des sprechenden Namens TRUIA Ehre erweisend, “kehre” ich hier “erneut” auf ihn und seine außerordentlich wertvollen Botschaften “zurück”. Ja, ich denke, dass die Notwendigkeit besteht, seine von mir begonnene Erkundung weiter zu führen. Denn die Sinnbezüge aus dem Bereich der agglutinierender Sprachen Kingir/Šumerisch und Hungar/Magyarisch, die ich in meinem ersten Beitrag mitgeteilt habe, bilden erst das Kernstück eines sehr viel umfangreicheren Systems von Wortklängen, das natürlicher Weise auch in den Bereich der flektierenden Sprachen sich ausdehnt. Aus meinen bisherigen Erläuterungen geht bereits hervor, dass der sprechende Name TRUIA weit mehr ist als das wofür er im Rahmen der Labyrinthforschung gehalten wird, nämlich ein für das Labyrinthwesen bedeutender, dennoch veralteter Name. Der Urwortskern T[i/ü/e/a/ö/o/u]R, der seine Grundlage bildet, hat ganz konkret mit der Realität unserer heutigen Sprachen zu tun. Er ist ebenso wie für die agglutinierenden Sprachen Kingir/Šumerisch, Mecher/Etruskisch und Hungar/Magyarisch auch für den Wortschatz der flektierenden deutschen und aller anderen indogermanischen/-europäischen Sprachen von grundlegender Bedeutung. Seine Botschaften sind nach wie vor hochaktuell. Ja, es lässt sich sagen: er ist für die alltägliche Kommunikation schlicht unentbehrlich.

In diesem, dem sprechenden Namen TRUIA gewidmeten Folgebeitrag gedenke ich einige weitere Türen der Erkenntnis zu öffnen. Überhaupt, ”Tür” und ”Tor” sowie eine Serie anderer hiermit verwandten Wortklänge ganz konkret in den Brennpunkt meiner Erkundungen zu stellen.
Die Zeitwort- und Namenbedeutungen des Urwortskernes TÉR ”kehrt, wendet, windet, (ver)wandelt, tritt ab, wendet zu, richtet; Raum, Feld, Platz, Gebiet, Bereich”, Teilgrundlage des Namens T[e]RUIA, erhalten Bestätigung in einer ganzen Reihe europäischer Sprachen durch Wortklänge wie: ”Tür(e), Tor”, engl. ”door”, niederl. ”deur”, schwed. ”dörr“, lit. “dùrys“, alb. “derë“, gr. “thýrā“ usw., die, offenkundig, Variationen davon darstellen. ”Tür” und ”Tor” sind die allgegenwertigen Öffnungen, die dem Menschen zum Einkehren, Auskehren, Durchqueren, also ganz allgemein zum Verkehren dienen. Die Realisierung dieser Wortbedeutungen aus dem Urwortskern TÉR heraus ist somit nur schlüssig. ”Räume” und ”Räumlichkeiten” (TÉR, TER~EM) werden getrennt und gleichzeitig untereinander verbunden durch Tür~en und Tor~e. Durch ihre Präsenz entsteht die Teilung in ein Diesseits und ein Jenseits.

Doch wohin führt im deutschen Wortschatz der rote Sinnfaden von den Urwortskern T[i/ü/e/a/ö/o/u]R bestimmten Wortklängen “Tor“ und “Tür“? Er führt weiter zu Wortklängen wie: “dur~ch, trei~ben, drä~ngen“. Und immer dann, wenn Durchgangs-Türen und -Tore genannt, geöffnet, geschlossen und benutzt werden, durch sie ein-, ausgekehrt und hindurch gedrungen wird, ja, wenn das alltägliche, weltweite Trei~ben dur~ch Tür~en und Tor~e geschieht, gelangt der Urwortskern T[i/ü/e/a/ö/o/u]R stets zur Anwendung.

