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Der Urwortskern K/i/ü/e/a/ö/o/u/T – Teil 3

Der Urwortskern K[i/ü/e/a/ö/o/u]T (3)
© Zoltán Ludwig Kruse

Die aus dem Urwortskern K/i/ü/e/a/ö/o/u/T entwickelte Wortsphäre im Deutschen

Ähnlich wie im Englischen, gibt es auch im Deutschen eine Serie variierter, zum Urwortskern-System K/i/ü/e/a/ö/o/u/T gehöriger, Kernformen. Hier folgen sie: Hut, Haut, Haus, Kuss, Kat/Kate, Kot, Schiet, Schiss, Schuss, Schoß, Scheit, Schutt, Schott (k< h, sch; t<s). Der Anfangszischlaut “Sch“ in diesen Worten erweist sich ursprünglich, so wie im Lateinischen und Italienischen ebenfalls, als Doppellaut “s-k/s-c“. Diese Gegebenheit ist belegt durch Wortbeispiele wie: ahd. s~cat~o, got. s~kad~us “Schatten“, norw. s~kodd[a] “Nebel“, dt. S~kat; it. s~cat~to “Aus-/Loslösen, Losgehen, Auslöser“, s~cat~ola “Schachtel“, s~cat~urire “heraus-sprudeln-laufen, entspringen“, s~chiz~ofrenia “Schizofrenie/ Gespaltenheit usw..

Soeben nannte ich mit, als Beispiel, den Ausdruck “Skat“. Es stellt sich die Frage: was kann denn der Ausdruck “Skat“ mit der Wurzelidee von “Zwei – Scheiden – Abzweigen“ zu tun haben? “Skat“ ist ein allgemein bekanntes, beliebtes, deutsches Kartenspiel zwischen drei Spielern. Es wird mit 32 Spielkarten gespielt. Jeder Spieler erhält 10 Spielkarten und von diesen 10 werden, aufschlussreicher Weise, “Zwei“ als “S-kat“ (↔ mag. KÉT), “verdeckt“ (↔ mag. KÖD “Nebel“) “beiseite“ (↔ mag. KET~TÉ “ent~zweit, abge~zweigt, ge~schied~en“) gelegt. Als namen-gebendes Kennzeichen des “Skat“ Kartenspiels erweisen sich somit diese “Zwei“, von den drei Spielern als “be~schat~tet beiseite“ gelegten, Spielkarten.

Das Stichwort “Schatten“ (→ eines beleuchteten, undurchsichtigen Körpers dunkles, hinteres Zweitbild) mhd. schate[we], ahd. scato, got. skadus, niederl. schaduw, engl. shade, shadow, ist, laut Duden, verwandt mit norw. skodd[a] “Nebel“; und das ist zutreffend. Weiter heißt es im Duden: “Das Wort Schatten beruht mit verwandten Wörtern in anderen indogermanischen Sprachen auf der indogermanischen Wurzel skot- “Schatten, Dunkel“, vergleiche z. B. altirisch scath “Schatten“ und griechisch skotos “Dunkel“; und das hier stimmt nicht ganz. Denn der Wortstamm “s~kot-“, der eine mit sibilantem Anlaut erweiterte Variationsform des Urwortskernes K/i/ü/e/a/ö/o/u/T darstellt, wird hier, wie so oft im Duden Herkunftswörterbuch, einfach zur “indogermanischen Wurzel“ ausgerufen und vereinnahmt. Eigenartiger Weise ignoriert die Indogermanistik die von mir in diesem Text vorgestellte, grundlegende Realität des Urwortskern-Systems K/i/ü/e/a/ö/u/T. Warum wohl? Wie kommt sie dazu, das, was offenbar zusammen-gehörig ist, zu verschweigen? Ja, vom Zusammengehörigen einen willkürlich abgetrennten Entwicklungs-Teilbereich als Grundlegendes und Vollständiges der sprach-interessierten Leserschaft zu präsentieren? Allem Anschein nach gelangt hier, leider, die altbewährte lateinische Maxime: Divide et impera! “Scheide/Teile und herrsche!“ zur Anwendung.

Es gibt der “Wege“ vielerlei. Eines dieser “Wege“ ist auch jener des Ernährungszyklus, der “Speise-Weg“ mag. ÉT-ÚT, dessen Teilbereich der Aus~scheid~ungs-Weg der Tierwesen darstellt. Das feste Produkt, das über den After-Ausscheidungs-Weg ausge~schied~en wird, ist im Deutschen folgerichtig mit Worten wie: “Kot, Schiet, Schiss und Scheiß~e“ stimmig realisiert und reflektiert. Ergänzend sei bemerkt, dass die ganz nahe beieinander liegenden Ausscheidungs-Wege von Urin und Kot bei Menschen und Säugetieren ge~schied~en angelegt sind.

Meistens begleiten Gefühle der Geringschätzung die häufig benutzten Wortklänge “Schiet, Schiss, Scheiße, Beschiss, beschissen“ (im Duden Herkunftswörterbuch werden diese Worte als “derbe Volksworte“ bezeichnet). Dieses abwertende Gefühl begleitet mit schatten-gleichem Automatismus die Wortlaute. Es ist sofort da, sobald eines dieser Worte ausgesprochen wird; sei es beim Selbstverwenden, sei es beim Zuhören. Wie kommt das Gefühl der Geringschätzung überhaupt zustande, wovon ist es denn konditioniert, fragt man sich da? Nun, mir scheint, da ist vor allem die allgemeine Abneigung und folglich die Geringschätzung des Menschen gegenüber allem, was Abfall ist, auch, und ganz besonders, gegenüber der körpereigenen Ausscheidungsabfälle wie Harn und Stuhl. Eigenartiger Weise werden Urin und Fäkalien als unrein und schmutzig, von manchen Menschen mitunter als ekelerregend empfunden. Diese Gegebenheit weist auf ein, bei manchen Menschen vorhandenes, gestörtes Verhältnis zur Ausscheidung, und damit zur Reinigung und Läuterung. Diese Geringschätzung verursachende Abneigung findet Ausdruck immer dann, wenn Wortlaute dieses Inhaltsbereichs zur Anwendung gelangen. Sie werden mit einem, dieser Emotionen entsprechenden, Nachdruck beladen und ausgesprochen. So bedienen sich viele Menschen der Wortklänge “Scheiße, Schiss, Schiet, beschissen“ gleich dem Innbegriff von Geringschätzung, Ärger, Abneigung oder Fluch schlechthin. Die Emotion der Geringschätzung äußert sich bei diesen Sprechern in der Emphase, in der Eindringlichkeit, mit der die Wortklänge “Scheiße, Schiss, Schiet“ jeweils ausgesprochen werden.

