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Ilse M. Seifried hat mir freundlicherweise den Text ihrer Festrede für diesen Blog zur Verfügung gestellt. Ich danke ihr herzlich dafür und möchte ihn mit allen Leserinnen und Lesern teilen:

 

Ilse M. Seifried

Ilse M. Seifried

Quantensprung

Quantensprung

Ich begrüße Sie alle sehr herzlich!  

 

Mit dem Labyrinth das Leben feiern“  ist das Motto des Kongresses.

 

 

*

Mit dem Labyrinth das Leben feiern. Viele tun es. Jahreszeitenfeste, Geburts- und Geburtstagsfeste, katholisch Feste wie Taufen und Hochzeiten –  ja und noch vieles mehr kann gefeiert werden, Gedenktage, ein Wiedersehen, ein Abschied, Aufbrüche, Umbrüche …..

Ein Fest[1] – ich zitiere aus Wikipedia ist ein besonderer Tag, ein gesellschaftliches Ritual oder ein Ereignis, zu dem sich Menschen treffen und gesellig sind.
Ein Synonym ist Feier. Beide Begriff wurzeln sowohl im Lateinischen “ Ferie“ –
das bedeutet: „die für religiöse Handlungen bestimmten Tage“
und auch in „fanum“ –
das bedeutet: „jeder einer Gottheit geweihte Ort“

Während des Festes ruhen profane Tätigkeiten. Feste und Feiern gliedern die Zeit in Zyklen, Perioden und Rhythmen.
  
Feste wie Rituale wirken gemeinschafts-stiftend und gemeinschafts-erhaltend. Sie können wild und anarchisch sein oder sich an strenge Regeln halten.

Feste haben einen repräsentativen, bzw. demonstrativen Aspekt, der sie nach außen hin erkennbar macht. Sie können auch als Pilgerin u Pilger oder Tourist u Touristin aufgesucht werden und es ist möglich, sich daran zu beteiligen.

Mit dem Labyrinth das Leben feiern“  - Das Leben feiern mit diesen weltpolitischen Spannungen? Der Wirtschaftskrise? Den Naturkatastrophen? Wer will das feiern? Soll und kann auch diese Seite gefeiert werden?

Die Antwort liegt auf der Hand: Das Leben inkludiert alles: Das Angenehme und Unangenehme, das Erfreuliche und Unerfreuliche, das Lustige und Traurige, den Himmel und die Unterwelt.

In diesem Zusammenhang möchte ich von einem Schamanen[2] erzählen, der sagte: Beten ist ein spiritueller Zustand, nicht etwas, das wir „tun“ sondern etwas, was wir „sind“.  Ich bete nicht um Regen – ich bete Regen! Wenn jemand um etwas betet, befindet sich sein Geist in einer mentalen Haltung des Mangels oder der Bedürftigkeit – indem wir das, worum wir beten, emotional als bereits geschehen erfahren, transformiert sich etwas.

Zurück zum Feiern. Feiern können wir überall: Im Haus, im Garten, auf der Straße, im Labyrinth …..

Ur-Labyrinth

Ur-Labyrinth

Birgt das Labyrinth besondere Feierqualitäten in sich? Wenn ja: Welche Feier-Qualität birgt das Labyrinth in sich?

 **
Nun kommt ein labyrinthisches Element ins Spiel: Wir wenden uns. Wenden uns von der Frage: Was machen wir mit dem Labyrinth? (Wir feiern das Leben mit dem Labyrinth.) der Spiegel-Frage zu: Was macht das Labyrinth mit uns?

Wozu brauche ich das Labyrinth? Wofür schätze ich das Labyrinth? Was ermöglicht mir das Labyrinth? Warum bedeutet es mir nichts? Warum liebe ich das Labyrinth?