Deutsche Bezüge zum Urwortskern T[i/ü/e/a/ö/o/u]R:

Die Wirksamkeit des Urwortskernes T[i/ü/e/a/ö/o/u]R im Wortschatz der deutschen Sprache ist ganz besonders stark. Für den Ausdruck der Vorstellung von Einkehren, Auskehren, durchqueren der Tür und/oder des Tores erscheint der Urwortskern T[i/ü/e/a/ö/o/u]R unentbehrlich. Selbst die Präposition und das Adverb ”durch, hindurch” (aind. “tiráh“, lat. “trans“, it. “attraverso“, engl. “th[o]rough“, niederl. “door“) sind mit den Worten “Tür“, “Tor“ und also mit dem Urwortskern T[i/ü/e/a/ö/o/u]R in engster lautlich-inhaltlicher Verbindung, wie man das hörend und sehend leicht nachvollziehen kann. Folglich, immer dann, wenn ”Tür”- und ”Tor”-bezogene Wortklänge wie beispielsweise ”dur~ch, hin~dur~ch, Dra~ng, dri~ngen, drä~ngen, dur~ch~dri~ngen, dur~ch~drä~ngen, dur~ch~dru~ngen, Dur~ch~dru~ngenheit, Trie~b, trei~ben, dur~ch~trei~ben, dur~ch~trie~ben, Dur~ch~trie~benheit, Dur~ch~dri~ngung, Dur~chgang” gedacht, gesagt, geschrieben oder/und benutzt werden, winken unentwegt die Botschaften des Utwortskernes T[i/ü/e/a/ö/o/u]R. Der unsichtbare, hörbare, stets wirksame, kapillare rote Sinnfaden gewährleistet die Verbindung im Wortnetzwerk. Er dur~ch-dri~ngt es und verbindet alle Wortklänge, die darin zusammengehörig sind.

In einem früheren Beitrag (”Ursprung und Bedeutungen des Namens Chartres”) wies ich bereits hin auf die zwischen den Urwortskernen GAR/KIR “Kreis“, BAR/PIR “Sonnen-(Py)röte“ und TAR/TIR “(ab)kehren/-zweigen“ bestehende sehr enge Wechselbeziehung. Man kann sagen, dass sie von wahrhaftiger Vermischung, ja, von Verwobenheit sei. Dies weil sie alle drei auf das große Thema “Sonnenkreis“ bezogene archetypische Klanglichkeiten sind. Anhand der zwischen den folgenden Wortklängen bestehenden Sinnzusammenhänge lässt sich diese Verwobenheit leicht nachvollziehen: mag. TÉR ↔ “kehr~t, dreh~t“ ↔ it. “gir~a, cir~cola, tor~na“; Kehr-/Dreh ↔ it. “tru~cco“; TÉR~NI ↔ “dreh~en, kehr~en“ ↔ it. “gir~are, tor~nare“; TOR~NA VER~SENY ↔ “Tur~n Wettbe~wer~b, Tur~nier“ ↔ it. “tor~neo“; her~um ↔ it. “tor~no“; Kehr~e, Kur~ve ↔ it. ”tor~nante, cur~va”; FOR~DUL~Ó ↔ ”Tur~nus, Runde” ↔ it. ”tur~no, gir~o”; krei~sen, kehr~en, dreh~en, wir~beln ↔ it. ”gir~are, vol~gere, vor~ticare, vir~are, tor~nare; Kehr~reim ↔ ”ri~tor~nello” usw.

Aus der Fülle der zur Bedeutungssphäre des Urwortskernes T[i/ü/e/a/ö/o/u]R gehörigen deutschen Wortklänge hier nur einige wenige Beispiele, als Anregung zum Weiterforschen: Tur~m (mit krei~send kehr~ender Wendeltreppe), Tur~ban, Tul~ipan (Tur < Tul), Tur~bine: Maschine in der die S~trö~mungsenergie von Dampf, Gas oder Wasser mit Hilfe rotierender, krei~send kehr~end, dre~hend wir~belnder (KIR ↔ TIR ↔ PIR) Laufräder in mechanische Arbeit umgewandelt wird; Tur~bo, Tur~bolenz, Dreh~ung (TIR), Trie~bwerk (eines Fahr~zeuges, TIR ↔ PIR). Hierher gehört natürlich auch der Tor~nado (TIR), der her~um-krei~sende (KIR) Wir~bel-S~tur~m (PIR ↔ TIR). Er trei~bt übers Gelände/Terr~ain (TIR); seine S~tre~cke fähr~t/führ~t über ein gewisses Terr~itorium (TIR ↔ PIR ↔ TIR), fegt über S~tra~ßen und behindert erheblich die Fahr~t der Fahr~enden mit ihren Fahr~zeugen (TIR ↔ PIR).

