Der Urwortskern K/i/ü/e/a/ö/o/u/T – Teil 2
Geschrieben in der Kategorie Allgemein, Gastbeiträge Schlagworte: Urwortskern am 2. Dezember 2011 0 Kommentare »
Der Urwortskern K[i/ü/e/a/ö/o/u]T (2)
©Zoltán Ludwig Kruse
Die aus dem Urwortskern K/i/ü/e/a/ö/o/u/T entwickelte Wortsphäre im Sanskrit
Zu dem im 1. Teil vorgestellten, durch Lautvariations-Spiel mit dem Urwortskern K/i/ü/e/a/ö/o/u/T realisierten, umfangreichen Inhaltskomplex im Kingir/Šumerischen und Hungar/Magyarischen gehört eine Unmenge von Wortklängen vieler Sprachen. Im Sanskrit (→ Brockhaus: “die gegen 600 v. u. Z. durch den indischen Grammatiker Panini in Regeln gefasste literarische Kunstsprache in Indien“) sind die aus dem Urwortskern K/i/ü/e/a/ö/o/u/T entwickelten Worte reichhaltig; die, in Fettschrift notierte, Kernformen hingegen etwas weniger üppig. Hier folgen einige repräsentative Wortbeispiele aus dem Wortbestand dieser Sprache: chid “abschneiden, durchschneiden, trennen, amputieren, dividieren“ (↔ mag. KÉS “Messer“, KÉT “Zwei“, tibet. gcod/chöd “abschneiden, zerstören, vernichten“); chit~ti “Teilung, Stückelung, Division, Trennung“ (↔ mag. KET~TÉ “ent-zwei“); chid~a “abschneiden“; chid~i “Beil, Schwert“; chid~ura “schneiden, teilen“; kut~a “Haus“ (↔ mag. HÁZ, lat. it. cas~a, engl. hous~e); kut~ika “kleines Haus“ (↔ mag. HÁZ~IKÓ); kut~ira “Häus~chen, Hütt~e, Schuppen“ (↔ dt. Hut, Haut, hüt~en, engl. hut “Hütte“, hat “Hut“); kut~tin “Schneiden, Schnitt“ (↔ engl. cut; mag. KÉS “Messer“); kuth~ara “Beil, eine Art von Hacke oder Spaten“; kuth~araka “Beil, ein kleines Beil“; kuth~arika “Holzfäller/-schneider“; kud~ya “Mauer“ (↔ mag. GÁT “Deich, it. dig~a, engl. dik~e“); khit “erschrocken/entsetzt sein“, khid “schlagen, stoßen, treffen, abschließen, streichen, einholen, wechseln, abbauen, Streik/ Verweigerung“, khid~rá “Arme/r, Krankheit, Leiden, ein Spaltungs-Instrument“, khid~ras “Niedergeschlagenheit, Verzweiflung“, khed~a “Müdigkeit, Depression, Verzweiflung, Erschöpfung, Schmerz, Leid, Kummer, Betrübnis, ein Spaltungs-Instrument das zu Indra gehört“, khed~ita “gestört“, gudh “verpacken, einwickeln, -hüllen, einschließen, bedecken, kleiden“, gudh~ita eingeschlossen, umrundet, gudh~era “Schützen“, gud~á “Gedärme, Eingeweide, Mastdarm, After“ (Ausscheidungs-Weg), gat~a “gegangen, weggegangen, abgereist, entfernt, aufgebrochen, getrennt, verstorben, tot, vergangen, verschwunden, zerstört, vorüber und vorbei, dahin (↔ rum. gat~a, mag. KÉSZ [k<g, t<sz] “fertig, bereit“; KET~TÉ-/SZÉT-SZED “entzwei-/auseinander-nimmt“) verbunden mit, bezogen auf, gekoppelt mit“ (↔ mag. KÖT “verbindet“, KÖT~ÉL “Seil“, KÖT~ÉS “Bindung“); chad “zudecken, überdecken, kleiden, verschleiern (↔ mag. KÖD, norw. s~kodd[a] “Nebel“, dt. Schatt~en), gud~ha “bedeckt, geheim, versteckt, verborgen, maskiert“ usw..
