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Auf den Mäander wurde ich aufmerksam bei meinen Nachforschungen zum römischen Labyrinth, das im Schwanberglabyrinth steckt.

Sogar auf dem Betonsockel für die neue Mitte des Schwanberglabyrinths schlängelt sich ein Mäander, aber der mit den Flussschlingen, von dem sich der Name ableitet. 

Baumversteinerung in der Mitte des Schwanberglabyrinths

Baumversteinerung in der Mitte des Schwanberglabyrinths

Die nächste Begegnung hatte ich im Klosterladen Münsterschwarzach. Da sah ich ein römisches Labyrinth in moderner Form, aber mit dem Mäander drin. Es stammt aus der Abtei Königsmünster der Benediktiner in Meschede.

Modernes römisches Labyrinth

Modernes römisches Labyrinth

Gegenüber der Residenz an der Balthasar-Neumann-Promenade gibt es ein Griechisches Restaurant mit Namen Knossos, dem Minotauros und einem Mäanderband. Leider nicht (direkt) labyrinthgeeignet. 

Restaurant Knossos

Restaurant Knossos

An der Ecke Rottendorfer Straße/Friedrich-Ebert-Ring, gar nicht weit weg von der Residenz, ist ein renoviertes Haus mit einem Mäanderband unterhalb der Dachrinne, der um das ganze Haus herumgeht. Das Haus wurde 1840 im frühklassizistischem Stil gebaut, im 2. Weltkrieg zerstört, danach wieder aufgebaut und steht jetzt unter Denkmalschutz.

Friedrich-Ebert-Ring 1

Friedrich-Ebert-Ring 1

Und dieser Mäander ist “richtig”, weil labyrinthgeeignet. Jedes Element ergibt den Ariadnefaden für ein 3-gängiges Labyrinth. Und zwei davon ergeben das kretische 7-gängige Labyrinth. Und drei das 11-gängige, vier das 15-gängige, fünf das 19-gängige usw. Einmal linksdrehend, einmal rechtsdrehend. Das ganze Haus ist also gleichsam eingehüllt in ein riesiges Labyrinthnetz. Und nicht weit davon auf dem Rasen im Garten des Hauses St. Benedikt (inzwischen leider geschlossen) liegt das von Beatrice etwa 1990 angelegte 7-gängige kretische Labyrinth.

Das Mäanderband

Das Mäanderband

Auf dem Weg zur Residenz kommt man an den Hofkellereien vorbei, wo sich im Gang der Main mit seinen Weinbaugebieten als Mäanderband auf dem Boden windet. Der Main schlängelt sich bekanntlich mäandermäßig quer durch die Mitte Deutschlands (wie auch sonst noch viele Flüsse weltweit).

Hofkellereien

Hofkellereien

Mein Ziel ist die Antikensammlung des Martin von Wagner Museums der Universität Würzburg im 3. Stock des Südflügels der Residenz. Das sind die oben beleuchteten Fenster.

Südflügel der Residenz

Südflügel der Residenz

In der Antikensammlung sind Kunstwerke und Altertümer des Mittelmeerraumes aus der Zeit vom 3. Jahrtausend v. Chr. bis in die Spätantike zu sehen. Im Mittelpunkt stehen Zeugnisse aus Griechenland. Internationales Ansehen genießt die Sammlung griechischer Vasen.
Ich suche vor allem den Mäander, finde aber auf diesem Bruchstück eines Klazomenischen Sarkophages aus der Zeit um 500 v. Chr. neben dem Mäander auch ganz unerwartet “unser” Grundmuster für das Labyrinth. Für die Archäologen sind das alles nur Ornamente. Aber mich interessiert der Bezug zum Labyrinth. Und um diese Zeit muss wohl auch der Zusammenhang Mäander – Labyrinth erkannt worden sein.

Klazomenischer Sarkophag 500 v. Chr.

Klazomenischer Sarkophag 500 v. Chr.

Ein 3-gängiger, labyrinthgeeigneter Mäander in der oberen Reihe auf einer Kanne mit schwarzfigurigen Elementen aus der Zeit um 500 v. Chr. (L 461a, Sammlung Feoli). Der Mäander in der unteren Reihe ist nicht (direkt) labyrinthgeeignet.

Kanne 500 v. Chr.

Kanne 500 v. Chr.

Ein 3-gängiger, labyrinthgeeigneter Mäander findet sich auf dieser Etruskisch-Schwarzfigurigen Amphora um 470 v. Chr. (Inv. Nr. L799). Für die Archäologen fällt dieser Mäander unter den Begriff  “gebrochener Mäander”, es ist also keine Doppelspirale. Einfachere Mäanderformen sind die “Hakenmäander”.

Etruskisch-Schwarzfigurige Amphora um 470 v. Chr.

Etruskisch-Schwarzfigurige Amphora um 470 v. Chr.

In der Sonderausstellung im Kulturspeicher Würzburg “Zimmer, Küche, Bad” finde ich diesen prächtigen Mäander unter den Hot Pads von Joachim Koch, einem Würzburger Bildhauer, der in Kleinrinderfeld lebt und arbeitet.