In dieser Lage kann eigentlich nur das Verstehen der Wirklichkeit des Wortlautes den an sich hemmenden, konditionierenden Automatismus, mit der sich die Geringschätzung einstellt, aufheben und relativieren. Das Wissen um den Urwortlaut, mit dem das Urbild “Der Scheide-Weg“ ursprünglich reflektiert wurde, nämlich KUD, hat die Kraft diesen Automatismus aufzulösen. Im Urwortskern KUD ist inbegriffen und wirksam, wie von mir bereits erläutert, der lautmalend stimmige Urwortskern ÚT “Weg“ (kingir/šum. UT “Sonne“, IT~I, IT~U “Monat, Neu-Mond“, mag. IDŐ “Zeit“, jap. DO, chin. TAO/DAO ”Weg”). An diesen sind rückverbunden deutsche Worte wie z. B.: Sch~utt, Sch~ott, Sch~att~en, Sch~eid~e (variierte diphthongierte Gestalt von ÚT), sch~eid~en, sch~eit~ern, Sch~eid~ung, Ab-sch~ied, ab-sch~eid~en, ver-ab~sch~ied~en, aus-sch~eid~en, Aus-sch~eid~ung, Ent-sch~eid~ung, Sch~iet, Sch~iß (t<ß), Sch~uss, Sch~oss, Sch~eiß, Sch~eiß~e, sch~eiß~en, be-sch~iss~en usw.. Wie man merkt, stellen diese Wortlaute Erweiterungsgestalten des Urwortskernes ÚT mit sibilantem Anlaut dar. Den Ideenkomplex von “Sch~eid~en – Trennen – Geschiedensein“ findet man vermittelt auch durch die bildhafte Realität der Schwert-Scheide, die ursprünglich eine aus “Zwei“ Holzlatten gebildete “Schutz“-Hülle und Hülse darstellte. Das Bild dieser “Scheide“, die das Schwert von “Zwei“ Seiten umfasste und schützte, beeinflusste die metaphorische Anwendung dieses Wortes für die Bezeichnung des weiblichen Geschlechtsorgans. Die weibliche “Scheide“ ist der schattige “Spalt“ (mag. VÁG “schneidet, spaltet“, BE-VÁG~ÁS “Ein-Schnitt“, VÁG~ÁNY “Gleis“ ↔ lat., it. Vag~ina), den das eindringende männliche Glied-Schwert spaltend-entzweiend öffnet. Die “Zwei“ eng zusammenliegenden “Scheidenlippen“ werden vom Glied-Schwert gespalten und so voneinander ge~schied~en. Im ent~scheid~enden Moment der Vereinigung realisierenden Penetration geschieht somit “Scheidung“. Diese sich gleichzeitig ereignende “Vereinigung“ und “Scheidung“ erscheint im ersten Augenblick als widersprüchlich. Doch diese Widersprüchlichkeit liegt in der Natur der Sache selbst. Sie lässt sich leicht nachvollziehen in der stimmigen Klanglichkeit der magyarischen Urwortskerne: KÉT “Zwei“ ↔ KÉZ “Hand“ ↔ SZÉT “auseinander“ ↔ SZED “nimmt, sammelt“ (K<SZ) ↔ KÖZ “Zwischenraum, Abstand; Gemeinschaft“ (K<Z) ↔ KÖT “verbindet, fügt zusammen“ ↔ KÉS “Messer“ (T<S). Die “beiden Hände“ sind vom “trennenden Zwischenraum geschieden“ aber gleichzeitig auch “verbunden“. Der zwischen den “beiden Händen“ seiende “Zwischenraum scheidet“ und “verbindet“ zugleich, so wie die hüt~ende-schütz~ende Haut (↔ lat. cut~is, it. cut~e) ebenfalls. Die ge~sch~ied~ene “Scheide“ ist gleichzeitig der “Weg“ ÚT der zum Ut~erus (lat. ut~er “Schlauch“, ut~er~us “Gebärmutter“), dem heiligen Tempel der Lebenswerdung, der “Zwei“- und Mehrwerdung, führt. Auch ist die Sch~eid~e zugleich Aus~sch~eid~ungs-Weg von Urin, Menstruationsblut und Leibesfrucht. Die Geburt ist ein Akt der Ausscheidung. Die im Uterus heran-gereifte Leibesfrucht wird durch die Scheide ausgeschieden. Das Ausgeschiedene ist das neue Leben, das Kind. Dicht neben der Sch~eid~e bzw. des behodeten Gliedes, ge~sch~ied~en, befindet sich der After, Aus~sch~eid~ungs-Weg von Sch~iet, Sch~iß, Sch~eiß~e. Aus dem menschlichen Sch~oß, Ursprung des Lebens, quellen sch~ieß~end hervor der Urin-, der Sch~iet-, der Samen- und der Neugeborenen- Sch~uss. Der Sch~oß erweist sich somit als zentraler Körperteil von Aus~sch~ütt~ungen, er ist der “Weg“ ÚT (< ~EIT/~EID) von Aus~sch~eid~ungen, er ist eben der Sch~eid~e-Weg, sowohl des Samen-, des Menstruations-Flusses oder des Neugeborenen, als auch der überflüssigen Nahrungsreste der Verdauung, das “Ende“ VÉG des “Speise-Weges“ ÉT-ÚT.

Im Grunde genommen haben wir es hier mit stimmiger Wortlautrealität zu tun, die an sich überhaupt nichts Derbes, Anstößiges, sondern, im wahren Sinne des Wortes, Vulgäres (lat. vulgaris), d. h. “Alltägliches, Gewöhnliches, Übliches, Allgemeines“ aufweist, und deswegen auch nicht Geringschätzung rechtfertigen kann. Der Wortschatz der deutschen Sprache, wie der anderer Sprachen auch, enthält eine gewisse Anzahl von geschlechts- und ausscheidungsspezifischen Worten, die auf die Realität eingestimmt sind und diese lautlich stimmig, also lautmalend, zum Ausdruck bringen. Wenn es gelingt diese lautsprachliche Gegebenheit zu verstehen und nachzuvollziehen, wird der sich automatisch, schattengleich einstellende Beigeschmack von Geringschätzung, Ablehnung bei der Anwendung dieser wertvollen Wortlaute verschwinden und vom Gefühl der Dankbarkeit ersetzt werden. Dankbarkeit für die treffende, differenzierte Ausdrucksmöglichkeit, die uns die von den Ahnen entwickelte Lautsprache für die Realisierung der Wurzelidee von “Zwei – Zweiheit – Scheidung – Ausscheidung“ zur Verfügung stellt.

Die Idee von “Trennen, Trennung, Scheiden“ kommt zum Ausdruck ebenfalls in den Worten: Ver~sch~eid~en, ver~sch~ied~en, denn sie bedeuten Sterben und Gestorbensein, also die “Trennung“ vom Leben. Oder auch in den Worten Schied~s-Richter (↔ arab. Kad~i), Schied~s-Spruch, Schied~s-Vertrag, Schied~s-Gutachten, Schied~s-Urteil usw.. “Trennung“ oder auch “Untrennbarkeit“ äußern ebenfalls die folgenden Wortlaute: Sch~eit (altisländisch s~k~eid), das ist das “gespaltene Holzstück“, eben, das “aufgetrennte“ Holz~Sch~eit; hiervon abgeleitet ist das Stichwort sch~eit~ern mit der Bedeutung “in Stücke gehen/zerfallen“; Sch~eit~el, das ist die oberste Kopfstelle, wo die Haare sich “trennen, entzweien, sch~eid~en“; Sch~att~en, das ist wiederum das “untrennbare“, lichtverursachte “Doppelbild“ eines Körpers. Der Sch~ad~en hat ebenso mit “Trennen“ und Verlust zu tun und er wirkt wie ein dunkler Sch~att~en, der das Wohlergehen und -befinden des Menschen be~sch~att~et. Der Sch~ad~en stellt eben, im übertragenen Sinne, einen bedrückenden Sch~att~en dar. Das Sch~ott ist die ab~sch~ott~ende “Trennwand“ von Wasser oder Feuer. Und auch Wortlaute wie z. B.: Be~scheid gleich “Zuteilung“, be~scheid~en gleich “zuteilen“, Be~scheid geben gleich “mitteilen“, die einen Bezug zum Kommunikationspartner, dem “Gegenüber“, reflektieren, sind zu dieser umfangreichen Wortsphäre gehörig.

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Der Urwortskern K/i/ü/e/a/ö/o/u/T – Teil 2

Der Urwortskern K[i/ü/e/a/ö/o/u]T (2)
©Zoltán Ludwig Kruse

Die aus dem Urwortskern K/i/ü/e/a/ö/o/u/T entwickelte Wortsphäre im Sanskrit

Zu dem im 1. Teil vorgestellten, durch Lautvariations-Spiel mit dem Urwortskern K/i/ü/e/a/ö/o/u/T realisierten, umfangreichen Inhaltskomplex im Kingir/Šumerischen und Hungar/Magyarischen gehört eine Unmenge von Wortklängen vieler Sprachen. Im Sanskrit (→ Brockhaus: “die gegen 600 v. u. Z. durch den indischen Grammatiker Panini in Regeln gefasste literarische Kunstsprache in Indien“) sind die aus dem Urwortskern K/i/ü/e/a/ö/o/u/T entwickelten Worte reichhaltig; die, in Fettschrift notierte, Kernformen hingegen etwas weniger üppig. Hier folgen einige repräsentative Wortbeispiele aus dem Wortbestand dieser Sprache: chid “abschneiden, durchschneiden, trennen, amputieren, dividieren“ (↔ mag. KÉS “Messer“, KÉT “Zwei“, tibet. gcod/chöd “abschneiden, zerstören, vernichten“); chit~ti “Teilung, Stückelung, Division, Trennung“ (↔ mag. KET~TÉ “ent-zwei“); chid~a “abschneiden“; chid~i “Beil, Schwert“; chid~ura “schneiden, teilen“; kut~a “Haus“ (↔ mag. HÁZ, lat. it. cas~a, engl. hous~e); kut~ika “kleines Haus“ (↔ mag. HÁZ~IKÓ); kut~ira “Häus~chen, Hütt~e, Schuppen“ (↔ dt. Hut, Haut, hüt~en, engl. hut “Hütte“, hatHut“); kut~tin “Schneiden, Schnitt“ (↔ engl. cut; mag. KÉS “Messer“); kuth~ara “Beil, eine Art von Hacke oder Spaten“; kuth~araka “Beil, ein kleines Beil“; kuth~arika “Holzfäller/-schneider“; kud~ya “Mauer“ (↔ mag. GÁT “Deich, it. dig~a, engl. dik~e“); khit “erschrocken/entsetzt sein“, khid “schlagen, stoßen, treffen, abschließen, streichen, einholen, wechseln, abbauen, Streik/ Verweigerung“, khid~rá “Arme/r, Krankheit, Leiden, ein Spaltungs-Instrument“, khid~ras “Niedergeschlagenheit, Verzweiflung“, khed~a “Müdigkeit, Depression, Verzweiflung, Erschöpfung, Schmerz, Leid, Kummer, Betrübnis, ein Spaltungs-Instrument das zu Indra gehört“, khed~ita “gestört“, gudh “verpacken, einwickeln, -hüllen, einschließen, bedecken, kleiden“, gudh~ita eingeschlossen, umrundet, gudh~era “Schützen“, gud~á “Gedärme, Eingeweide, Mastdarm, After“ (Ausscheidungs-Weg), gat~a “gegangen, weggegangen, abgereist, entfernt, aufgebrochen, getrennt, verstorben, tot, vergangen, verschwunden, zerstört, vorüber und vorbei, dahin (↔ rum. gat~a, mag. KÉSZ [k<g, t<sz] “fertig, bereit“; KET~TÉ-/SZÉT-SZED “entzwei-/auseinander-nimmt“) verbunden mit, bezogen auf, gekoppelt mit“ (↔ mag. KÖT “verbindet“, KÖT~ÉL “Seil“, KÖT~ÉS “Bindung“); chad “zudecken, überdecken, kleiden, verschleiern (↔ mag. KÖD, norw. s~kodd[a] “Nebel“, dt. Schatt~en), gud~ha “bedeckt, geheim, versteckt, verborgen, maskiert“ usw..