Ich lasse all diese Fragen jetzt stehen und mache einen Umweg …

1999 stellte ich meine Labyrinth-Ausstellung[3] unter das Motto: „Die Kunst zu wandeln – sich wandeln zu lassen“

Als ich jetzt, 11 Jahre danach, den Titel überprüfte, stellte ich fest: Es hat sich für mich seither nichts verändert. Das Motto begleitet mich bis heute und ist aktuell wie eh und je.

Mit „wandeln“ verbunden ist ein Bewusstseinsprozess.

Bewusstsein entwickeln im Labyrinth – bewusst Sein entwickeln im Labyrinth.

Ich nehme wahr: mein Tempo, meinen Geh-Rhythmus, meine Emotionen, meine Gedanken, meinen Atem, meine Füße, mein Sein –  schwimme im Lebens-Strom – getragen ströme ich mit – in diesem Zusammenhang zählt nicht der Wille.

… diese Formulierung führt mich zur Lyrikerin Rose Ausländer[4] und ihrem Gedicht

Nimmt Dich in acht
 
Du bist der Gefangened
einer Gedanken
Die Welt in dir
kennt keine Grenzen
Deine Füße sind wund
vom Suchen der richtigen
Richtung
Nimm dich in acht
vor dem Willen
der dich zu einem
Spielzeug macht
das ein Kind zerbricht

Das Labyrinth lässt mich wandeln – verwandelt mich, weil es eine unerwartete unplanbare Erfahrung schenkt.

Viele, die das Labyrinth zum ersten Mal sehen, assoziieren damit eine Gebärmutter bzw. ein Gehirn. Viele, die das Labyrinth begehen, erleben Parallelen ihres Lebensweges und dem Labyrinthweg.

Es stellen sich in diesem Zusammenhang 3 Lebens-Grundfragen:

1. Habe ich ein Ziel vor Augen?
2. Habe ich Entscheidungsmöglichkeiten?
3. Hab ich Angst vor dem Verirren?

Jede und jeder wird für sich die Fragen gleich / unterschiedlich / ähnlich beantworten.
Unter Umständen fallen die Antworten vor und nach einer Labyrinth-Begehung anders aus? Das Labyrinth hat Spiegel- und damit auch Erkenntnis-Potential.

Eine Australische Weisheit lautet:„Die langweiligste Verbindung zwischen zwei Punkten ist eine Gerade.“

 

Manche mögen Irrgärten lieber als Labyrinthe. Manche mögen Labyrinthe lieber als Irrgärten. Habe ich Entscheidungsmöglichkeiten? Und wo führen diese mich hin? Wohin werde ich ohne Entscheidungsmöglichkeit geführt?

Das Labyrinth ist ein geradezu idealer Ort, denn es bietet eine klare Struktur ohne Weggabelungen, einen Weg, der eine so große Sicherheit gibt, dass es möglich ist, dabei innere Irrwege zu gehen und sich so bisherige Denkweisen offenbaren können.
Es gilt aber auch: Wer kein Ziel hat, kann sich nicht verirren.

In einem Irrgarten ist es möglich, nicht das Gefühl des Verirrt-Seins zu haben. Denn auch wenn Sie nicht immer wissen, wo Sie sich befinden, müssen Sie sich nicht gleich als verirrt bezeichnen. Wer genau da sein will bzw. gerne da ist, wo sie/er ist, ist nicht verirrt. Denn es gibt an unbekannten Orten immer viel zu staunen und zu entdecken.

Rebecca Solnit[5] drückt das folgendermaßen aus: „Verirrt sein heißt, ganz präsent sein, und ganz präsent sein heißt Ungewissheit und Rätsel aushalten können. Man verirrt sich nicht, man verliert sich, und das impliziert eine bewusste Wahl, eine freiwillige Kapitulation, einen durch Geografie erreichbaren Geisteszustand.“

Verirren scheint auf einem Zerwürfnis zwischen der äußeren Welt und ihrer Repräsentation im menschlichen Gehirn zu beruhen.

