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erzählt von Klaus Kirdorf aus Wetzlar an der Lahn

Ich war ganz schön aufgeregt, als um 6.30 Uhr der Wecker klingelte und damit zugleich signalisierte, dass heute die seit langem geplante Wanderung vom Labyrinth bei der evangelischen Kirche in Hofheim-Langenhain zum Labyrinth beim Schloss Freudenberg in Wiesbaden-Dotzheim anstand. Viele Wochen vorher schon hatte ich am Computer gesessen und mit Hilfe von „Topografischen Freizeitkarten“ (Maßstab 1 : 50 000), einem „ADAC-Stadtatlas Rhein-Main / Frankfurt“ und vor allem mit Hilfe eines „Karten-Entfernungsmessers“ eine mögliche Wanderstrecke ausgesucht, beschrieben und auf der Internetseite von Werner Kaufmann www.begehbare-labyrinthe.de deponiert. Aber je näher der Tag „meiner“ ersten Gruppenwanderung von Labyrinth zu Labyrinth rückte, umso häufiger fragte ich mich, ob denn ja alles an diesem Tag klappen würde. Längst stand ich in Kontakt mit Ingrid Brandes-Scherrer, der Labyrinthbetreuerin in Langenhain, und mit Petra Sendker, der Mitarbeiterin im Team von Schloss Freudenberg und u.a. zuständig für das dortige Labyrinth. Ich hatte rechtzeitig Dutzende von E-Mails mit Hinweisen zur Wanderung verschickt an alle mir bekannten Betreuungspersonen und Institutionen der inzwischen beinahe 100 Labyrinthe in Deutschland (einige auch in die Schweiz) sowie an Freunde und Bekannte. Die vielen Rückmeldungen und guten Wünsche zum Gelingen haben mich sehr beflügelt.

Eine Woche vor dem großen Ereignis entschloss ich mich, die Strecke erst einmal allein abzugehen. Sigrid, meine Frau, setzte mich am Sonntagvormittag an der evangelischen Kirche in Langenhain ab und fuhr schon einmal mit dem Auto zum Schloss Freudenberg voraus. Ich selbst machte mich – ausgerüstet mit einer Wasserflasche, ein paar Müsli-Riegeln, der Wanderkarte „Taunus / mittlerer Teil“ (1 : 50 000), meiner eigenen Wegbeschreibung und einem Notizblock nebst Filzschreiber – auf den Weg.

Nördlich von Langenhain erreichte ich am Waldrand den Wanderweg mit dem Wegzeichen „Schwarzer Punkt“ in Richtung Wildsachsen. Wieso hatte ich in meinen Aufzeichnungen von einem blauen Punkt geschrieben? Die zweite Überraschung kam wenige Minuten später: Holzfäller müssen hier wohl gerade ihre Arbeit beendet haben. Der schmale Waldweg war übersät mit Ästen und Zweigen und ziemlich zerfurcht und morastig. Das konnte ja in einer Woche heiter werden! Aber nach 100 m war der Spuk wieder vorbei. Der Weg führte leicht bergab, und es dauerte nicht lang, bis die ersten Häuser im Wochenendgebiet von Wildsachsen zu sehen waren. Aber wo war der schwarze Punkt? Ich ging am Rand der Siedlung entlang bis zu ihrem Ende und wieder ein Stück zurück, ging durch die Siedlung hindurch – aber weit und breit war keine Wegmarkierung zu sehen. Was macht also der frustrierte Wanderer in einer solchen Situation? – Richtig! Er geht bis zur letzten Markierung zurück! Und siehe da: plötzlich erblickte ich – jetzt aus der Gegenrichtung kommend – einen schwarzen Punkt an einer Buche direkt am Anfang des Wochenendgebiets mit einem Richtungspfeil „bergab“. Zeitverlust: 15 Minuten! Ich notiere mir die kritische Stelle und nehme mir vor, mich bei Weggabelungen und „fehlenden“ Markierungen notfalls auch einmal umzudrehen.

Als ich kurz vor 18.00 Uhr beim Schloss Freudenberg ankomme, bin ich zwar etwas „groggy“ und ziemlich hungrig, aber auch froh, dass ich die Wanderstrecke jetzt schon recht gut kenne. Ich esse im Café von Schloss Freudenberg eine Kleinigkeit, gehe anschließend mit Sigrid noch durch das im Abendlicht besonders schöne Labyrinth, und dann fahren wir nach Wetzlar zurück. Jetzt kann die Wanderung kommen! – In den nächsten Tagen erreichen mich noch ein paar Absagen, aber auch noch einige „Last-Minute-Anmeldungen“. So kann ich mit einer Wandergruppe von etwa 15 Personen und einigen weiteren Teilnehmerinnen und Teilnehmern an den Ritualen vor und nach der Wanderung rechnen.