Die aus dem Urwortskern K/i/ü/e/a/ö/o/u/T entwickelte Wortsphäre im Griechischen

Im Griechischen ist der Urwortskern K/i/ü/e/a/ö/o/u/T vorwiegend in der Funktion von Vorsilbe in den Gestalten “kata~, kate~, kato~, kati~, kuti~, katu~“ gegenwärtig und wirksam in einer langen Reihe von Worten mit den Bedeutungen “zu, an, gemäß, nach, gegen, von – herab, abwärts, über – hin, gänzlich“. Hier folgen einige Wortbeispiele, die diese wohl bekannte Vorsilbe enthalten: kata~vallo “bezwingen, überwältigen“, kata~vasi “Abfahrt“, kata~gma “Bruch, Fraktur“, kata~dioko “verfolgen“, kata~dioksi “Verfolgung“, kata~thlipsi “Depression, Verzweiflung“, kata~kathi “Bodensatz“, kata~kathome “sich absetzen (scheiden)“, kata~logos “Verzeichnis, Kata~log“, kate~dafizo “abreißen, abbrechen“, kate~dafisi “Abriss, Abbruch“, kate~ragris “listig, schlau, Schlitzohr“, kuti~fora “abschüssiger Weg, Gefälle, Abhang“, kati~forizo “hinabgehen, bergab gehen“, kati~kia “Haus“, kati~kimenos “bewohnt“, kat~ikos “ Bewohner, Einwohner“, kati~ko “bewohnen, be~haus~en“, kato~ptro “Spiegel“, katu~ro “Urin, Wasser lassen/ausscheiden; und natürlich gibt es da auch eine Reihe von Fachausdrücken, die aus dem Griechischen auch ins Deutsche übernommen wurden, z. B.: Kata~tonie, eine Form der Schizophrenie (gespaltene Persönlichkeit); Kata~lepsie “Starrsucht“ (bes. Anzeichen der Schizophrenie), Kata~strophe “Zusammenbruch, Umkehr, Wendung“, Kata~bolismus “Abbauvorgänge, Spaltungen der Stoffe im Körper der Lebewesen durch den Stoffwechsel“, Kata~phasie “Sprachstörung“ (mech. Wiederholen von Sätzen), oder auch Kata~maran “Segelboot mit Doppelrumpf“, Kata~rakt “niedriger Wassersturz (Unterbrechung des Strömungsflusses)“; gelegentlich kommt er auch in Anlaut-Auslaut eingebettet vor, so beispielsweise in: s~kat~a “Kot, Schiet“, s~kat~o “Schat~ten“ usw..

Die aus dem Urwortskern K/i/ü/e/a/ö/o/u/T entwickelte Wortsphäre im Lateinischen

Auch im Lateinischen findet man zu dieser großen Wortsphäre gehörige Worte, wie z. B.: ced~ere ”schreiten, weggehen, weichen, nachgeben, aufgeben” (it. ”absacken, überlassen, abtreten”) cet~era ”im übrigen, sonst”, et~cet~era ”und so weiter” (Serie, die mit ”Zwei” beginnt), cet~eri ”die übrigen/anderen”, se~c()t~io ”Zerstückelung”, se~c()t~or ”Abschneider”, se~c()t~ura ”Stein-Bruch”, se~c()t~a ”Richtung, Weg, Partei/Se~k()t~e”, sec~are – se~c()t~um ”zerschneiden, zerspalten”, se~ced~ere (ced~o, ces~si, ces~sum) ”weggehen, sich entfernen/trennen”, se~ces~sio (d<s) “Spaltung, Trennung“; se~ces~sus “Abgeschiedenheit, Abgetrenntheit“, cat~ena ”Ket~te, Fessel”, cas~a ”Hüt~te, Häus~chen, Baracke”, cas~sis ”(Metall)Helm, Sturmhaube, cas~tellum ”Kas~tell, Festung”, cas~tigare ”züchtigen, strafen”, cas~tigatio ”Züchtigung, Strafe”, cas~timonia ”Keuschheit”, cas~tus ”keusch, züchtig”, cas~us ”Fall, Sturz, Zwischenfall”, cas~tra ”(Kriegs)Lager”, cas~trum ”Kas~tell, Burg” usw..

Die aus dem Urwortskern K/i/ü/e/a/ö/o/u/T entwickelte Wortsphäre im Italienischen

Selbstverständlich gibt es auch im Italienischen zahlreiche in diese umfangreiche Wortsphäre gehörige, inhaltlich verwandte Worte, so z. B.: cad~ere ”fallen”, cad~uta ”Fall, Sturz”, cad~enza ”Kad~enz, Fall, Rhythmus”, cad~enzato ”kad~enziert, rhythmisch”, de~cad~enza ”De~kad~enz”, cat~ena ”Ket~te”, in~cat~enare ”an~ket~ten, fesseln”, s~cat~enare ”entfesseln”, cut~e ”Haut”, s~cud~o ”Schild (S~chut~z)”, ces~oia “Draht-, Blech-, Garten-Schere“ (Schneid-Werkzeug), ces~sare “aufhören, beenden“, ces~sione “Abtretung“; ces~so “Abort“; ces~ura “Zäs~ur, Trennung“, s~cat~to “Aus-/Loslösen, Losgehen, Auslöser“, s~cat~tare “losgehen, loslösen“, ris~cat~to “Loskaufen, Freikaufen, Lösegeld, Befreiung, Erlösung“; ris~cat~tare “frei-kaufen, befreien, erlösen“, s~cat~ologia “Fäkalsprache“, s~cat~ola “Schachtel“, s~cat~urire “heraus-sprudeln, heraus-laufen, entspringen“, s~chiz~ofrenia “S~chiz~ofrenie/ Gespaltenheit“ (t<s), s~cis~ma/ s~cis~sione “Spaltung“, s~cis~to “Schiefer“ usw.. cas~a ”Haus”, cas~etta ”Häus~chen”, cas~tello ”Kas~tell, Burg”, cit~adella ”Zitadelle, Festung”, cuccia ”Hundehütte, Kiste”, cuccio~lo ”Welpe, (Tier)Junges”, cucce~tta ”Koje, Liegewagen-Platz”, cot~ica, cot~enna ”Schwarte”, cod~a ”Schwanz” (Anhang, Anhängsel), cod~ino ”Zopf, Zöpfchen”, cod~azzo ”Gefolgschaft”, caz~zo ”Schwanz”, cet~o ”Schicht, Stand”, ced~uo ”fällbar, schlagbar”, ced~ola ”Coupon, Dividendenschein”, cit~are ”zitieren,, vorladen, anführen”, cit~azione ”Vorladung”, cit~ofono ”Sprechanlage”, cat~tività ”Gefangenschaft”, cat~tura ”Festnahme, Fang”, cas~cata ”Sturz, Wasserfall”, cad~uta ”Fall, Absturz”, goccia ”Tropfen”, get~tare”(wef)werfen, schmeißen, auswerfen, stoßen”, get~to” Spross, Trieb”, git~a ”Ausflug”, get~tito ”Ertrag”, ghet~ta ”Gamasche”, ghet~to ”Ghet~to” (Abtrennung) usw.. Der blanke Wortkern KÉT oder Variationen davon, der, m. E., die grundlegendege Voraussetzung für Erweiterungen liefert, ist im Leitenischen und Italienischen sowie in den anderen romanischen Sprachen unauffindbar.