WissenschafterInnen gehen davon aus, das 95% unserer Entscheidungen[6], Handlungen, Emotionen und Verhaltensweisen aus dem unbeobachteten Wirken des Unbewussten stammen.
Daraus folgt: Unser Leben wird nicht durch unsere bewussten Wünsche und Absichten bestimmt. Frühkindliche Erfahrungen, unbewusste sogenannte Programmierungen manifestieren sich automatisch als „die Wirklichkeit“, die unser Leben prägt.

Irrationales Verhalten ist weder zufällig noch ohne Sinn – sondern systematisch und vorhersagbar! Weil unser Gehirn in gewisser Weise vorgepolt ist, machen wir immer wieder und wieder dieselben Fehler. 

So wie wir uns durch eine optische Täuschung in die Irre führen lassen, fallen wir auf die „Entscheidungsillusion“ herein, die uns unser Geist vorspiegelt!
Wir sind ihr aber nicht hilflos ausgeliefert! Wenn wir begreifen, wann und wo wir falsche Entscheidungen treffen, können wir versuchen, wachsamer zu sein, uns motivieren, Entscheidungen zu überdenken und bestimmte Techniken anwenden, um Unbewusstes bewusst zu machen!

Was programmiert wurde, kann auch gelöscht werden! Das geschieht aber nicht durch vernünftiges Zureden sondern spezielle Therapien und Techniken.

Das menschliche Gehirn folgt seinen eigenen eingefahrenen Strukturen. Daher hilft es, wenn wir bewusst aus dieser Bahn steigen.
Oder durch ein Labyrinth zu gehen.

 Untersuchungen belegen:

* Das Stirnrunzeln löst die Ausschüttung von Stresshormone aus.
* Jene, die im Glauben an eine liebevolle universelle Macht leben, bleiben gesünder als jene, die an eine strafenden Gott glauben.
* Lächeln mindert die Ausschüttung von Stresshormonen.

Eine indianische Geschichte erzählt von einem Gespräch zwischen der Großmutter und ihrer Enkelin:

Die Großmutter spricht: „In mir gibt es zwei Wölfinnen, die einander bekämpfen.
Die eine ist die Wölfin der Liebe und des Friedens. Die andere ist die Wölfin des Ärgers, der Wut und des Krieges.“
„Und welche von beiden gewinnt?“, fragte die Enkelin.
Die Großmutter antwortet: „Die, die ich füttere.“

Es gibt viele Möglichkeiten, die Wölfin des Friedens zu füttern ..

Das Labyrinth ist eine davon …..

Wenn wir uns durch das Labyrinth bewegen, werden wir Teil des Labyrinths.

Gibt es Parallelen zwischen Labyrinth und Gehirn? Und wenn ja, welche?
Noch stehen neurowissenschaftliche Forschungsergebnisse aus.

Erfahrungsberichte zeigen, dass Labyrinth-Begehungen:

* Verschollenes und Vergrabenes wieder erinnerbar machen
* zu einer Problemlösung führen
* innerlich Erstarrtes wieder in Fluss kommt – manchmal auch in Form eines Tränenflusses
* ins eigene innere Lebens-Zentrum führen

***
 

In poetischen Worten[7] kann eine Labyrintherfahrung so klingen

Labyrinth

aus dir
schöpfend
gieße ich
mich
ins Angstmeer
siebe mich
in den Strom
des Zweifels
durchwandere
Wüsten
des Getrenntseins
Lichtwelt
Labyrinth
aus dir
schöpfe ich
grundlos
Vertrauen

Ariadnefaden

Ariadnefaden

Es kann auch so klingen:

Ariadne!
Wo ist
dein Faden?
halt-
und orientierungslos
stehe ich
hier
ein paar Schritte
nach vorn
zurück?
Wo ist die richtige,
die falsche
Richtung?

 

Alles Wissen
ist verschwunden
im Abgrund
der Dunkelheit
meinem Rufen
folgt kein
Echo.
Nichts
hallt
zurück.