Der Asen-Gott THOR

In der germanischen Sagenwelt ist Thor/Donar der Sohn des Hauptgottes Wotan/Odin. Neben seinem Vater ist er der mächtigste und berühmteste Asen-Gott. Seine Naturgrundlage ist das mit dem Donner hereinbrechende Gewitter. Seine wohl bekannte, ihn kennzeichnende Waffe ist der Hammer “Miölnir“, mit dem er das Böse “zermalmt“ (↔ EL-TÖR). Diesen schmettert er gegen das Böse. Der Hammer fährt dann dahin wie ein Blitzstrahl, trifft mit “zerbrechender“ (↔ TÖR~Ő) Gewalt sein Ziel und, Wunder, “kehrt“ (TÉR) von selbst “wieder“ in die Hand des Asen Thor “zurück“. Bemerkenswert ist hierbei die Realisierung des Sinnzusammenhanges “fahr~en ↔ tre~ffen ↔ bre~chen ↔ kehr~en“ mit Variationsgestalten der Urwortskerne PIR ↔ TER ↔ PIR ↔ KÖR. Sie stellt einen zusätzlichen Beleg für die besagte, zwischen diesen bestehende, Wechselbeziehung. Der Hammer-schmetternde, rot-behaarte und -bebartete Thor/Donar ist der Gott der Bauern. Er bringt ihnen den gesegneten Gewitterregen, der die Erde fruchtbar macht. Des Asen-Gottes Thor Lieblingsbaum war die Eiche. Der Vogelbeerbaum (Eberesche) mit seinen (py)roten Beeren, das Eichhörnchen, das Rotkehlchen und das Rotschwänzchen waren wegen ihrer (py)r~oten Far~be ebenfalls ihm geweiht. Er galt als Midgard´s Wehr, der Welt Verteidiger und Schirmherr. Als stärkster unter den germanischen Asen-Göttern, verkörpert er die Wahr~heit und die Wir~klichkeit (↔ PIR) im Leben. Thors Hammer galt bei den Germanen als Sinnbild göttlicher Gewalt über Leben und Tod. Mit ihm pflegte man daher bei feierlichen Handlungen die Weihe zu vollziehen. So beispielsweise bei Trauungen (“Zusammen-Kehr~en“ ÖSSZE-TÉR~ÉS); da wurde der Hammer auf den Schoß der Braut gelegt und über ihn wurde durch Händedruck der Bund fürs Leben geschlossen. Der Hammer weihte den Toten auf dem Scheiterhaufen zur “Wieder-Kehr“ (ÚJJÁ-TÉR-ÉS; TRUIA/TÉR-ÚJJÁ “kehrt wieder/erneut“) durch die Kraft der Wahrheit. Er heiligte und befriedete die Tür- und Tor-Schwelle des Hauses und ebenso die Marksteine zwischen den Gauen und Stämmen. Auch wurde die Vermessung der Flur bei Verteilung von eroberten Ter~ritorien durch Hammerwurf vorgenommen.