Die aus dem Urwortskern K/i/ü/e/a/ö/o/u/T entwickelte Wortsphäre im Englischen

Zu dieser, aus dem Urwortskern K/i/ü/e/a/ö/o/u/T entwickelten Wortsphäre gehörige Worte sind natürlich auch im Englischen reichlich vorhanden, so z. B.: cut ”Schnitt”, to cut ”schneiden” mit seinen zahlreichen Entwicklungen wie z. B. cut~ler ”Messerschmied”, cut~ter ”Schneidende/r, Schneider”, cut~ting ”Schneiden, Schnitt”, chat “Geplauder, Geschnatter, Schwätzchen (Zwie-gespraech)“, chat~ter “zwitschern“, gat~e ”Brücke”, cut~icle ”Häut~chen”, cut~aneous ”Haut-”, hatHut”, hut ”Hütte”, cad ”Flegel, Lümmel, Rüpel, cad~aver “Kadaver“, cad~ucity “Hinfälligkeit“, cas~e “Behälter, Scheide, Gehäuse, Kiste, Kasten“, cash “Bar-/Fertig-Geld“ (↔ mag. KÉSZ PÉNZ), cas~ing “Bekleidung Gehäuse, Umhüllung“, cas~t “(ab-, aus-, fort-, hin-, weg)werfen, hinfallen lassen, verlieren, sich erbrechen, Auswerfen, Wurf, Abguss“, cas~te “Kaste (Teilung)“, cas~ting “Wurf, Guss, Abguss, Gusseisen“, cas~tle “Burg“, cas~trate ”kas~trieren, verschneiden”, cas~tration ”Kastration, Verschneidung”, catch ”(auf-, ein)fangen, erwischen, packen, Fangen, Beute, Stocken, Bruchstück”, cat~enary ”Ketten-, Kettenlinie”, cat~er ”be-, herausschaffen, liefern”, ced~e ”aufgeben, abtreten, zed~ieren”, cheat ”betrügen, täuschen, prellen” (↔ mag. CSŐD ”Bankrott”), ches~t ”Kis~te, Kas~ten”, chid~e ”schelten, tadeln”, cis~t ”Zis~te, (prähist.) Steingrab”, cis~tern ”Zis~terne”, cit~ation ”(Vor)ladung, Zit~ieren, Zit~at”, cod~e ”Schlüßel (zu Geheimschriften), (Ver)Decken, Kryptieren”, cot ”Unterstand, Schutzdach, -Hütt~e, Kat~e, Hüt~te”, cot~e ”Schutzdach, Stall”, cot~tage ”Hütte, Häuschen, Land-, Sommerhaus, hous~e ”Haus”, cut~let ”Kotelett”, kiss ”küs~sen, Kuss”, kit ”Eimer, Kübel, Bütte, Gepäck, Ausrüstung”, shad~e, shad~ow ”Schat~ten, Schutz, Dunkelheit”, shad~ing ”Abschirmung”, shat~ter ”zerschmettern, zerbrechen, zersplittern”, shead ”aus-, vergiessen/strömen, abstoßen, werfen, sich entledigen, Schutz-, Wetterdach”, sheet ”Bettuch, Laken, bedecken, verschütten”, shit/shit~e ”Schiet, Kot, Scheis~se, scheis~sen”, sheath ”(Schwert)Scheid~e” usw. Bemerkenswert ist im Englischen die lange Reihe bloßer (in Fettschrift notierter) Wortkerngestalten. Eine eigenartige Gegebenheit diese, die mehr dem Bestand der Wort-Kerne im Kingir/Sumerisch und Hungar/Magyarisch ähnelt, weniger dem im Sanskrit, Lateinisch und Griechisch vorhandenen. Sie sind offenbar zum Urwortskern-System K/i/ü/e/a/ö/o/u/T gehörige Variationsformen. Die recht oft vorkommenden Lautwandlungen k < c, h, g, s, z und t < s, z dienen hier, wie in anderen Fällen auch, zur semantischen Differenzierung. Selbstverständlich dehnt sich die Sphäre dieser zusammengehörigen Wortklänge in den Bereich der anderen europäischen, germanischen, romanischen, slavischen, baltischen Sprachen aus.

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Der Urwortskern K/i/ü/e/a/ö/o/u/T – Teil 1

Der Urwortskern K[i/ü/e/a/ö/o/u]T (1)
©Zoltán Ludwig Kruse

Im vorliegenden Text will ich mich der Erkundung jener umfangreichen Wortsphäre widmen, die ihren Ursprung im Urwortskern K[i/ü/e/a/ö/o/u]T nimmt. In und durch ihm erhält Reflexion des Menschen archetypische Vorstellung von “Verzweigung“. Die durch das Zeichen der Gabelung geäußerte Wurzelidee von “Verzweigen“ konnte im Kingir/Šumerischen sowohl mit dem Urwortskern TAR, TIR, TUR als auch mit dem Urwortskern KUD/QUD, auch QAT/KAT, KATA, alternativ ausgedrückt werden. Wie ich in meinem Text “Der Sprechende Name TRUIA“ unlängst berichtet habe, ist der Urwortskern TAR/TIR/TUR relativ zu den Inhaltsaspekten “ab-/zusammen-/ein-/kehren; ab-/teilen/trennen“. Der Urwortskern KUD/QUD, QAT/KAT, KATA wiederum ist bezogen auf die Aspekte “scheiden/entzweien/verzweigen, Zwei, Hände“.

Ein Urwortskern Archetyp ist grundsätzlich durch Wandelbarkeit gekennzeichnet. Die Möglichkeiten der Variation der Laute, die den Urwortskern K/i/ü/e/a/ö/o/u/T bilden, sind: K/Q/C < CH < H< G, für den Guttural, alle Vokalwerte für den interkonsonantischen Vokal und T < TY/TJ < D < DJ < S < SZ < Z, für den Dental.
Durch das Spiel der Lautvariation sowie durch Erweiterungen des Kerns wird die Wurzelbedeutung “Verzweigung – Zwei – Zweiheit“ mannigfach differenziert. Aus dem einzigen ursprünglichen Wort-Kern K/i/ü/e/a/ö/o/u/T entsteht auf diese Weise ein regelrechter Wort-Baum, eine Sphäre lautlich-inhaltlich eng-verwandter Worte. Und dieser Wort-Baum, diese  riesige Wort-Sphäre umfasst, wie wir noch hören und sehen werden, Wortklänge sehr vieler Sprachen verschiedener syntaktischer Organisation.

Das Urwortskern-System K/i/ü/e/a/ö/o/u/T im Kingir/Šumerischen

Die Keilschriftzeichen Nr. 63 TAG “zurücklassen, entlassen, verzichten“, KID “abkneifen, abgekniffener Ton, schleißen, spalten“ (Deimel), KÁD, KÀD “(an-, zusammen)binden, festmachen, fesseln“, KÍD “kneifen, Ton modellieren“ (Labat) und Nr. 354 ŠU, KATU “Hand“, KID “bauen, festfügen“ (Deimel), ŠU, QAT, QAD, QATA “Hand, Griff“ (Labat) [↔ mag. KÉZ/KETE “Hand“ - KÉT “Zwei“ -  KÖT “bindet“] gehen zurück auf das Urbild der nach vorn (zum Greifen) ausgestreckten rechten Hand. Während das Urbild des Keilschriftzeichens Nr. 90 KAD, KÚT, GAD(A), akk. kitû, “Leinen/Leinenstoff“, Determinativ vor dem Namen von Leinen Pflanzungen (Labat), GAD, GADU, GADA, KITU “Flachs, Leinengewand“ (Deimel) [↔ mag. GATYA “weite Leinen-Hose/Hosenrock“, KÖT~ÉNY “Bindling“, “Schürze“ ↔ gr. chit~on “altgriechisches Kleidungsstück aus Leinen“] wahrscheinlich die Blüte des Flachses/Leins ist (nach Deimel). Das Urbild des Keilschriftzeichens der Gabelung Nr. 12 TAR, TIR, KUD, QUD, TUR (Labat) KUD, HAŠ, GIŠ, TAR (Deimel) ist wiederum “Der Scheideweg“. Die aus diesem Urbild entwickelten Grundbedeutungen sind (nach Deimel): “bauen [↔ mag. KÖT “(ver)bindet, fügt zusammen], schneiden, durchschneiden, abschneiden, zerschneiden, beißen, scheiden, ausreißen, trennen, spalten, durchbrechen, bändigen“, HAŠ “schädigen, verderben, zerschlagen, zermalmen“, GIŠ eine Waffe [↔ mag. KÉS “Messer“]. Die Urbilder von “Hand“ und “Der Scheideweg“ reflektieren die gemeinsame Wurzelidee von “Verzweigung“ – ein allgegenwärtiges Prinzip in der Natur. Sie ist offensichtlich der Baum-Ast-eigenen Naturrealität entlehnt. Ihre Formulierung ereignete sich, wohlgemerkt, aus zwei verschiedenen, eng verwandten Denkperspektiven. Beim Zeichen der Gabelung Nr. 12 geschah sie aus jene der einfachen Verzweigung/Scheidung des Weges, während sie bei den Zeichen Nr. 63 und Nr. 354 aus jener der mehrfachen Verzweigung der fünffach befingerten Hand erfolgte. Ja, eigentlich der “Zwei Hände“ [mag. KÉT KÉZ], die durch einen trennenden “Zwischenraum verbunden“ [mag. KÖZ KÖT] oder auch durch einen “verbindenden Zwischenraum“ [mag. KÖTKÖZ) “getrennt“ [mag. KET~TÉ “ent~zweit“] sind, je nach dem, welchen dieser beiden gleich gültigen Aspekte man hervorheben will.

