Passend zum vorangegangenen Artikel bin ich auf ein weiteres quadratisches Labyrinth gestoßen (worden).
Diese Woche erhielt ich (als TLS-Mitglied sogar umsonst) die dritte Ausgabe von Labyrinth Pathways. Auf der Rückseite war die Grafik dieses Labyrinths abgebildet. Ich vermute einmal, dass Jeff Saward es entworfen hat.
Ein quadratisches klassisches Labyrinth
Es betont die Mitte. Der erste Pfad hinein liegt auf der Mittelachse und der letzte Pfad in das Zentrum ebenfalls. Möglich wird das durch ein ausgespartes (oder eingeschlossenes) blindes Stück in den Wegen. Die vier Wendepunkte (= Endpunkte der Begrenzungslinien) bilden kein inneres Quadrat (mehr). Die beiden oberen liegen in den Diagonalen des Gesamtquadrates.
Das bekannte Grundmuster ist zwar total verschoben, doch hat das Labyrinth 7 Umgänge und die typische Wegfolge des klassischen Labyrinths.
Das Labyrinth bietet viele Möglichkeiten. Daher ist es auch so faszinierend und immer wieder überraschend.
Das klassische Labyrinth gab es schon immer in eckiger Form, gerade bei den ältesten überlieferten Darstellungen auf Münzen und Graffitis.
Das klassische Labyrinth in eckiger Form und kleiner Mitte
Wieder erkennt man sehr gut das Grundmuster in quadratischer Form. Die Wegfolge ist ebenfalls typisch.
Das klassische Labyrinth in eckiger Form und großer Mitte
Die Mitte sollte etwas größer sein als nur eine Wegbreite. Da das quadratische Grundmuster beibehalten wurde, wird dabei die Mitte ein unregelmäßiges, rechteckiges Polygon.
Wie bekommt man aber ein vollkomen quadratisches Labyrinth?
Das geht nur, wenn man das Grundmuster aufgibt und für die Mitte z.B. die 5-fache Wegbreite annimmt.
So sieht das dann aus:
Das klassische Labyrinth in quadratischer Form und großer Mitte
Die Wegfolge bleibt erhalten, die Form hat sich verändert. Aber es bleibt ein klassisches Labyrinth.
Das klassische Labyrinth in runder Form hatten wir schon in einem vorhergehenden Artikel.
Wenn man die Linien um die vier Wendepunkte herum etwas weniger ausrundet, also strenger in der Linienführung ist, zeigt sich in diesem Labyrinth eine gewisse Mäanderform. Tatsächlich läßt sich dieses Labyrinth aus zwei Doppelmäandern entwickeln.
Ein rundes klassisches Labyrinth
Wie aus einem Mäandermuster ein Labyrinth entsteht, zeigt die nachfolgende Flash-Animation:
Das klassische Labyrinth entwickelt sich aus dem Quadrat als Kernmuster. Dabei entstehen Bögen in Kreisform, aber kein kompletter Kreis. Wenn man nun versucht ein vollkommen rundes Labyrinth zu “schaffen”, muss man das Muster des Quadrates aufgeben.
Das Labyrinth könnte dann so aussehen wie in der Zeichnung hier.
Es wurde eine größere Mitte gewählt mit der vierfachen Wegbreite, die zentrale Achse wurde auf das letzte Wegstück zur Mitte ausgerichtet. Dadurch verschieben sich die 4 Wendepunkte, die dann kein Quadrat mehr bilden. Auch geht das zentrale Kreuz verloren.
Das klassische Labyrinth
Das könnte also ein Übergangsstadium auf dem Weg zum Typ Chartres Labyrinth sein. Es ist aber trotz allem ein typisches klassisches Labyrinth, denn es hat 7 Umgänge. Auch bleibt die Wegfolge, also der innere Rhythmus, erhalten. In der Diagrammform (siehe im verwandtem Artikel) kann man das ganz deutlich erkennen.
Bei künstlerischen Arbeiten ist diese Art Labyrinth öfter antreffen. Bei den begehbaren Labyrinthen kommt es nicht so oft vor.
Wer gerne eines bauen möchte, kann die Konstruktionszeichnung verwenden.