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Vorbereitung

Nach langer Vorbereitungszeit, die von der Suche nach experimentierfreudigen blinden Menschen, einem Durchführungsort und dem richtigen Material für einen Handlauf geprägt war, fand im April 2009 das Pilotprojekt im Bundes-Blindenerziehungsinstitut Wien statt.

Der Labyrinthaufbau fand am Vortag mit Hilfe von Herrn Manfred Lima (Gärtner der Schule), den Co-Leiterinnen Eveline Weiss und Erika Schafellner sowie des Schülers Patrik statt.

Das Labyrinth

Das Labyrinth

Es wurde nicht die Labyrinthstruktur, sondern der Weg (Ariadnefaden) eckig gesteckt.
Als beste Aufbauvariante stellte sich heraus, von innen heraus die Stöcke zu setzen und die Schnur zu spannen – was ca. 30 Minuten benötigt.

Der Ariadnefaden

Der Ariadnefaden

Labyrinthgröße
ca. 16 m x 16 m

Material
38 Kunststoffpfähle der Firma Kerbl
Handlauf: 1,5 Wollpackungen à 155 m – Wolle mit weichen Pompons der Firma Regia Nr 9801.0266 (siehe auch www.coatsgmbh.de )

Als Co-Leitung trugen Frau Mag. Eveline Weiss (Wien) und Erika Schafellner (Salzburg) zum Gelingen bei.

Eveline mit Teilnehmerin

Eveline mit Teilnehmerin

Ermöglicht wurde dieses Pilotprojekt erst durch die großzügige Unterstützung der Firma Kerbl, die die Weidenstecken kostenlos zur Verfügung stellte.

Projektablauf

  1. Begrüßung und Vorstellungsrunde
  2. Vermittlung des geplanten Ablaufs und der Zeitstruktur von 3 Stunden
  3. Einführung ins Thema
  4. Einführung in die Labyrinthbegehung
  5. Labyrinth-Erfahrungen (Holz, Stoff, Wiese) u. Erfahrungsaustausch in Kleingruppe
  6. Erfahrungsaustausch, Analyse u. Resümee in der Großgruppe
  7. TeilnehmerInnen erhalten Skript
  8. Dank und Verabschiedung

Schlussrunde

Schlussrunde

Zusammenfassung

  1. Für Sehende dem Ariadnefaden mit geschlossenen Augen zu folgen, ist eine sehr bereichernde Erfahrung.
  2. Für Blinde dem Ariadnefaden zu folgen, wurde von allen als eine sehr positive Geh-Erfahrung erlebt.
  • Die Befindlichkeit danch der Begehung wurde von allen als sehr angenehm beschrieben.
  • Die Erfahrungen am Ariadnefaden wurden als komplett neu, schön, faszinierend, super und heiter sowie nachdenklich, Ruhe ausstrahlend benannt.
  • Unangenehm war so gut wie nichts, denn auch die Überraschungen bzw. Stöcke waren positiv, da keine Verletzungsgefahr gegeben war.
  • Nichts wurde angstvoll sondern alles angstfrei und als etwas sehr Vertrautes erlebt (speziell genannt im Vergleich zum Gehen sonst im Alltag). Ohne Begleitung und im eigenen Tempo gehen zu können, war besonders erwähnenswert.

Zitate:

  • Das eckige Labyrinth draußen war für mich ausgesprochen entspannend und fast so wie schwebend.
    Bild 1
  • Mir hat auch das draußen am besten gefallen und zwar deshalb, weil es spannend war …. Und man hat wirklich eine Reise gemacht – also für mich war das eine Reise durch meine Gedankenwelt. Es war einfach sehr schön, das zu durchschreiten. Und zurückzukommen. Also das war eine tolle Erfahrung.
    Bild 2
  • Ja, mir hat das draußen auch am besten gefallen. Aber des war nicht schwer, weil ich hab gewusst, es kann nichts passieren, es ist der Faden, der mich führt. Ich war in total anderen Gedanken, hab mich nicht konzentrieren müssen. Das war ganz beruhigend.
    Bild 3
  • Ich wollte nicht, dass es aufhört. Es war mir ganz egal, wie lange es noch dauert, ich hab mir nur gewünscht, es sollte einfach weitergehen.
    Bild 4
  • Man muss vielleicht auch allgemein sagen, es gibt ja Blindenerholungsheime, wo es solche Wege gibt, wo man einen Pfad entlang gleitet und erst das ermöglicht das entspannte Gehen. Das haben wir ja ganz ganz selten. Denn wenn ich alleine spazieren gehe, muss ich mich ja immer konzentrieren. Und durch die Führungshilfe kann ich ganz entspannt gehen. Außer ich hab eine Begleitung oder einen Hund. Aber das ist eine der wenigen Formen, wo man auch entspannt gehen kann. Also, ich hab mir das so vorgestellt – also, ich hab keinen Garten – so etwas könnte man sich eigentlich aufstellen irgendwo und jeden Tag dann einmal durchgehen oder zweimal. Ich habe auch während des Gehens an den Maler Mone gedacht, der im Garten die Seerose… und der hat über 100 mal diese Seerose gemalt. Mit einer ein bisschen veränderten Sicht oder wie es so halt mit der veränderten Sonne ist. So ein Meditationsobjekt könnte auch so ein Labyrinth sein. Weil es braucht eigentlich nicht allzu viel Platz.
    Bild 5
  • Also ich hab es draußen auch sehr entspannt gefunden, weil man wirklich so frei und locker gehen kann. Es war recht lustig manchmal. Wenn man angestanden ist an einem Faden und um die Ecken gehen hat müssen. Und da herinnen, muss ich sagen, das Holz war nicht schwierig für mich, weil man hat wirklich in der Führung bleiben können. Und ich glaub, ich hätt mir mit dem Stock ein bisschen leichter getan, wenn ich mir das Holz vorher gemacht hätte. Weil ich hab ja nicht gewusst, wie das zusammenhängt, wie das ausschaut von oben bis unten. Bei dem Holz hat man das genau im Ganzen angreifen können wie die Umdrehung ist.
    Bild 6

Ausblick und Nachhaltigkeit

Aufgrund der Zustimmung durch SchülerInnen und LehrerInnen der Schule ist angedacht, ein permanentes Labyrinth aufzustellen.
Herr Dr Mag. Schmid plant bereits für Juli 2009 bei einem Blindensymposium einen Labyrinth-Workshop anzubieten.
Das Material ist in der Schule gelagert und steht jederzeit allen weiteren Labyrinthprojekten für Blinde zu Verfügung.

Ich danke dem Sponsor, der Firma Kerbl, die dieses Pilotprojekt ermöglicht hat.

Ilse M Seifried
www.das-labyrinth.at

Alle Fotos © Eveline Weiss