An dieser Stelle möchte ich an die außerordentlich wichtige Bedeutung des Urbildes “Hand“ kurz erinnern. Die “Hand“ ist eines der menschlichen Gliedmaßen von größter symbolischer Expressivität. Mit den “Zwei Händen“ führt der Mensch Taten, Gestaltungen, ja, konkrete Arbeiten aus. Er fertigt mit ihnen Gegenstände, Bauten, Anlagen, Lebensmittel, Kunstwerke an. Er pflanzt, baut, bindet, fügt zusammen, trennt, schlägt, tastet, streichelt, spürt, pflegt, heilt und spielt Instrumente mit seinen Händen. Auch hat die “Hand“ ihre eigene Sprache: sie kann willkommen heißen, verabschieden, verlangen, fordern, flehen, drohen, bitten, besänftigen, messen, zählen, Mengen anzeigen, ermutigen, verbieten, ausweisen, einladen usw.. Die “langen Hände“ verkörpern oft in den archaischen Ikonographien die Strahlen der Sonne. Im Hinduismus bilden symbolische Gesten, Bewegungen und Haltungen der Hände bekanntlich eine ganze Sprache: die Sprache der Mudras.

Der Weg

Die Wurzelidee von ”Weg” erhält in der LA LAB AB ABY BY BYR YR YRI RI RINTH IN INTH THO THOS OS Urwortskern-Sequenz durch den Wort-Kern THO Ausdruck. Des Weges Grundkennzeichen ist das “Ansetzen“, die “Angesetztheit“. Der Weg ist und wird angesetzt. Diese Realität wurde ursprünglich, und in manchen Sprachen wird es heute immer noch, mit der Lautqualität und Sinnprägungssiegel “T/D“ artikulatorisch zum Ausdruck gebracht. Sei es mit Vokalanlaut als ÚT (mag.) “Weg“, sei es mit Vokalauslaut (der auch diphthongiert sein kann) als (mag.) ”Ansatz, Stamm“ (unten, am Boden), DO (jap.) und TAO/DAO (chin.) “Weg“, als auch beides zugleich UTU (šum.) “Sonne“, IDŐ (mag.) ”Zeit” (T~ide; ↔ it. idi ”Ide~n”, alb. udhë “Weg“). In der piktographischen Dimension der Lautzeichen ”T” und ”D” (die beliebig gedreht werden können) erhält die Realität von ”Angesetztheit” zusätzliche Bestätigung. Das Urbild von ”Ansetzen” ist die aufgehende Sonnenscheibe (UD, UT, UTU, PAR, PIR ”Sonne”, Labat Nr. 381). Sie erscheint im Osten, wo sie am Horizont ihren Tages-Weg mit leuchtenden-wärmenden Strahlen anzusetzen scheint. In dem sie strahlend über dem Himmelsgewölbe fährt, lässt sie die Wesen der Erde beleben. Das “Ansetzen“ des Sonnen-Weges geht einher mit dem scheinbaren “Loslösen, Trennen, Scheiden, Entzweien“ der Sonnenscheibe vom Horizont. Im Kingir/Šumerischen und Hungar/Magyarischen, aber nicht nur da, wird auch dieser Aspekt kohärenter Weise mit der selben dentalen Lautqualität “T/D“ ausgedrückt und zwar in den Urwortskernen TAR/TIR/TUR, mag. R, und KUD/QUD, mag. KÉT. Im Kingir/Šumerischen mit den Bedeutungen “Weg, Route, Wegkreuzung“ und “spalten“ (Labat Nr. 12, 114); im Hungar/Magyarischen mit den Bedeutungen (physikalischer) “Raum, Platz“, als Substantiv, und “kehrt, wendet, zweigt/ wendet ab“ als Zeitwort, bzw. “Zwei“ (↔ gr. dro~mos, rum. dru~m “Weg, Gang“). Im Übrigen, das Scheide-Weg-eigene “Abzweigen, Verzweigen“ ist das Grundprinzip, das ebenfalls das Ader-System kennzeichnet. Die “Ader“ mag. ÉR aber, mit ihren verbindenden Eigenschaften von “(ge-)langt, (er-)reicht, rührt“, (diese sind, wohlgemerkt, die Zeitwortbedeutungen des Urwortskerns ÉR) ist im Urwortskern T~ÉR auf wundersame Weise schon mit enthalten, inbegriffen und wirksam. Anders ausgedrückt, die Grundeigenschaft der “Ader“ ÉR von “kehren, wenden, abzweigen“, wird durch Erweiterung des Urwortskernes ÉR mit dem dentalen Lautsiegel “T“ stimmig realisiert, und also in der Wortlautgestalt T~ÉR zum Ausdruck gebracht. Aber auch diese andere, ergänzende Option ist gültig: Zur Basis (↔ ”Ansatz”; engl. tou~ch, it. to~cco, ta~tto, con~ta~tto, ”Ta~sten, Ta~kt, Kon~ta~kt”) gesellt sich der Vibrant “R“. Das heißt: die Basis wird durch das Lautsiegel “R“ stimmig ergänzt. Auf Grund seiner Artikulationsrealität, der prägungsstark ist, erhält das vibrante Lautsiegel “R“, in der Regel, in zahlreichen Wortklängen Wirksamkeit; so beispielsweise: in “Rad, Rolle, Runde, Route, rollen, Kreis, Kreisen, Kreislaufen, Rotieren, Rotation“ usw..

Der Ur-Weg, namentlich der am Horizont angesetzte, bogenförmige, ja, runde “Sonnen-Weg“ mag. NAP-ÚT, mit dem alle anderen Wege naturgemäß verbunden sind, offenbart sich als “Zeit-Weg“ mag. IDŐ-ÚT, eben, als Zeit-Ablauf. Der Sonnen- “Weg“ ÚT führt fort vom ”Landschafts-” – J “Ansatz-“ Punkt im Osten, hin zur Vollendung, im Westen. Und während des Sonnen-Weges Ablauf läuft die “runde“ KEREK (zauberhaft treffend diese Realisierung mit einem Palindrom!) “Zeit“, die Sonnen-Zeit, untrennbar mit. Das ist also der Ur-Weg. Der Weg, der weg führt. Der auf- und absteigende Sonnen-Weg, der vom Aufgangs-Ansatz weg, hin zum Niedergangs-Ansatz, und dann erneut zum Aufgangs-Ansatz zurück- und weiterführt.

In Parenthese sei hier erwähnt, dass der selbe Wortklang “Weg“ im Magyarischen, interessanter Weise, andere, eng verwandte Bedeutungen übermittelt. Ich nenne sie hier nur, weil sie mir, bezogen auf den deutschen Bedeutungswert, durchaus bemerkenswert erscheinen: VÉG “Ende, Zweck, Schluss; Stumpf, Spitze, Zipfel; Stück, Gewebe, Webe; Grenzland, Grenzgebiet“; VÁG “schneidet, scheidet”. Die Erweiterungen: VÉG~EZ “(be)endigt, schließt ab, absolviert, vollendet/vollführt, macht, stellt an, nimmt vor, übt aus, leistet, verrichtet, beschließt, richtet aus, wird fertig, erledigt jemanden, fertigt jemanden ab, absolviert, legt ab, tritt ab“ und VÉG~Z~ET “Schicksal, Geschick, Verhängnis“ ergänzen die genannte Grundbedeutung.

Der Urwortskern K/i/ü/e/a/ö/o/u/T in Namen alt-ägyptischer Gottheiten

Der alt-ägyptische Name des zweigestaltigen Gottes der auf- und untergehenden Sonne, der in der damaligen Ikonographie als Falke im Steig- bzw. Sturzflug dargestellt wurde, ist uns, mit griechischer Vermittlung, als HARACHTE überliefert worden. Die Bedeutung dieses archaischen Namens ist: “Horus der Zwei Horizonte“. Der gleich-lautende magyarische Ausdruck KÖR A KÉT~É (HAR A CH[]T~E) “Kreis der Zwei“ benötigt kaum zusätzliche Erklärungen, denke ich; die lautlich-inhaltliche Entsprechung liefert offenkundige Bestätigung. Diese im Namen HARACHTE vorhandene Grundidee von “Zwei – Zweiheit“ gelangt, im Übrigen, im Namen “Horizont“ selbst zur Geltung. Denn er drückt die Bedeutung “Grenzlinie“ aus. Ursprünglich handelt es sich um die “Grenzlinie“, an der die goldene Sonnenscheibe das Bescheinen der Welt mit ihren belebenden Strahlen beginnt bzw. aufhört damit. Und auch zum Wortklang “Horizont“ gibt es, wieder einmal zufällig treffend, einen gleich-lautenden magyarischen Ausdruck. Er lautet: KÖR-ŐS / KÖR IZZÓ ONT, und bedeutet “Kreis-Ahn-in / Kreis glühender strömt aus“ (ihre Strahlen). Dieser Ausdruck scheint mir inhaltlich ebenfalls außerordentlich aufschlussreich zu sein. Im Namen “Horizont“, dass als ein einziges Wort erscheint, liegt demnach ein ganzer magyarischer Satz verborgen. Er vermittelt das Erscheinen der glühenden Sonnenscheibe.