Ariadne!
Wo ist
dein Faden?
Blind
steh ich da
hilflos
verloren
muss ich
verdursten
verhungern

in deiner
Weltenhöhle?
ich kann
ich will
es nicht
glauben
bin kein
Münchhausen
kann mich nicht
selbst am Zopf
herausziehen

Ariadne!
Wo ist
dein Faden?
klagen
drohen
bitten
aufgeben
resigniert
Ariadne
ist tot
lautlos
verstorben
verwelkt
in der Raumzeit
verwest
im Zeitenraum.

Mit
einem Stück
Faden
in der Hand
stimmt keine
die Totenklage an
der Faden
wird
ist
Symbol
das einer
alten Welt
angehört
Ariadne
ist
tot
wie alle Götter
tot

Was lebt
sind
unsere Wünsche
sind
unsere Ängste
sind
wir
und wir
erschaffen uns
unsere eigene Welt
hinter der
viele Welten
existieren
unsichtbar
verborgen.
Lebt dort
hinter
sieben Schleiern
Ariadne?
Wir wissen
es nicht
darum
machen wir
uns auf
und gehen
durchs
Labyrinth

 

Welche Labyrinth-Erfahrungen haben Sie gemacht?

Ich biete Ihnen nun ein Handlungsangebot an:
#  Schreiben Sie ein Wort oder einen Satz auf den Zettel, den Sie auf Ihrem Sitz vorfanden.

Sollten Sie noch nie in einem Labyrinth gewesen sein, schreiben Sie auf, wie Sie sich eine solche Erfahrung vorstellen!

…..

# Ich mache Ihnen nun ein 2. Handlungsangebot:
Geben Sie nun diesen Ihren Erfahrungs-Zettel der Person, die zu ihrer Linken sitzt. Wenn Sie am Ende einer Reihe sitzen, so reichen Sie den Zettel an die hintere Person weiter.

# Lesen Sie, was darauf steht.

# Somit haben Sie etwas gegeben und Sie haben etwas erhalten. Die Dualität vereint sich in der Erfahrung.
Vielleicht wollen Sie ja später miteinander ins Gespräch kommen? ……

****

Das Labyrinth ist nicht nur eine konkrete Struktur, das Labyrinth ist auch mit dem griech. Mythos „Theseus und Ariadne“ aufs engste verbunden.

Der Mythos und das Wesen dieser kretischen Göttin Ariadne sind sehr widersprüchlich überliefert worden. Politische Veränderungen im alten Griechenland spiegelten sich auch im religiösen Wandel. In ihrer ursprünglichen minoischen Form war Ariadne, “Die sehr Heilige”, offensichtlich eine Göttin, die ausschließlich von Frauen verehrt wurde, eine Göttin der Unterwelt und der Fruchtbarkeit, zugleich eine Vegetationsgöttin, ähnlich der griechischen Persephone.

Als die Griechen kamen, degradierten sie die frühere Göttin zur sterblichen Heldin der Erzählung.
Um 100 n.u.Z. zeigt Plutarch in seiner Zusammenfassung all die widersprüchlichen Berichte und Interpretationen zur Geschichte Theseus und Ariadne auf, die von Ovid, Vergil, Diodorus, Plutarch, Homer u. a. stammen.
Aus dem Labyrinth war ein Irrgarten geworden.
Patriarchale Werte und Weltanschauung, innen- wie außenpolitische Interessen gewannen an Macht. Dem Matriarchat war das Patriarchat gefolgt. Diese Veränderungen kommen im Mythos klar zum Ausdruck.

Das Wort labyrinthos ist ein vorgriechisches und kein kretisches Wort.
inthos weist auf eine Ortsbezeichnung hin
labrys ist ein klein-asiatisches Wort und wurde oft mit Doppelaxt übersetzt. Gesichert ist, dass dieses Wort auf Kreta nicht für die Doppelaxt (die wohl die ab- und zunehmenden Mondsicheln darstellte) verwendet worden ist. Was es ursprünglich bedeutete, wissen wir noch nicht.