Hot Pads (1998 - 2011)

Hot Pads (1998 - 2011)

Die weißen Linien in der Mitte ergeben einen 9-gängigen, labyrinthgeeigneten Mäander.

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Der “Heile Baum“ AB BY / ÉP FA (1)
© Zoltán Ludwig Kruse

Allgemeines

Einführend und auf die Erkundung der sprachlichen Realisierung der Wurzelidee ”Baum” einstimmend möchte ich zuerst einige allgemeine, wesentliche Gedanken zum Thema ”Baum” mitteilen. Des Baumes Werdung beginnt mit dem ”Samen-Kern”, der im Dunkeln des Erdbodens ruhend liegt. Die feucht-warme Kraft des Frühlings erweckt den ”Samen-Kern” und lässt ihn sprießen. Nun beginnt das Holzgewächs ”Baum” zu wachsen. Langsam und stetig entfaltet er sich und wächst empor zum Himmel, zugleich sich in den umliegenden ”Raum” durch Wurzelwerk, Stamm-Jahres-ringe, Geäst und grüner Laubkrone ”ausdehnend”. Seine Nahrung sind Sonnen- ”Licht”, Luft und Regen- ”Wasser”. Das ”Wasser”, Ursprung des Lebens, nimmt er, zusammen mit verschiedenen mineralischen Nährstoffen, durch seine in den Erdboden ”eingedrungenen” Wurzeln aus den unterirdischen ”Wasseradern”, dem Grundwasser auf. Durch die Wurzeln gelangt also belebendes ”Wasser” in den ”Baum” ”hinein”, das dann in ihm, als “Lebens-Saft“, ”herum-kehrt”. Seiner Immobilität zum Trotz ist der ”Baum” ein ausgesprochener Wandler, ein Transformator. In seinem grünen Blattwerk vollzieht sich die Photosynthese, jener Transformationsprozess der Bildung organischer Substanz aus Kohlendioxid und ”Wasser”, das sich unter der Beeinflussung von Sonnen- ”Licht” und Mitwirkung des Chlorophylls vollzieht. Tagsüber bewirkt starke Sonneneinstrahlung in den Laubkronen der Bäume eine entsprechend intensive Photosynthese-Aktivität, bei der die Aufnahme von Kohlendioxid mit der Abgabe von Sauerstoff das Verhältnis 1:1 aufweist. Von dieser täglichen, segensreichen Sauerstoffproduktion der Bäume profitiert die Tierwelt und die Menschheit. Bäume liefern in der Tat einen wesentlichen Beitrag zur Deckung des Sauerstoffbedarfs der tierischen Lebewesen. Was das Zeitalter der Erscheinung der ortsfesten Kreatur ”Baum” auf der Erde anbelangt, weiß man, dass er sich, aus Vorläufern im Zeitalter des Karbon und Perm entwickelnd, im Trias vor etwa 200 Millionen Jahren erschien und sich in weiten Gebieten der Erde verbreitete. Die Kulturgeschichte der Menschheit ist untrennbar mit dem Geschöpf ”Baum” verknüpft. Sie beginnt praktisch mit dem ”Baum”, in Verbindung mit ”Feuer”. Das unentbehrliche “Baum-Holz” diente den Urmenschen für die Herstellung von Werkzeugen, zum Bauen und zum Heizen. Die Früchte des Baumes waren seine Nahrung. Und daran hat sich bis heute nichts geändert. Das irdische Leben ohne “Baum-Holz“ ist kaum vorstellbar.

 

Korkeiche in Filitosa/Corsica

Korkeiche in Filitosa/Corsica, Foto © Zoltán Kruse

Über Bäume gibt es eine Flut von Bücher und neue werden sicher noch geschrieben. Auch sind die vom Namen ”Baum” abgeleiteten Begriffe zahlreich. Es gibt darunter auch einige wenige, bei denen die Bedeutung ”Baum” im übertragenen Sinn zur Anwendung gelangt, beispielsweise die Zeitworte “baumeln“, “bäumen“, “sich aufbäumen“ oder auch “boomen”. Den “Boom“ kennt man als jenen heiß-ersehnten ”(plötzlichen) wirtschaftlichen Aufschwung”, der die Neuzeit kennzeichnet.

Dass ”Wasser” ”Ursprung des Lebens” sei trifft nicht nur in Bezug auf Planzen und ”Bäume” zu; es gilt ebenso für Säugetiere und Menschen. Des Lebens ”Wasser”-Ursprung befindet sich in der Schoß-Mitte der Körper, in den Geschlechtsorganen lokalisiert. Aus ihnen quillt ”bauschend” das ”Wasser” hervor. Und ”innen” in dieser allerheiligsten, feuchten ”Becken”-zone der ”Lebens-Säfte” ereignet sich Mehrung, ”Fortpflanzung, Reproduktion”. Durch die Flut der aus dem antiken Europa der Große-Mutter-Kultur stammenden, auf Kultobjekten befindlichen Darstellungen, in deren Mittelpunkt die Geschlechtsorgane als ”Ursprung des Lebens” stehen, erhält die Heiligkeit der Lebenswerdung einen klaren Ausdruck. Diese Darstellungen fungieren faktisch als Schriftzeichen im weiten Sinne und sind folglich Wiedergabe entsprechender laut-malender Namen. Die Namen der Geschlechtsorgane und des heiligen Paarungsaktes, die in neueren Zeiten leider eine Entwertung erlitten haben und daher ihre Nennung oft als vulgär, obszön und genant empfunden werden, wurden damals als höchstheilige eingestimmte, wahre Worte von den Ahnen ausgesprochen. Ihr aller Ursprung sind die ineinander-greifenden Wurzelideen von ”Hinein” – ”Baum” – ”Wasser” und bilden an sich nichts anderes, als ihre lautlich-inhaltliche, differenzierende Variationen und also Entwicklungen.