Der Asen-Gott TYR

Auch Tyr (Tiu, Ziu) gehört in der germanischen Sagenwelt, neben Wotan/Odin und Thor/Donar, mit zu dem höchsten Asen-Götter. Es fällt auf Anhieb die große klangliche Ähnlichkeit zwischen den Namen Thor und Tyr auf. Lediglich der Vokalwert (o < y) verändert sich. Der Asen-Gott Tyr ist in Deutschland unter den verschiedenen Namen: Tiu, Ziu, Sarnot, Eru und Heru (↔ ERŐ ”Kraft”) bekannt. Sein Erkennungszeichen ist das “Schwert“ (↔ ŐR ”Wächter“, TŐR ”Dolch, Florett; Falle, Hinterhalt”). Sein Tag heißt Tius-Tag und ist der Dienstag, in Bayern auch Ertag (von Eru/Heru) genannt. Die Gegebenheit, dass Tyr dem Dämon Fenriswolf seinen Arm kaltblütig als Unterpfand in den Rachen legte und erduldete, dass er ihm von diesem verschlungen wurde, bezeugt seine Kühnheit. Seitdem Tyr dies ”erlitten” hat, ist er der einarmige Asen-Gott (↔ ŰR ”Leere, Raum“, TŰR ”duldet, erleidet”, TŰR~ÉS ”Duldung, Erleiden”, TÜR~ELEM ”Geduld”). Der Sinnbezug des Namens “Tyr“ zu den Urwortskernen ŐR – TŐR und ŰR – TŰR mit ihren entsprechenden Bedeutungen wie auch des Asen Tyr alternativen Namen Eru/Heru zum Urwortskern ERŐ, ist höchst bemerkenswert. Ja, er scheint mir besonders aufschlussreich zu sein, denn er erhält volle Bestätigung durch die alt-germanische Sage. Man würde denken und zu Recht erwarten, dass man eine solche oder eine ähnliche Bestätigung auch aus dem Netzwerk des deutschen Wortschatzes bekommen könnte. Aber eigenartiger Weise erhält man sie hieraus nicht.

Diese kurzen Angaben belegen offenkundig die zwischen den Asen-Gott Namen “Thor“ und “Tyr“ der germanischen Sagenwelt und der Bedeutungssphäre des Urwortskernes T[i/ü/e/a/ö/o/u]R bestehenden, vielfältigen Sinnverbindungen. Und sie bezeugen zugleich mit Klarheit, dass auch die Namen “Thor“ und “Tyr“ sprechende Namen darstellen, die aus dieser umfangreichen Bedeutungssphäre genährt sind.

Mecher/Etruskische Bezüge zum Urwortskern T[i/ü/e/a/ö/o/u]
 

Totenstadt

Tarquinia, Totenstadt von Monterozzi, Grab der Auguren; 520 v. u. Z.

Das “Tor zum Jenseits“ ist eines der meist vorkommenden Sinnbildern in den mecher/etruskischen Grabstätten. Man kennt es ebenfalls aus der Ikonographie der Grabstätten des antiken Ägypten. Es ist der Dur~chgang zwischen den Welten, den jeder Dahingeschiedene zu dur~chqueren hat. Die Gegebenheit, dass das für die Verstorbenen zum Dur~chqueren und Einkehren ins Jenseits bestimmte ”Tor” eines der zentralen Symbole der Fresken in den mecher/etruskischen Grabstätten darstellt, vermittelt seine ganz besondere Bedeutung. In der Vorstellung der Mecher (nach M. Alinei ist dies das Ethnonym, womit die Etrusker sich selbst nannten) hatten die Verstorbenen, um in den ”Raum” des Jenseits zu gelangen, das schwere ”Tor” zu durchqueren. Die Vorstellung der Mecher/Etrusker im Bezug auf das ins Jenseitsgelangen der Toten war einfach der Realität ihres Alltags entlehnt. Sie projizierten die Erfahrung der Benutzung des Räume-trennenden und -verbindenden Tores auf die Lage der Heimgegangenen. So stellten sie sich vor, dass die Verstorbenen, den Lebenden gleich, ein Tor, ja, d a s  Tor zu dur~chqueren hatten, um ins Jenseits, in den ”anderen Raum der Seelen” zu gelangen.