Da es keinen Nachweis gibt, dass der Ursprung des Labyrinths in Kreta liegt, ist es nicht korrekt, vom kretischen Labyrinth zu sprechen. Besser scheint mir, es Ursprungs-Labyrinth bzw. Ur-Labyrinth zu nennen.

Im Laufe der Jahrhunderte erfuhren sowohl die Gestalt als auch die Nutzung des Labyrinths große Veränderungen.

Heute stellt das Labyrinth für viele die Symbolik einer fortschreitenden Entwicklung auf dem geistigen Weg dar, bei dem das Thema „Vertrauen“ in das Leben / in eine Schöpfungskraft / in sich selbst  ….. einen wesentlichen  Aspekt  darstellt.

Dazu möchte ich die Tibet-Reisende Alexandra David –Neel zitieren, die in einem ihrer Bücher schrieb:
Was nun Gott betrifft … es kommt nicht einmal darauf an, ob er existiert oder nicht existiert. Was zählt, sind die Gefühle, die der Guru oder der Gott / die Göttin in uns erwecken. Beide fungieren als Stimulans und setzen in uns schlummernde Energien frei.
Der Gehorsam ist der Tod. Jeder Moment, in dem der Mensch sich einem fremden Willen unterwirft, ist ein Moment, der von einem Leben abgeschnitten wird.

Wer, wann, wo, wie, woher und warum das Labyrinth entwickelte oder entdeckte – wir wissen es nicht wirklich. Es gibt viele Theorien und Hypothesen aber keine wissenschaftlich Beweise für die eine oder andere.

* Ist das Labyrinth aus einem Tanz entstanden ….?
* War es nur ein Symbol war, das nicht betanzt wurde…..?
* Entstand es an einem Ort und breitete sich von dort aus oder entstand es unabhängig an mehreren verschiedenen Orten ….?

Auf all diese und andere Fragen kennen wir die Antwort nicht. Doch all die fehlenden Antworten gibt es – sie liegen noch unbemerkt im Dunkel.

 

Licht kann ich in dieses Dunkel nicht bringen. Doch drei Lichter möchte ich entzünden  – denn die 5. Labyrinth- Tagung ist dem Feiern gewidmet, dem Fest. 

KerzeDiese 1. Kerze zünde ich an in Gedenken und mit Dank an jene Personen oder jene Person, die das Labyrinth erstmals tanzte / zeichnete / entwickelte / entdeckte / mit-teilte / in die Welt brachte !

KerzeDiese 2. Kerze zünde ich an in Gedenken und mit Dank an jene, die ihr Labyrinth-Wissen und ihre Labyrinth-Kenntnisse weiter-entwickelten und weitergaben bzw. weiterentwickeln und weitergeben.

KerzeDiese 3. Kerze zünde ich dem Labyrinth an – mit  Dank und Wertschätzung für all das, was es uns erfahren lässt.

 

*****

Das Labyrinth schenkt Ihnen Erfahrungen.
Lassen sich diese – und wenn ja wie – als Wirkkraft des Labyrinths zusammenfassen? Kann die Wirkkraft des Labyrinths definiert werden?

Wenn Sie mitmachen wollen, die Wirkkraft des Labyrinths zu erforschen, so sind Sie herzlich eingeladen, einen Fragebogen auszufüllen.

Eveline Weiss, Bettina Füxl und ich entwickelten diesen gemeinsam im letzten Sommer.
Der neue Fragebogen soll für Frauen und Männer gleiche Voraussetzungen schaffen und nach 10 Jahren neue und aktuelle Auskünfte geben.

Die Fragebögen liegen am Saalausgang auf. Die Fragen beziehen sich auf die Befindlichkeit vor und nach einer Labyrinth-Begehung.
Geben Sie Ihren ausgefüllten Fragebogen entweder im Tagungsbüro ab oder schicken ihn per Post – die Adresse finden Sie auf der angegebenen Website.