Das Labyrinth hat in vielen Schulen Eingang gefunden.
In den Fächern: Geschichte, Deutsch, bildnerische Erziehung, Religion u.a.

Ilse M. Seifried aus Wien ist die Erste, die das Labyrinth im Zusammenhang mit Sprachheilpädagogik bringt.

Dazu einige Fotos vom Unterricht:

Den Ariadnefaden zeichnen

Den Ariadnefaden zeichnen

Die Kugel durch das Labyrinth rollen lassen

Die Kugel durch das Labyrinth rollen lassen

Mehr dazu in einer Kurzfassung ihres Artikels “Das Labyrinth im sprachheilpädagogischen Unterricht” als PDF-Datei zum anschauen, kopieren oder drucken.

Über Rückmeldungen und Vernetzungen würde sich die Autorin sehr freuen. Gehen Sie dazu auf ihre Website das-labyrinth.at.
Die Fotos mit freundlicher Genehmigung der Autorin.

von Giancarlo Pavat

Alatri ist eine kleine Stadt in Mittelitalien in der Provinz Frosinone, in der Region Latium, südlich von Rom.
Alatri rühmt sich römischer und mittelalterlicher Denkmäler, darunter sind auch viele schöne Kirchen und Paläste aus dem 11. bis 13. Jahrhundert. Die Kirche des Hl. Franziskus von Assisi stammt aus dem 13. Jahrhundert und zusammen mit dem angrenzenden Kloster öffnet sie sich auf die Piazza Königin Margherita von Savoyen. Die Kirche wird heute als Halle für Ausstellungen und kulturelle Veranstaltungen genutzt.

Bei Restaurierungsarbeiten im Jahr 1996 wurde ein Verbindungsgang unter der Kirche entdeckt, mit einer Reihe von Fresken an den Wänden, darunter Spiralen, Kreise, Pflanzen, Blumen und einer einzigartigen Darstellung “Christus Pantokrator” in der Mitte eines großen Labyrinths. Das Fresko befindet sich am oberen Teil einer Wand.
Zur Zeit ist fast gar nichts über den Ursprung dieses Kunstwerkes bekannt, ja, es war völlig unbekannt bis zur eher zufälligen Entdeckung im Jahre 1996. Die Darstellung eines Bildes mit Christus in der Mitte eines Labyrinths war bisher nicht bekannt, allerdings entspricht die Wegführung des Alatri Fresko Labyrinths im Wesentlichen dem Bodenlabyrinth in der Kathedrale von Chartres in Frankreich.

Fotos mit freundlicher Genehmigung von Giancarlo Pavat
Alle Fotos © Giancarlo Pavat

Der Durchmesser des ganzen Labyrinths beträgt etwa 140 cm, während die Mitte 55 cm hat. Im Zentrum des Labyrinths dargestellt ist ein bärtiger Christus, dessen Kopf von einem Heiligenschein mit eingeschriebenem Kreuz umgeben ist und der einen dunklen Rock mit einem goldenen Umhang trägt. In seiner linken Hand, an der er einen Ring trägt, hält er ein mit zwei Schnallen verschlossenes Buch, das mit einem Herz verziert ist. Die rechte Hand ist in einer Segensgebärde zum letzten Stück des Weges ausgestreckt, wo es ins Zentrum mündet.

Die Wand mit dem Fresko “Christus im Labyrinth” zeigt nach Süden, so dass der Eingang zum Labyrinth westlich liegt (links im Fresko) und die Mitte des Labyrinths im Osten. Daher ist das Labyrinth orientiert wie die überwiegende Mehrheit der Labyrinth in christlichen Kirchen: Sie beginnen von wo aus die Sonne untergeht und führen weiter in der Richtung, in die sie steigt, dem Licht entgegen.

Nach Professorin Graziella Frezza vom Ministerium für Kulturgüter der Italienischen Republik, können die Fresken von Alatri auf das 11. bis 14. Jahrhundert datiert werden, und, derzeit sind wahrscheinlich die Tempelritter die Urheber oder Auftraggeber des Freskos “Christus im Labyrinth”.

Gegenwärtig sind die Fresken von Alatri in einem schlechtem Zustand, aber wegen ihrer Bedeutung hat die italienische Regierung Gelder für ihre Restaurierung bewilligt.

Quelle: Caerdroia 40 (2010), herausgegeben von Jeff Saward

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