Das “Tor zum Jenseits“ erhält seinen ergänzenden Gegenpol in der Vulva der großen Mutter, die in Höhlen und auf Kultobjekten im alten Europa so oft dargestellt wurde. Die Vulva wurde in ihrer dreifachen Funktion als heiliges “Tor“ des weiblichen Tempels der Liebe, als heiliges “Tor“ der Ein-kehr ins Leben sowie als heiliges “Tor“ der Ausscheidung von Har~n und Menstruationsblut verehrt. Die Ein-kehr ins Leben geschieht durch das “Tor“ der Scheide, die Aus-kehr~e durch des Grabes “Tor zum Jenseits“. Und dazwischen, in der Lebensspanne eines jeden Menschen, ereignet sich das Trei~ben unzähliger “Tor“- und “Tür“- bezogener Dur~chgänge. Ja, es lässt sich ebenfalls aussagen, dass sämtliche Kör~per-eigenen Öffnungen des Menschen, im übertragenen Sinne, auch “Tore“ sind; Tore des Ein- und Aus-kehr~ens von Nahrung, von Sinneseindrücken, “Tore“ des Ver~kehr~s, des Zir~kulierens eben.

Dass es in neueren Zeiten so viele verschiedene Interpretationen über die Sprache der Mecher/Etrusker geschrieben werden konnten und können, ist der gründlichen Vernichtungsaktion ihrer schriftlichen Werke durch die römischen Päpste der jüdisch-christlichen Kirche der ersten Jahrhunderte u. Z. zu verdanken. Von diesen Werken sind nur noch die Titel bekannt, so etwa: ”Die Tagetischen Bücher”, darunter ”Die Disziplin”, ”Die Vegoe-/Begoischen Bücher (z. B.: ”Libri Fulgurales, Libri Rituales”), ”Die Sibillinischen Bücher”, um nur einige der bedeutendsten zu nennen. Das, was diese umfangreiche Vernichtungskampagne überstanden hat, sind an sich Reste, Splitter, Fragmente, meistens sind es kurze Grabaufschriften und Votivschriften. Bis auf wenige Ausnahmen, gibt es kaum zweisprachige Schriften; auch gibt es keine umfangreiche Wörterbücher. Welch eine Schande, dass all das geschriebene Wissen der Mecher/ Etrusker von den Machtgierigen zerstört und für immer ausgelöscht wurde!
Man wird sich zu Recht fragen, warum dieser Kulturvernichtungsakt veranlasst und durchgeführt wurde? Ganz einfach, um die äußerst gefärliche Konkurrenz, die die ”heidnisch” bezeichnete, feminin-, naturorientierte, und deswegen von den Machthabern stets mit Missgunst betrachtete, fremdartige mecher/etruskische Kultur im damaligen Europa darstellte, weitgehend auszuschalten.

Aus der Spärlichkeit des übriggebliebenen Sprachmaterials hier nun einige mecher/etruskische Bezüge zum Urwortskern T[i/ü/e/a/ö/o/u]R (aus M. Alinei “Etrusco: Una Forma Arcaica di Ungherese” [Etruskisch: Eine Archaische Form von Ungarisch]):
TRAMA/TaRAMA mech./etr. ”Lager-/Speicherfrau/-Mutter; Verwalterin eines Lebensmittelvorrats, Proviantmeisterin” ↔ mag. TÁR ”Lager, Speicher, öffnet, schließt weit auf, bietet an”; amag. AMA – EME ”Weib, Mutter”, mag. ANYA ”Mutter” ↔ mong. ”Frau”; mech./etr. F[a]SI-TRALS/-T[a]RAL[a]S Aufschrift neben einem das Mahl vorbereitenden Diener ↔ mag. TÁR~OL “wartet auf, bewahrt auf, lagert“, TÁR~OL~ÁS “Aufwartung, Aufbewahrung, Lagerung, Speicherung“; TIURUNIAS mech./etr. “Gesetz, gesellschaftliche Ordnung, Brauch/Gewohnheit“ ↔ mag. TÖR~VÉNY “Gesetz“, TÖR~VÉNY~ES “gesetzlich“.
TUR mech./etr. “als Weihgabe anbieten“ ↔ mag. TÉR “abtreten, zuwenden, richten“; TURAN, die mecher/etruskische Aphrodite, Göttin der Schönheit, der Liebe und Fruchtbarkeit ↔ šum. TUR Labat Nr. 144 ”klein, jung sein”, mag. TÚR ”wühlt, gräbt/senkt sich ein“ (das aus dem Mutterschoß ”hervor-gekehrte” ELŐ-TÉR~T Wesen), reflektiert sich in mag. TER~EM “generiert, gedeiht, wächst, (umschlossener) Raum“; TER~EM~T “schöpft, generiert, erzeugt“; TER~EM~T~Ő ”schöpfend/e/r, Schöpfer/in”.