Im Jahr 2000 nahmen an einer Befragung insgesamt 155 Personen (99 Frauen und 56 Männer) teil. Das Ergebnis war:

73% der Männer und 96% der Frauen erlebten die Labyrinthbegehung positiv.
Frauen lassen sich mehr und intensiver auf eine Labyrintherfahrung ein, was sich am Tempo, dem Verweilen, der Neugierde und dem Erleben zeigt. Sie können diese Erfahrung positiv und stärker als Männer für sich nützen (Entspannung, Ausgeglichenheit, Problemlösungen finden, spirituelles Erleben).
Unangenehme Erfahrungen (Desorientierung, Irritation,..) werden im Labyrinth gemacht, dennoch wird es unterm Strich positiv erlebt.

Meine ganz persönliche Sichtweise zu diesem Thema:
Die Labyrinth-Struktur ist symmetrisch und doch nicht in einem absoluten Gleichgewicht. Davon geht ein lebendiger Impuls aus.
Das Labyrinth ist offen für alle Menschen: Männer – Frauen – Intersexuelle.
Das Labyrinth ist ein Erfahrungsangebot ohne hierarchische Ebenen.

Struktur

Struktur

 

Für mich ist das Labyrinth eine Struktur, die aus zwei Fäden besteht.
Diese Dualität vereinigt sich zu einem harmonischen Ganzen.

 

******

Und nun komme ich zu meiner letzten Gedanken-Wendung, die ins Themen-Zentrum führt bzw. zum Ausgangspunkt zurück:

Im April, also vor 4 Monaten, fand das 17. Wiener Labyrinthtreffen (das 2x jährlich stattfindet) statt. Wir legten gemeinsam ein Ur-Labyrinth.

Unser Experiment war, mit dem Thema: Mit dem Labyrinth das Leben feiern hineinzugehen und wahrzunehmen, was geschieht.

Mit dem Labyrinth das Leben feiern
Was bedeutet das für mich ?

Die Quintessenz meiner Labyrinth- Erfahrung fasste ich damals in drei Zeilen zusammen

das Leben muss nicht gefeiert werden
das Leben ist die Feier
das Labyrinth ist das Leben

*******

Damit danke ich den Veranstalterinnen dieses 5. Labyrinth-Kongresses, die mich mit diesem Thema konfrontiert und mich angeregt haben, meine Erfahrungen damit zu machen.

Und ich möchte Sie einladen, sich auf diesem Kongress mutig oder auch weniger mutig oder sogar furchtsam auf neue Erfahrungen einzulassen und das Leben auf Ihre labyrinthische Weise zu feiern!

Birgt das Labyrinth besondere Feierqualitäten in sich? Welche Feier-Qualität birgt das Labyrinth in sich?
Das zu entdecken, überlasse ich Ihnen!

In diesem Sinne wünsche ich dem Kongress
und uns allen
ein freudiges Wechselspiel
von traditionellen und innovativen Impulsen

sowie vielfältige und vielschichtige Erfahrungen

 und ein frohes Feiern des Lebens im Labyrinth!

  

  


 

[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Feiern sowie Duden: Ethymologisches Wörterbuch

[2] Kathrin Passig / Aleks Scholz: Verirren – Eine Anleitung für Anfänger und Fortgeschrittene, Rowohlt, Berlin 2010 S: 364

[3] Ich initiierte und organisierte die erste Labyrinth-Ausstellung im deutschen Sprachraum in der niederösterreichischen Landeshauptstadt St. Pölten.

[4] Rose Ausländer * 11. Mai 1901 in Czernowitz, Österreich-Ungarn; † 3. Januar 1988 in Düsseldorf; geb. Rosalie Beatrice Scherzer; war eine aus der Bukowina (heute Rumänien) stammende dt. u engl. Lyrikerin.

[5] 1961 in Kalifornien geb. Essayistin und Historikerin, seit 1988 freie Schriftstellerin.