Die aus dem Urwortskern K/i/ü/e/a/ö/o/u/T entwickelte Wortsphäre im Griechischen
Im Griechischen ist der Urwortskern K/i/ü/e/a/ö/o/u/T vorwiegend in der Funktion von Vorsilbe in den Gestalten “kata~, kate~, kato~, kati~, kuti~, katu~“ gegenwärtig und wirksam in einer langen Reihe von Worten mit den Bedeutungen “zu, an, gemäß, nach, gegen, von – herab, abwärts, über – hin, gänzlich“. Hier folgen einige Wortbeispiele, die diese wohl bekannte Vorsilbe enthalten: kata~vallo “bezwingen, überwältigen“, kata~vasi “Abfahrt“, kata~gma “Bruch, Fraktur“, kata~dioko “verfolgen“, kata~dioksi “Verfolgung“, kata~thlipsi “Depression, Verzweiflung“, kata~kathi “Bodensatz“, kata~kathome “sich absetzen (scheiden)“, kata~logos “Verzeichnis, Kata~log“, kate~dafizo “abreißen, abbrechen“, kate~dafisi “Abriss, Abbruch“, kate~ragris “listig, schlau, Schlitzohr“, kuti~fora “abschüssiger Weg, Gefälle, Abhang“, kati~forizo “hinabgehen, bergab gehen“, kati~kia “Haus“, kati~kimenos “bewohnt“, kat~ikos “ Bewohner, Einwohner“, kati~ko “bewohnen, be~haus~en“, kato~ptro “Spiegel“, katu~ro “Urin, Wasser lassen/ausscheiden; und natürlich gibt es da auch eine Reihe von Fachausdrücken, die aus dem Griechischen auch ins Deutsche übernommen wurden, z. B.: Kata~tonie, eine Form der Schizophrenie (gespaltene Persönlichkeit); Kata~lepsie “Starrsucht“ (bes. Anzeichen der Schizophrenie), Kata~strophe “Zusammenbruch, Umkehr, Wendung“, Kata~bolismus “Abbauvorgänge, Spaltungen der Stoffe im Körper der Lebewesen durch den Stoffwechsel“, Kata~phasie “Sprachstörung“ (mech. Wiederholen von Sätzen), oder auch Kata~maran “Segelboot mit Doppelrumpf“, Kata~rakt “niedriger Wassersturz (Unterbrechung des Strömungsflusses)“; gelegentlich kommt er auch in Anlaut-Auslaut eingebettet vor, so beispielsweise in: s~kat~a “Kot, Schiet“, s~kat~o “Schat~ten“ usw..
Die aus dem Urwortskern K/i/ü/e/a/ö/o/u/T entwickelte Wortsphäre im Lateinischen
Auch im Lateinischen findet man zu dieser großen Wortsphäre gehörige Worte, wie z. B.: ced~ere ”schreiten, weggehen, weichen, nachgeben, aufgeben” (it. ”absacken, überlassen, abtreten”) cet~era ”im übrigen, sonst”, et~cet~era ”und so weiter” (Serie, die mit ”Zwei” beginnt), cet~eri ”die übrigen/anderen”, se~c()t~io ”Zerstückelung”, se~c()t~or ”Abschneider”, se~c()t~ura ”Stein-Bruch”, se~c()t~a ”Richtung, Weg, Partei/Se~k()t~e”, sec~are – se~c()t~um ”zerschneiden, zerspalten”, se~ced~ere (ced~o, ces~si, ces~sum) ”weggehen, sich entfernen/trennen”, se~ces~sio (d<s) “Spaltung, Trennung“; se~ces~sus “Abgeschiedenheit, Abgetrenntheit“, cat~ena ”Ket~te, Fessel”, cas~a ”Hüt~te, Häus~chen, Baracke”, cas~sis ”(Metall)Helm, Sturmhaube, cas~tellum ”Kas~tell, Festung”, cas~tigare ”züchtigen, strafen”, cas~tigatio ”Züchtigung, Strafe”, cas~timonia ”Keuschheit”, cas~tus ”keusch, züchtig”, cas~us ”Fall, Sturz, Zwischenfall”, cas~tra ”(Kriegs)Lager”, cas~trum ”Kas~tell, Burg” usw..