Die Gottheit HARACHTE steht in engster Verbindung zu der Gottheit SETH (CHTE ↔ SETH; CH < S). Diese ist im alten Ägypten bekannt als “Herr des Reiches der Dunkelheit“. Jener Dunkelheit, die durch das Dahin-scheiden der licht-spendenden Sonnenscheibe zustande kommt. Der “Scheide-Weg“, an dem die Sonne ihre Reise durchs Reich der Dunkelheit antritt, ist der “Horizont“. Er scheidet Licht von Dunkelheit. Die Gegebenheit, dass die Wortkerne SZÉT und SZED im Magyarischen ausgerechnet die Inhalte “auseinander“ bzw. “ nimmt, pflückt, sammelt“ ausdrücken ist, m. E., wieder kein purer Zufall. Denn SETH wird nicht anders zum “Herren des Reiches der Dunkelheit“, als durch die “Auseinandernahme“, also die “Trennung“, der Sonnenscheibe vom “Horizont“. Als kombinierter Wortklang SZÉT-SZED drücken diese beiden variierten Wortkerne ganz genau die Bedeutung “auseinander nimmt/nimmt auseinander“ aus. Der “Horizont“ fungiert also als auseinander-nehmende, trennende Grenzlinie. Von dieser Sinn-Grundlage ausgehend können durch Laut-Spiel die Bedeutungen SÖT~ÉT, SÖT~ÉT~SÉG “dunkel, Dunkelheit“ (SÖT~ÚT, SZÉT~ÚT “dunkler Weg, Auseinander-/Trenn-/Scheide-Weg“ der Sonnenscheibe) entwickelt werden. Im Wortkern SZ~ÉT ist potentiell der Urwortskern-Komplex ÚT – ÁT – ÉT – ITT – OTT – ID~E – OD~A – ID~Ő – ÜT – ÖT – TŰ – TŐ – TÓ – TA – TÁ~J – TE~J-ÚT (“Weg, durch/hindurch, Speise, hier, dort, hierher, dorthin, Zeit, schlägt, Fünf, Nadel, Ansatz, See, Ort, Landschaft, Milch-Straße“) enthalten. Das “Auseinander“, das seinem Wesen nach “Weg“- ÚT bezogen ist, erhält somit seinen stimmigen Ausdruck im Wortklang SZ~ÉT.

Das System des Urwortskernes K/i/ü/e/a/ö/o/u/T und die daraus entwickelte Wortsphäre im Magyarischen

Erhören wir nun gemeinsam die Sphäre magyarischer, blanker Wortkerne, deren integrierende Bestandteile die eben genannten Wortkerne SZÉT “auseinander“ und SZED “nimmt, pflückt“ sind: KÉT/KET~TŐ ”Zwei”, KÉZ, KACS~Ó, aktuelle Wortformen, KET~E, archaische Wortgestalt, ”Hand, Händchen” (↔ kingir/šumerisch QAT/QATA/QAD, akkadisch qatu; Labat Nr. 354), KÉS ”Messer”, KÉSZ ”fertig, bereit”, KÖT ”(ver)bindet, knüpft, fügt zusammen, fesselt, strickt”, KÖZ “Zwischenraum“ (zwi~schen den “Zwei Händen“); Gemeinschaft, Öffentlichkeit/Allgemeinheit“, KÚT “Brunnen“ (verbindet außen und innen), CSAT “Schnalle, Spange, Verschluss“ (Verbindungsteil das Zwei Enden verbindet), CSŐD “Bankrott, Konkurs, Zusammenbruch“, KAS “Korb“, HAS “Bauch“, HÁZ “Haus“ (Schutz-Haut, lat. cut~is), KEDD “Dienstag“ (2. Wochentag), KÖD “Nebel“, GÁT “Deich, Damm“. Diese Serie blanker variierter Wortkerne bildet, offenkundig, ein konsistentes System. Es ist jenes des Inhaltskomplexes von “Zwei – Zweiwerdung – Zweiheit“. Dieses System von Wortkern-Knoten ist natürlich Grundlage weiterer, erweiterter Wortklänge im Magyarischen, wie beispielsweise: KUT~AT “forscht, sucht“, KUT~AT~Ó “Forscher/in, forschend“, KUT~AT~ÁS “Forschung“, HAS~AD “spaltet sich“, HAS~ÁB “Scheit“, HAS~AD~ÉK “Spalt, Riss, Schlucht“, HAS~ÍT “spaltet, schneidet“, HAS~ÍT~ÉK “Schlitz“; MÉH-KAS “Bienen-Korb“ (↔ Hut, Haut, Hüt~te, hüt~en, Schutz, schütz~en, Haus HÁZ, it. cas~a, cas~etta); HAZ~A ”Vaterland, Heimatland”, HÁZ~I ”vom Hause, hausgemacht”, HÁZ~AS ”verheiratet, Ehemann”, HÁZ~AS~OK ”Eheleute”, HÁZ~I~AS ”häuslich”, KASZ~A “Sense“, KÖD~ÖS ”nebelig”, KÖT~ÉS ”(Ver)Bindung, Knüpfung, Verband”, KAT~ONA ”Soldat” (im Verbund stehender), KAT~ONA~SÁG ”Militär”, KÖT~EG ”Band, Bund, Bündel”, KÖT~ÉL ”Seil, Strick, Tau, Leine, Strang, Fessel”, KÉT~ELY ”Zweifel”, KÉT~ELY~ES ”zweifelhaft”, KÉT~SÉG ”Zweifel”, KEZ~EL ”behandelt”, KEZ~ES ”Bürge”, KEZ~ES~SÉG ”Bürgschaft”, KEZ~EL~Ő ”behandelnd, Behandelnde/r”, KEZ~EL~ÉS ”Behandlung”, KÉSZ~ÍT ”fertigt an, stellt her”, KÉSZ~ÍT~Ő ”Hersteller/in”, KÉSZ~ÍT~ÉS ”Anfertigung, Herstellung”, KÖZ~EG ”Medium”, KÖZ-ÉP ”Mitte” (”Zwischenraum-heil”), KÖZ~ÖL ”teilt mit, veröffentlicht, verlautbart, übermittelt, berichtet”, KÖZ~ÖNY ”Gleichmut”, KÖZ~ÖN~SÉG ”Publikum, Öffentlichkeit”, KÖZ~L~ÖNY ”Mitteilungsblatt”, KÖZ~L~ÉS ”Mitteilung”, KÖZ~ÖS ”gemeinsam, gemeinschaftlich, Gemeinsame”, KÖZ~SÉG ”Gemeinde”, KÖZ~ÜL~ET ”Gemeinwesen, Körperschaft”, KÖZ~ÖS~SÉG ”Gemeinschaft, Gemeinsamkeit”, KÖZ~ÖS~ÜL ”wohnt/schläft jemandem bei”, KÖZ~ÖS~ÜL~ÉS ”Beischlaf”, KÖZ~VET~ÍT ”vermittelt”, KÖZ~VET~ÍT~ÉS ”Vermittlung, Übertragung, Sendung”, GÁT~OL ”hemmt, hindert”, GÁT~L~Ó ”hindernd; Hindernde/r”, GÁT~L~ÁS ”Hemmung, Hinderung, Stauung”, CSAT~A “Schlacht“ , CSAT~OL “schließt/gliedert an“, CSAT~OL~ÁS “Anschluss, Koppelung“; CSAT~T~AN “schnallt, knallt, klatscht“; CSAT~T~OG “klappert, knattert, klatscht“; A~KAD ”stockt, bleibt stecken”, A~KAD~ÁLY ”Hindernis”, A~KAD~ÁLY~OZ ”(ver)hindert, hemmt”, A~KAD~ÁLY~OZ~ÁS ”Behinderung/Verhinderung, Hemmung”, KÁTY~Ú ”schlammiges Weg-Hindernis”, KED~ÉLY ”Gemüt” (hin und her schwankendes) usw..

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© Zoltán Ludwig Kruse

Sanskrit Bezüge zum Urwortskern T[i/ü/e/a/ö/o/u]R

Wie die folgenden Wortklangbeispiele es belegen, sind die Bezüge auch in dieser alten Sprache reichhaltig: dār~a (engl. ”tear~ing”) ”wild wütend, Zerriss, Brechen, Spalten” (↔ TÖR); dār~aka (engl. ”breaking, tear~ing, splitting”) ”Brechen, Zerkleinern, Bruch”; dār~i (engl. ”splitting, tear~ing asunder”) ”auseinander reissen”, dār~ita (engl. ”tor~n, rent, divided”) ”zerrissen, Riß, Sprung, Spalt, geteilt”; dār~ú (engl. ”braking, splitting”) ”Brechen, Spalten” (↔ TÖR~Ő ”Brecher, brechend/e/r”); Dār~uka, Name von Krishna´s Wagenlenker (der herum~fähr~t/-kehr~t; TÉR~Ő ”Herumkehrer, kehrend, Kehre”, TÉR~Ő~KE ”Kehrelein”); dúr = dvār (engl. ”a door”) ”ein/e Tor/Tür”; duro-dara (engl. ”door-opener”) ”Tür/Tor-Öffner” (↔ TÉR~Ő-TÁR~Ó ”Kehre-Öffner”; eine recht bemerkenswerte lautlich-inhaltliche Übereinstimmung!); dúr~ya (engl. ”belonging to the door or house, a residence”) ”zum Tor oder Haus gehörig, ein Aufenthaltsort”; tir~ás (engl. ”throu~gh, across, beyond, over, so as to pass by, apart from, without, against”) ”dur~ch, quer durch/über, jenseits, vorüber, über, vorbei, aus, zu Ende, so wie vorübergehen/-fahren, geschieden von, ohne, gegen, wider”; Dhár~ma (engl. ”that which is established or firm, steadfast decree, statue, ordinance, law”, hebr. ”Thor~a”) ”das, was festgesetzt oder beständig ist, fest gegründete Verfügung, Statue, Regel, Gesetz” (↔ TÖR~VÉNY Gesetz).