[6] Kathrin Passig / Aleks Scholz: Verirren – Eine Anleitung für Anfänger und Fortgeschrittene, Rowohlt, Berlin 2010

[7] Ilse M. Seifried

 


 

 Text © Ilse M. Seifried, www.das-labyrinth.at

 

Kongress 1

Kongress 1

Kongress 2

Kongress 2

Matriarchat

Matriarchat

  

  

Alle Fotos und Grafiken © mymaze, der Patriarch vom Dienst
Kopieren und Verwenden für nicht-gewerbliche Zwecke unter Angabe der Quelle und Beibehalten des Dateinamens erlaubt und erwünscht

 

 


Vorbereitung

Nach langer Vorbereitungszeit, die von der Suche nach experimentierfreudigen blinden Menschen, einem Durchführungsort und dem richtigen Material für einen Handlauf geprägt war, fand im April 2009 das Pilotprojekt im Bundes-Blindenerziehungsinstitut Wien statt.

Der Labyrinthaufbau fand am Vortag mit Hilfe von Herrn Manfred Lima (Gärtner der Schule), den Co-Leiterinnen Eveline Weiss und Erika Schafellner sowie des Schülers Patrik statt.

Das Labyrinth

Das Labyrinth

Es wurde nicht die Labyrinthstruktur, sondern der Weg (Ariadnefaden) eckig gesteckt.
Als beste Aufbauvariante stellte sich heraus, von innen heraus die Stöcke zu setzen und die Schnur zu spannen – was ca. 30 Minuten benötigt.

Der Ariadnefaden

Der Ariadnefaden

Labyrinthgröße
ca. 16 m x 16 m

Material
38 Kunststoffpfähle der Firma Kerbl
Handlauf: 1,5 Wollpackungen à 155 m – Wolle mit weichen Pompons der Firma Regia Nr 9801.0266 (siehe auch www.coatsgmbh.de )

Als Co-Leitung trugen Frau Mag. Eveline Weiss (Wien) und Erika Schafellner (Salzburg) zum Gelingen bei.

Eveline mit Teilnehmerin

Eveline mit Teilnehmerin

Ermöglicht wurde dieses Pilotprojekt erst durch die großzügige Unterstützung der Firma Kerbl, die die Weidenstecken kostenlos zur Verfügung stellte.

Projektablauf

  1. Begrüßung und Vorstellungsrunde
  2. Vermittlung des geplanten Ablaufs und der Zeitstruktur von 3 Stunden
  3. Einführung ins Thema
  4. Einführung in die Labyrinthbegehung
  5. Labyrinth-Erfahrungen (Holz, Stoff, Wiese) u. Erfahrungsaustausch in Kleingruppe
  6. Erfahrungsaustausch, Analyse u. Resümee in der Großgruppe
  7. TeilnehmerInnen erhalten Skript
  8. Dank und Verabschiedung

Schlussrunde

Schlussrunde

Zusammenfassung

  1. Für Sehende dem Ariadnefaden mit geschlossenen Augen zu folgen, ist eine sehr bereichernde Erfahrung.
  2. Für Blinde dem Ariadnefaden zu folgen, wurde von allen als eine sehr positive Geh-Erfahrung erlebt.
  • Die Befindlichkeit danch der Begehung wurde von allen als sehr angenehm beschrieben.
  • Die Erfahrungen am Ariadnefaden wurden als komplett neu, schön, faszinierend, super und heiter sowie nachdenklich, Ruhe ausstrahlend benannt.
  • Unangenehm war so gut wie nichts, denn auch die Überraschungen bzw. Stöcke waren positiv, da keine Verletzungsgefahr gegeben war.
  • Nichts wurde angstvoll sondern alles angstfrei und als etwas sehr Vertrautes erlebt (speziell genannt im Vergleich zum Gehen sonst im Alltag). Ohne Begleitung und im eigenen Tempo gehen zu können, war besonders erwähnenswert.