Die aus dem Urwortskern K/i/ü/e/a/ö/o/u/T entwickelte Wortsphäre im Italienischen
Selbstverständlich gibt es auch im Italienischen zahlreiche in diese umfangreiche Wortsphäre gehörige, inhaltlich verwandte Worte, so z. B.: cad~ere ”fallen”, cad~uta ”Fall, Sturz”, cad~enza ”Kad~enz, Fall, Rhythmus”, cad~enzato ”kad~enziert, rhythmisch”, de~cad~enza ”De~kad~enz”, cat~ena ”Ket~te”, in~cat~enare ”an~ket~ten, fesseln”, s~cat~enare ”entfesseln”, cut~e ”Haut”, s~cud~o ”Schild (S~chut~z)”, ces~oia “Draht-, Blech-, Garten-Schere“ (Schneid-Werkzeug), ces~sare “aufhören, beenden“, ces~sione “Abtretung“; ces~so “Abort“; ces~ura “Zäs~ur, Trennung“, s~cat~to “Aus-/Loslösen, Losgehen, Auslöser“, s~cat~tare “losgehen, loslösen“, ris~cat~to “Loskaufen, Freikaufen, Lösegeld, Befreiung, Erlösung“; ris~cat~tare “frei-kaufen, befreien, erlösen“, s~cat~ologia “Fäkalsprache“, s~cat~ola “Schachtel“, s~cat~urire “heraus-sprudeln, heraus-laufen, entspringen“, s~chiz~ofrenia “S~chiz~ofrenie/ Gespaltenheit“ (t<s), s~cis~ma/ s~cis~sione “Spaltung“, s~cis~to “Schiefer“ usw.. cas~a ”Haus”, cas~etta ”Häus~chen”, cas~tello ”Kas~tell, Burg”, cit~adella ”Zitadelle, Festung”, cuccia ”Hundehütte, Kiste”, cuccio~lo ”Welpe, (Tier)Junges”, cucce~tta ”Koje, Liegewagen-Platz”, cot~ica, cot~enna ”Schwarte”, cod~a ”Schwanz” (Anhang, Anhängsel), cod~ino ”Zopf, Zöpfchen”, cod~azzo ”Gefolgschaft”, caz~zo ”Schwanz”, cet~o ”Schicht, Stand”, ced~uo ”fällbar, schlagbar”, ced~ola ”Coupon, Dividendenschein”, cit~are ”zitieren,, vorladen, anführen”, cit~azione ”Vorladung”, cit~ofono ”Sprechanlage”, cat~tività ”Gefangenschaft”, cat~tura ”Festnahme, Fang”, cas~cata ”Sturz, Wasserfall”, cad~uta ”Fall, Absturz”, goccia ”Tropfen”, get~tare”(wef)werfen, schmeißen, auswerfen, stoßen”, get~to” Spross, Trieb”, git~a ”Ausflug”, get~tito ”Ertrag”, ghet~ta ”Gamasche”, ghet~to ”Ghet~to” (Abtrennung) usw.. Der blanke Wortkern KÉT oder Variationen davon, der, m. E., die grundlegendege Voraussetzung für Erweiterungen liefert, ist im Leitenischen und Italienischen sowie in den anderen romanischen Sprachen unauffindbar.
