Auf Mäandersuche in Würzburg und Umgebung
1. April 2012 von Erwin
Auf den Mäander wurde ich aufmerksam bei meinen Nachforschungen zum römischen Labyrinth, das im Schwanberglabyrinth steckt.
Sogar auf dem Betonsockel für die neue Mitte des Schwanberglabyrinths schlängelt sich ein Mäander, aber der mit den Flussschlingen, von dem sich der Name ableitet.
Die nächste Begegnung hatte ich im Klosterladen Münsterschwarzach. Da sah ich ein römisches Labyrinth in moderner Form, aber mit dem Mäander drin. Es stammt aus der Abtei Königsmünster der Benediktiner in Meschede.
Gegenüber der Residenz an der Balthasar-Neumann-Promenade gibt es ein Griechisches Restaurant mit Namen Knossos, dem Minotauros und einem Mäanderband. Leider nicht (direkt) labyrinthgeeignet.
An der Ecke Rottendorfer Straße/Friedrich-Ebert-Ring, gar nicht weit weg von der Residenz, ist ein renoviertes Haus mit einem Mäanderband unterhalb der Dachrinne, der um das ganze Haus herumgeht. Das Haus wurde 1840 im frühklassizistischem Stil gebaut, im 2. Weltkrieg zerstört, danach wieder aufgebaut und steht jetzt unter Denkmalschutz.
Und dieser Mäander ist “richtig”, weil labyrinthgeeignet. Jedes Element ergibt den Ariadnefaden für ein 3-gängiges Labyrinth. Und zwei davon ergeben das kretische 7-gängige Labyrinth. Und drei das 11-gängige, vier das 15-gängige, fünf das 19-gängige usw. Einmal linksdrehend, einmal rechtsdrehend. Das ganze Haus ist also gleichsam eingehüllt in ein riesiges Labyrinthnetz. Und nicht weit davon auf dem Rasen im Garten des Hauses St. Benedikt (inzwischen leider geschlossen) liegt das von Beatrice etwa 1990 angelegte 7-gängige kretische Labyrinth.
Auf dem Weg zur Residenz kommt man an den Hofkellereien vorbei, wo sich im Gang der Main mit seinen Weinbaugebieten als Mäanderband auf dem Boden windet. Der Main schlängelt sich bekanntlich mäandermäßig quer durch die Mitte Deutschlands (wie auch sonst noch viele Flüsse weltweit).
Mein Ziel ist die Antikensammlung des Martin von Wagner Museums der Universität Würzburg im 3. Stock des Südflügels der Residenz. Das sind die oben beleuchteten Fenster.
In der Antikensammlung sind Kunstwerke und Altertümer des Mittelmeerraumes aus der Zeit vom 3. Jahrtausend v. Chr. bis in die Spätantike zu sehen. Im Mittelpunkt stehen Zeugnisse aus Griechenland. Internationales Ansehen genießt die Sammlung griechischer Vasen.
Ich suche vor allem den Mäander, finde aber auf diesem Bruchstück eines Klazomenischen Sarkophages aus der Zeit um 500 v. Chr. neben dem Mäander auch ganz unerwartet “unser” Grundmuster für das Labyrinth. Für die Archäologen sind das alles nur Ornamente. Aber mich interessiert der Bezug zum Labyrinth. Und um diese Zeit muss wohl auch der Zusammenhang Mäander – Labyrinth erkannt worden sein.
Ein 3-gängiger, labyrinthgeeigneter Mäander in der oberen Reihe auf einer Kanne mit schwarzfigurigen Elementen aus der Zeit um 500 v. Chr. (L 461a, Sammlung Feoli). Der Mäander in der unteren Reihe ist nicht (direkt) labyrinthgeeignet.
Ein 3-gängiger, labyrinthgeeigneter Mäander findet sich auf dieser Etruskisch-Schwarzfigurigen Amphora um 470 v. Chr. (Inv. Nr. L799). Für die Archäologen fällt dieser Mäander unter den Begriff “gebrochener Mäander”, es ist also keine Doppelspirale. Einfachere Mäanderformen sind die “Hakenmäander”.
In der Sonderausstellung im Kulturspeicher Würzburg “Zimmer, Küche, Bad” finde ich diesen prächtigen Mäander unter den Hot Pads von Joachim Koch, einem Würzburger Bildhauer, der in Kleinrinderfeld lebt und arbeitet.
Die weißen Linien in der Mitte ergeben einen 9-gängigen, labyrinthgeeigneten Mäander.
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