Ursprung und Bedeutung des Titels TARKUN/TARKAN

Die Stadt Tarquinia, wo sich die meisten mit Fresken ausgestatteten etruskischen Grabstätten befinden, wurde, der Überlieferung zufolge, von der mecher/etruskischen Familie der Tarquinier (die mech./etr. Gestalt des Namens ist Tarkun/Tarchun) gegründet. Nach Einschätzung des Autors M. Alinei bedeutet «Tarkan, Tarqan, Tarjan» “höchster Führer”; in anderen Gestalten: «Khagan» oder «Khan». Eine der sieben hungar/magyarischen Stämme der (Wieder)Eroberung hieß «Tarján» (Tariánu). «Tarján» ist der Titel von ”Heerführer, Vizekönig”. Alternative Gestalten sind auch: «Tarxan, Tärkän». Der Titel «Tarqan/Tarxan/Darqan», der in Alttürkisch die Bedeutung ”Haupt/Führer, hoher Würdenträger, Vizekönig” hat, ist in zahlreichen asiatischen Sprachen gegenwärtig. So beispielsweise in Kasakisch, wo «Darkan» ”Begünstigter des Khans” bedeutet; oder in Mongolisch, wo «Dar-qan» die Bedeutung ” Adlige/r, vornehm, adelig” hat; oder auch in Russisch, wo «tarxan» ”Zustand von jemanden, der steuerfrei ist” bedeutet.

In der magyarischen Toponomastik kommen vor die Varianten: TÁR~KÁNY, TAR~JÁN, TER~ÉNY. Der Wortklang TÁR~KÁNY zeigt eine enge inhaltliche Verwandtschaft zum Wortklang SÁR-KÁNY “Dra~che/n“ (engl. dra~gon, lat. dra~co, it. dra~gone, gr. dra~chos, alb. dra~gua). Die Sinnwandlung ist hier realisiert durch die Lautwandlung vom stimmlosen Dental “T“ zum stimmhaften Sibillant/Frikativ “Sch“ (T < Sch). Wesentliche, den “Drachen“ kennzeichnende Wortklänge sind unter anderen: SÁR “Schlamm“ (SZAR “Kot“), SÁR~GA “gelb“, (↔ SAR “Lohn“, SÁR~ARANY “gediegenes Gold“, SÁR~MÁNY “Goldammer“), SAR~OK “ Ferse“, SAR~KAN~TYÚ “Sporn, Sporen“, SER~KEN~T “spornt an“, SAR~KAN~TYÚ~S SÁR~GA SÁR~KÁNY “gespornter gelber Dra~chen“.

Aus der Summe der magyarischen Bedeutungen: TAR “rasiert, kahl“, TAR~KÓ “Genick, Nacken“, TAR~AJ “Kamm“, (LE)-TAR~OL “grast ab, heimst ein“; KAN “männlich“, KON~TY “Haarknoten“, HUN/HON “Heimat, Vaterland“ (im Kingir/Šumerischen bezeichnet LU HUN.GA das Sternzeichen Widder, das im Tierkreiszeichen an erster Stelle steht) ergibt sich die Botschaft des sprechenden Namens/Titels TARKUN/TARKÁNY: “Kahlköpfiger Heerführer, erster Mann der Heimat“.

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