Die aus dem Urwortskern K/i/ü/e/a/ö/o/u/T entwickelte Wortsphäre im Englischen
Zu dieser, aus dem Urwortskern K/i/ü/e/a/ö/o/u/T entwickelten Wortsphäre gehörige Worte sind natürlich auch im Englischen reichlich vorhanden, so z. B.: cut ”Schnitt”, to cut ”schneiden” mit seinen zahlreichen Entwicklungen wie z. B. cut~ler ”Messerschmied”, cut~ter ”Schneidende/r, Schneider”, cut~ting ”Schneiden, Schnitt”, chat “Geplauder, Geschnatter, Schwätzchen (Zwie-gespraech)“, chat~ter “zwitschern“, gat~e ”Brücke”, cut~icle ”Häut~chen”, cut~aneous ”Haut-”, hat ”Hut”, hut ”Hütte”, cad ”Flegel, Lümmel, Rüpel, cad~aver “Kadaver“, cad~ucity “Hinfälligkeit“, cas~e “Behälter, Scheide, Gehäuse, Kiste, Kasten“, cash “Bar-/Fertig-Geld“ (↔ mag. KÉSZ PÉNZ), cas~ing “Bekleidung Gehäuse, Umhüllung“, cas~t “(ab-, aus-, fort-, hin-, weg)werfen, hinfallen lassen, verlieren, sich erbrechen, Auswerfen, Wurf, Abguss“, cas~te “Kaste (Teilung)“, cas~ting “Wurf, Guss, Abguss, Gusseisen“, cas~tle “Burg“, cas~trate ”kas~trieren, verschneiden”, cas~tration ”Kastration, Verschneidung”, catch ”(auf-, ein)fangen, erwischen, packen, Fangen, Beute, Stocken, Bruchstück”, cat~enary ”Ketten-, Kettenlinie”, cat~er ”be-, herausschaffen, liefern”, ced~e ”aufgeben, abtreten, zed~ieren”, cheat ”betrügen, täuschen, prellen” (↔ mag. CSŐD ”Bankrott”), ches~t ”Kis~te, Kas~ten”, chid~e ”schelten, tadeln”, cis~t ”Zis~te, (prähist.) Steingrab”, cis~tern ”Zis~terne”, cit~ation ”(Vor)ladung, Zit~ieren, Zit~at”, cod~e ”Schlüßel (zu Geheimschriften), (Ver)Decken, Kryptieren”, cot ”Unterstand, Schutzdach, -Hütt~e, Kat~e, Hüt~te”, cot~e ”Schutzdach, Stall”, cot~tage ”Hütte, Häuschen, Land-, Sommerhaus, hous~e ”Haus”, cut~let ”Kotelett”, kiss ”küs~sen, Kuss”, kit ”Eimer, Kübel, Bütte, Gepäck, Ausrüstung”, shad~e, shad~ow ”Schat~ten, Schutz, Dunkelheit”, shad~ing ”Abschirmung”, shat~ter ”zerschmettern, zerbrechen, zersplittern”, shead ”aus-, vergiessen/strömen, abstoßen, werfen, sich entledigen, Schutz-, Wetterdach”, sheet ”Bettuch, Laken, bedecken, verschütten”, shit/shit~e ”Schiet, Kot, Scheis~se, scheis~sen”, sheath ”(Schwert)Scheid~e” usw. Bemerkenswert ist im Englischen die lange Reihe bloßer (in Fettschrift notierter) Wortkerngestalten. Eine eigenartige Gegebenheit diese, die mehr dem Bestand der Wort-Kerne im Kingir/Sumerisch und Hungar/Magyarisch ähnelt, weniger dem im Sanskrit, Lateinisch und Griechisch vorhandenen. Sie sind offenbar zum Urwortskern-System K/i/ü/e/a/ö/o/u/T gehörige Variationsformen. Die recht oft vorkommenden Lautwandlungen k < c, h, g, s, z und t < s, z dienen hier, wie in anderen Fällen auch, zur semantischen Differenzierung. Selbstverständlich dehnt sich die Sphäre dieser zusammengehörigen Wortklänge in den Bereich der anderen europäischen, germanischen, romanischen, slavischen, baltischen Sprachen aus.
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