Zitate:

  • Das eckige Labyrinth draußen war für mich ausgesprochen entspannend und fast so wie schwebend.
    Bild 1
  • Mir hat auch das draußen am besten gefallen und zwar deshalb, weil es spannend war …. Und man hat wirklich eine Reise gemacht – also für mich war das eine Reise durch meine Gedankenwelt. Es war einfach sehr schön, das zu durchschreiten. Und zurückzukommen. Also das war eine tolle Erfahrung.
    Bild 2
  • Ja, mir hat das draußen auch am besten gefallen. Aber des war nicht schwer, weil ich hab gewusst, es kann nichts passieren, es ist der Faden, der mich führt. Ich war in total anderen Gedanken, hab mich nicht konzentrieren müssen. Das war ganz beruhigend.
    Bild 3
  • Ich wollte nicht, dass es aufhört. Es war mir ganz egal, wie lange es noch dauert, ich hab mir nur gewünscht, es sollte einfach weitergehen.
    Bild 4
  • Man muss vielleicht auch allgemein sagen, es gibt ja Blindenerholungsheime, wo es solche Wege gibt, wo man einen Pfad entlang gleitet und erst das ermöglicht das entspannte Gehen. Das haben wir ja ganz ganz selten. Denn wenn ich alleine spazieren gehe, muss ich mich ja immer konzentrieren. Und durch die Führungshilfe kann ich ganz entspannt gehen. Außer ich hab eine Begleitung oder einen Hund. Aber das ist eine der wenigen Formen, wo man auch entspannt gehen kann. Also, ich hab mir das so vorgestellt – also, ich hab keinen Garten – so etwas könnte man sich eigentlich aufstellen irgendwo und jeden Tag dann einmal durchgehen oder zweimal. Ich habe auch während des Gehens an den Maler Mone gedacht, der im Garten die Seerose… und der hat über 100 mal diese Seerose gemalt. Mit einer ein bisschen veränderten Sicht oder wie es so halt mit der veränderten Sonne ist. So ein Meditationsobjekt könnte auch so ein Labyrinth sein. Weil es braucht eigentlich nicht allzu viel Platz.
    Bild 5
  • Also ich hab es draußen auch sehr entspannt gefunden, weil man wirklich so frei und locker gehen kann. Es war recht lustig manchmal. Wenn man angestanden ist an einem Faden und um die Ecken gehen hat müssen. Und da herinnen, muss ich sagen, das Holz war nicht schwierig für mich, weil man hat wirklich in der Führung bleiben können. Und ich glaub, ich hätt mir mit dem Stock ein bisschen leichter getan, wenn ich mir das Holz vorher gemacht hätte. Weil ich hab ja nicht gewusst, wie das zusammenhängt, wie das ausschaut von oben bis unten. Bei dem Holz hat man das genau im Ganzen angreifen können wie die Umdrehung ist.
    Bild 6

Ausblick und Nachhaltigkeit

Aufgrund der Zustimmung durch SchülerInnen und LehrerInnen der Schule ist angedacht, ein permanentes Labyrinth aufzustellen.
Herr Dr Mag. Schmid plant bereits für Juli 2009 bei einem Blindensymposium einen Labyrinth-Workshop anzubieten.
Das Material ist in der Schule gelagert und steht jederzeit allen weiteren Labyrinthprojekten für Blinde zu Verfügung.

Ich danke dem Sponsor, der Firma Kerbl, die dieses Pilotprojekt ermöglicht hat.

Ilse M Seifried
www.das-labyrinth.at

Alle Fotos © Eveline Weiss

k/ein labyrinth auf spitzbergen

lieber erwin,

es gibt berge aus stein und fels, es gibt gletscher, schnee und eis, es gibt die schluckende tundra und steinwüsten – vor allem aber 4 monate polarnacht …
ich habe die mitternachtssonne erlebt ! ich suchte nicht und fand auch nicht – wen nimmt das wunder? – ein labyrinth auf spitzbergen.
alles steht hier unter naturschutz. kein stein darf versetzt werden. ich versetzte weder stein noch berge und so: es gibt kein labyrinth auf spitzbergen – und dennoch hat es mir außerordenlich gut dort gefallen!
ilse
(bin ich doch selbst ein labyrinth …..)