Lateinische Bezüge zum Urwortskern T[i/ü/e/a/ö/o/u]R:

Ter ”dreimal”, ter~ni ”je drei”, ter~ere ”(ab)reiben, oft gebrauchen/besuchen/befahren”, ter~gi-ver~sari ”Ausflüchte suchen”, ter~gi~ver~satio ”Verzögerung/Abweichung” (↔ EL-TÉR ”ab-weicht/kehrt”), ter~minare ”begrenzen, beschränken, bestimmen, festsetzen”, ter~rere ”(er)schrecken”, ter~ra ”Erde”, ter~renus ”aus Erde, auf/in der Erde befindlich” (↔ ÉR ”Quelle, Ader, Gang, gelangt, berührt, reift”, TÉR ”kehrt, Feld, Raum”), tor~mentum (it. ver~ricello) ”Winde”, tor~quere ”dreh~en”, tor~quis ”Gewundene/ Ge~dreh~te/Halskette”, tur~ba ”Ver~wirr~ung, Tur~bulenz”, tur~bare ”ver~wirr~en, trü~ben, aufwühlen”, tur~bidus ”s~tür~misch, ver~wirr~t, ge~trü~bt”, tur~bineus ”wir~belnd, krei~send”, tur~bulentus ”s~tür~misch/tur~bulent, wirr”, tur~ma ”Schwadron (röm. Reiterabteilung von 30 Mann), Schar, Schwarm”, tur~ris ”Tur~m, hoher Bau, Palast, Burg” usw.

Italienische Bezüge zum Urwortskern T[i/ü/e/a/ö/o/u]R:

Tir~anno/a ”Tyr~ann/in”, tir~annia ”Tyr~annei/Gewalt-/Willkürherrschaft” (Dru~ck, Er~drü~ckung, Unterdrückung ↔ TŰR ”(er)duldet”), tir~are ”(aus-, zu-)ziehen, wer~fen, ab~feuer~n, schleppen, dru~cken/abziehen”, tir~o ”Ziehen, Schießen, Wer~fen, Schuß, Wur~f, (Pferde-) Gespann, S~trei~ch”, tir~aggio ”Luftzufuhr”, tor~o ”S~tier” (gr. taur~os, lat. taur~us ↔ TÚR ”wühlt”, TÚR~ÁS ”Wühlen”, SZÚR ”sticht”, SZÚR~ÁS ”Stich, Stechen”, TÚR~ÓS ”wühlig”, SZÚR~ÓS ”stichig”), tor~re ”Tur~m” (engl. tower), tor~ta ”Tor~te” (die krei~srunde), tor~tor~a ”Tur~teltaube” (die gur~rende, TUR~BÉK~OL ”tur~telt”), tor~tuosità ”Gewundenheit, Krü~mmung”, tor~to ”Unrecht” (abge~kehr~t von der Wahrheit ↔ EL~TÉR~T).

Englische Bezüge zum Urwortskern T[i/ü/e/a/ö/o/u]R:

Thro/trou~gh ”Schnellver~kehr~ss~tra~ße, Autobahn”, tra~ck ”S~pur, Fähr~te, Pfad, Weg, Bahn”, tra~ct ”(Land-) S~tri~ch, S~tre~cke, Gebiet, Fläche”, tra~de ”Handel (Wahren-Ver~kehr)”, tra~ding ”handel~trei~bend”, tra~ffic ”Ver~kehr”, tra~in ”Zug, Kar~awane, Reihe, Ser~ie”, tra~mp ”wandern, marschieren, laufen”, tra~vel ”fahr~en, gehen, laufen”, trea~d ”be~tre~ten, gehen, schreiten auf”, tree (↔ trou~gh, terr~ain) ”Baum” (↔ russ. der~evo; die germ. Weltesche Yg~dra~sil ↔ TÉR ”Raum, Feld; kehrt”, TER~JED ”dehnt/weitet sich aus”, TER~EP ”Gelände”, TER~EB~ÉLY ”Ausladung/
-weitung/-dehnung” der Baumkrone, TER~EB~ÉLY~ES ”ausladend”), tre~nd ”sich wenden, ers~tre~cken, ausdehnen”, tear (tor~e, tor~n) ”zerreißen, (auf)spalten, zersplittern, rasen, toben, Toben, Raserei” (↔ TÖR), tear around ”herumrennen/-tour~en”, tear down ”abreißen/-brechen, Trä~ne (tre~nnt sich und kehr~t her~vor aus dem Auge)”, tra~p (it. tra~ppola) ”Falle, Fallgrube, Schlinge, Fall~tür” (↔ TŐR); tra~pper ”Fallensteller, Tra~pper”; tra~verse ”dur~ch-/überqueren, durchkreuzen, Querlinie, Tra~verse, Hindernis, Dreh~bewegung, Queren, Schwenkbereich, Schwenkung” (↔ door – Tür/Tor), thre~shold ”Schwelle”.

Wechselbeziehung der Urwortskerne
T[i/ü/e/a/ö/o/u]R – K[i/ü/e/a/ö/o/u]R – P[i/ü/e/a/ö/o/u]R

Bild 1

Bild 1

Die Labyrinthos Darstellung auf dem Weinkrug von Tragliatella selbst, die die Inschrift TRUIA im äußersten Umgang trägt, ist offenbare Kundgebung der Realität von Verwobenheit der Urwortskerninhalte KÖR – PIR – TER, denn es zeigt den Betrachtern die Bildelemente: Krei~s – Krei~sen – Kehr~e – Kehr~en – Kur~sieren (KÖR) – For~m – Fahr~t – Fahr~en – Wir~bel – Wer~den (PIR/BYR) – Tour~en – Tur~nier – Tur~nus – Dreh – Dreh~en (gr. tro~chos “Rad“) – Dreh~ung – Trieb – Trei~ben (TER). Das Korrespondieren der drei Urwortskerne wird noch deutlicher, wenn man sich die Realisierung einer bestimmten Bedeutung in den Wortklängen verschiedener Sprachen anhört und diese miteinander vergleicht. Der Vergleich spricht dann für sich selbst: wieder-dreh~en/-kehr~en ↔ it. “ri~gir~are“ ↔ engl. “re~tur~n“; Dreh~ung/Kehr~e/Wendung ↔ it. “(ri)~gir~o“ ↔ engl. “tur~n, tor~sion“; um-/zurück-kehr~en ↔ engl. “re~tur~n, tur~n round“; zurück-/wieder-kehr~en/-wer~den ↔ it. “ri~tor~nare ↔ engl. “to re~tur~n“; Rück-/Wieder-kehr ↔ it. “ri~tor~no“ ↔ engl. “re~tur~n, re~cur~rence“; Dreh~en, wir~beln, sich dreh~en, um-dreh~en, -kehr~en, Wendung, Runde, Rundgang, Wechsel, Wende ↔ engl. “tur~n“; sich um-dreh~en, -wenden, -kehr~en ↔ engl. “to tur~n about“; Dreh~ung/Kehr~en, Wendung, Übergang, Wechsel ↔ engl. “tur~nover“; zurück-/wieder-kehr~en/-wer~den, Rück~kehr/-kunft, Wieder~kehr ↔ engl. “re~tur~n“; (An-, be-)trei~ben, fahr~en, bohr~en, energisch be~trei~ben, durchsetzen/-führ~en, den Ball trei~ben, Fahr~en, Fahr~t, Trie~bwerk, Trie~bkraft, Trie~b, An~trie~b, Dru~ck (drü~cken), drä~ngen/dri~ngende Sache, Auf~trie~b ↔ engl. “dri~ve“; trei~bend, Trei~b-, Trei~ben, Fahr~en ↔ engl. “dri~ving“; ver-/um~dre~hen/krü~mmen ↔ it. “tor~cere“; um-dreh~en, -wenden ↔ rum. “în~toar~ce“; Rück~kehr ↔ rum. “în~toar~cere“; zurückge~kehr~t ↔ it. “ri~tor~nato“ ↔ rum. “în~tor~s“; Wendung/ Dreh~ung/Kehr~e ↔ it. “ri~tor~nello“ ↔ rum. “în~tor~să~tur~ă“. Diese vorliegende “Kon-fusion” der Drei Urwortskerne belegt auch der deutsche Satz: “Manche wichtige Tür~en werden geradezu fre~netisch von tur~bulent wir~belnden, ein- und aus~kehr~enden Menschen-Schar~en (SOR “Ser~ie, Reihe“) fre~quentiert, dur~ch-dru~ngen, dur~ch-quer~t“.

Bild 2

Bild 2

Das die Inschrift TRUIA tragende Labyrinthos auf dem Weinkrug von Tragliatella ist zusammengewachsen dargestellt mit einer Reihe von jungen menschlichen Gestalten: zwei am Boden liegend kopulierenden (Geschlechts-Ver~kehr trei~benden: TÁR “öffnet, schließt weit auf, bietet an“, TÉR “kehr~t“, TÚR “wühlt“), eine ursprüngliche heilige Hochzeit zelebrierenden Paaren auf der rechten (das obere Paar ist auf einer erhöhten Unterlage dargestellt, während das untere sich auf dem Erdboden befindet) und zwei hintereinander reitenden, aus-kehr~enden und dahinziehenden Reitergestalten auf der linken Seite. Diese explizite Art der dicht nebeneinandergestellten Darstellung dieser Bildanteile des Weinkruges nötigt geradezu die Betrachtenden zu einer zusammen-hängenden Lesung dieser Symbole. Das Ein-/Dur~ch-/Her~vor-kehr~en, Ein-/Dur~ch-/ Ausziehen, Hinein-/Dur~ch-/Hinauss~tre~ben in, dur~ch und aus dem Labyrinthos bildet somit eine Metapher der durch paarende Fortpflanzung sich ereignenden Wiedergeburt des Menschen. Durch die Ader-Blut-Strom ÉR-VÉR-ÁR genährte ”starke Kraft” ERŐS ERŐ des Eros, die den wollusterfüllten Paarungsakt bewirkt, erhält das in der heilen Mitte des Labyrinthos geborgene Zeichen MYŠ-TER-UM: “Paargezeugtes Anderes/Neues – generiert durch Abzweigung – in der Mutter“ Gültigkeit. Wesentlich scheint mir dabei die Gegebenheit, dass diese verschmolzene Art der Darstellung der kopulierenden Paare mit dem Labyrinthos sich in direkter, natürlicher Entsprechung befindet mit der Klanglichkeit des Wortnetzgewebes, dessen Ausgangsknoten die zahlreichen Wandlungsgestalten der Urwortskerne TIR, GIR und PIR bilden. Dass heißt, dass auch in diesem Fall, wie allgemein, das Bildhafte das lautsprachliche Gewebe in eingestimmter Art und Weise reflektiert.

Bild 3

Bild 3

Die Darstellung des Klein~tier-Paar~es auf dem Weinkrug, wobei das eine Tier das andere trei~bt, setzt eine zusätzliche Betonung und vermittelt die für die Tier~welt wesentliche Schlüßelbotschaft: “Trie~b, Trei~ben, Ge~trie~ben-sein“, der Weg zur unendlichen Serie von Kör~per-for~m-wer~dungen. Die onduliert krie~chende lange Schlange, Symboltier der sub~ter~restrischen hin-und-her kehr~enden (TÉR~Ő) Ader-Strom-Kräfte (ÉR-ÁR-ERŐ) ist hier ebenfalls präsent. Und auch diese Botschaften erhalten Realisierung durch die Urwortskerne T[i/ü/e/a/ö/o/u]R – K[i/ü/e/a/ö/o/u]R – P[i/ü/e/a/ö/o/u]R.

Die Botschaft von SOR ”Serie”

Wortklänge wie Zir~kulieren, Zir~kel, Zir~kus, Zer~emonie, Ser~mon, mag. SOR “Ser~ie, Sequenz, Reihe“, SOR~OZ~AT “Reihenfolge“ sind rückverbunden an die grundsätzliche Vorstellung von “Rundsein, Rotieren, Abrollen, Abspulen“ (der Sequenz), die einen wesentlichen Aspekt des Archetypus ☼, namentlich des großen himmlischen Sonnen-Kreises darstellt. Wie in früheren Texten von mir bereits erläutert, ist der Archetypus ☼ mit dem Urwortskern KIR/GIR/KÖR “Krei~s“ lautsprachlich realisiert. Die Wortklänge fra. char, engl. char~iot (beräderter, rollender) “Wagen“, Chor (Krei~s der Sängerinnen und Sänger), mag. SOR “Serie, Reihe“, die diese Verbundenheit belegen, können somit als lautlich-inhaltliche Variationsgestalten des Urwortskernes KIR/GIR/KÖR “Krei~s“ erkannt werden (K < G < CH < S).

Bild 4

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Die Darstellungen auf dem Weinkrug von Tragliatella übermitteln sehr klar den Gedankeninhalt “Serie, Sequenz“, die, naturgemäß, Krei~slauf geprägt ist (Zir~kulieren, Tur~nier, Kur~sieren, Krei~slauf/-Dreh~ung KÖR-FOR~G~ÁS; FOR ↔ KÖR < SOR). Dies äußert sich in der serienmäßig angeordnete Aufstellung der zu Pferd reitenden und zu Fuß schreitenden Knabengestalten. Sie sind an der Zer~emonie (ser~ienartig “abrollende“ Reihenfolge von Handlungen) des TéRÚJJÁ “Kehrt zum Neuen“ Turnier-Spiels beteiligt (in einem Tur~nier kommt es stets auf (Ein)Tre~ffen – Tre~ffer – Tro~phäe und Tri~umph an). Die Ser~ie dieser, und überhaupt aller, Tier- und Menschen-Gestalten kehr~t her~vor aus dem in der Mitte des LABYRINTHOS geborgenen MYŠ-TER-UM. Die im Magyarischen gegenwärtigen Variationen und Entwicklungen des Urwortskerns SOR, Wandlungsform des Urwortskernes KOR/KÖR “Zeitalter/Kreis“ und Wurzel des Wortklanges “Ser~ie“, bieten den hörend Betrachtenden allgemeine, vielfältige und überaus wertvolle Botschaften: SOR “Ser~ie, Reihe“ (Labat, Šumerogramm Nr. 152 SAR, in “Reihe“ gepflanztes grünes Gemüse), SOR~OL “reiht auf“, SOR~S “Schicksal“ (zyklische Abfolge von Lebensereignissen), SOR~OZ~AT “Reihenfolge“, SZER “Zer~emonie, -mal/-fach, Mittel, Gerät“ (die zur Vervielfältigung dienen), SZER~V “Organ“ (Multipel gleichartiger Zellen; ein zu bestimmter Leistung dienender Kör~per~teil mehrzelliger Lebewesen), SZER~V~EZ “organisiert“, SZER~V~ES “organisch“, SZER~V~EZ~ET “Organismus“, SZER~V~EZ~ÉS “Organisierung“, SZOR~OZ “multipliziert/vervielfältigt/mehrt“, SZER~ET “liebt“, SZER~ET~Ő ”Liebende/r, Geliebte/r“, SZER~ET~ET (universale) “Liebe“ (lat. car~itas), SZER~EL~EM (sinnliche) “Liebe“, SZER~EN~CSE “Glück“ (↔ For~tuna, FOR~OG, FOR~DUL “dreht/wendet sich“).

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Ebenso bedeutend erweist sich mir die Mitteilung der Realität von “Harmonie“, von Geordnetheit, die durch die Familien-Harmonie bildende Drei~heit Mutter-Vater-Kind dargestellt ist. Diese erhält Realisierung durch die Wortklänge GAR ”Stimmenflut” (↔ Chor, Har~a, Hur~ra!, Har~e, Har~e, Gur~u!; vergl. m. ”jemandem den Gar ausmachen”), KÖR ”Kreis” (fra. cœur, it. cuor~e ”Her~z”) und GYER~EK ”Gör/e, Kind”, HÁR~OM ”Drei”, HÁR~M~AS ”Dreier”, HÁR~M~AN ”zu dritt”, HÁR~M~AN JÓ ”zu dritt Gut”, die allen wohlbekannte Har~monia/Har~monie. Wenn man das Detail dieser Drei~ergruppe, die in der eigenen Imagination die Familie als Kerngrundlage der menschlichen Gesellschaft wachruft, eine geraume Zeit anschaut, wird einem allmählich die darin geborgene Dreh~bewegung bewusst. Und zwar im zentralen Zwischenraum der Kommunikation. Die große (Ei-) Sphäre in der Hand der Frau, die etwas kleinere (Apfel-) Sphäre in der Hand des Mannes und die rechte Hand des Mädchens, die unmissverständlich auf den Frauenschoß, dem Ursprung der unendlichen Ser~ie menschlicher Geschöpfe weist, sind ihre einprägsamen Momente. Der/die mecher/etruskische Gestalter/in der Darstellung hat hier, m. E., mit aller einfachsten Ausdrucksmitteln die Botschaft des zyklischen Krei~slaufes der “Wieder~kehr“ TRUIA/TÉRÚJJÁ des Lebens aus dem Mutterschoß meisterhaft realisiert.

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