Punkt 8.05 Uhr starten Sigrid und ich mit zwei weiteren Wetzlarer Labyrinth- und Wanderfreundinnen in Richtung Langenhain. Zu meiner eigenen Überraschung erreichen wir schon um Punkt 9.00 Uhr die dortige evangelische Kirche.

Ich habe noch genug Zeit, um mit dem Auto Petra Sendker an der Endhaltestelle der Wiesbadener Buslinie 23 im Nachbarort Breckenheim abzuholen. Wieder zurück in Langenhain stelle ich erfreut fest, dass sich inzwischen eine große Gruppe von Wander- und LabyrinthfreundInnen eingefunden hat – auch Erwin Reißmann aus Würzburg, der die Wanderung „an Start und Ziel“ fotografisch betreuen wird, und eine Delegation der „Niederrheinischen Berg- und Wanderfeunde“. Auch Enkeltochter Enya ist inzwischen mit ihren Eltern eingetroffen und lässt sich zufrieden von ihrem Vater in der Rückentrage durch den Kirchgarten tragen. Ingrid hat inzwischen mit vielen Langenhainer Helferinnen die Vorbereitungen für ein „Verabschiedungsritual“ abgeschlossen und bittet die Gruppe, sich im Kreis um das Labyrinth aufzustellen. Im „Pilgerschritt“ und mit Gesang ziehen wir dann durch das Labyrinth, empfangen noch eine „Wegzehrung“ nebst einem Wermutkräutlein aus dem Kräutergarten und einem kleinen Stein als Wegbegleiter. Jetzt kann es losgehen!

Um 10.15 Uhr ziehen 17 WanderfreundInnen durch den Ort , am imposanten Bahai-Tempel vorbei, in Richtung Waldrand. Der Himmel ist leicht bewölkt, und Lutz hat als einziger sogar einen Regenschirm dabei. Aber er konnte ja nicht wissen, dass ich in der Lage bin, Wolken am Himmel so zu verschieben, dass immer mal wieder die Sonne durchkommt. Erstaunlich schnell erreichen wir Wildsachsen, unterqueren die A 3 und erlauben uns eine kurze Getränkepause.  Wir gehen weiter und haben nach wenigen Minuten die Wiesbadener Stadtgrenze überschri-tten. Von der Möglichkeit, bei der Haltestelle „Am Wald“ in Medenbach mit dem Stadtbus zum Schloss Freudenberg vorauszufahren, macht niemand Gebrauch. Bei der Siedlung „Erbsenacker“ der Gemeinde Naurod genießen wir den Blick auf den nahen „Kellerskopf“ und den „Großen Feldberg“ am Horizont. Die Bänke eines Kinderspielplatzes laden zu einer weiteren Rast ein. Anschließend führt uns der Rheinhöhenweg nach Rambach, wo wir mit 13 km die Hälfte der Wanderstrecke zurückgelegt haben. Hier verabschieden sich 5 Wander-freundinnen von der Gruppe und fahren mit dem Stadtbus nach Freudenberg.

Bergauf zum Rambacher „Waldsportpfad“, hinab ins Goldsteintal, bergauf zur uralten „Idsteiner Eiche“, wieder hinab in den „Rabengrund“, der großen Waldwiese am Stadtrand von Wies-baden. Wir kommen an mehreren Trinkwasser spendenden Brunnen vorbei, die sich zu einer weiteren Rast anbieten. Bergauf durch den Wald zur Platterstraße (B 477), jenseits von ihr bergab zum Waldcafé „Waldhaus“, das wir einfach rechts liegen lassen. Jetzt haben wir „nur noch 6 km“ vor uns! Wieder geht es bergauf bis zur nächsten stadtauswärts führenden Bundesstraße und natürlich wieder durch den Wald bergab ins nächste Tal. „Wieviele Höhenmeter werden wir denn bis jetzt überwunden haben“, fragt Lutz, der tatsächlich für ein paar Minuten wegen eines kurzen Schauers seinen Regenschirm aufspannen konnte. Hinter dem ehemaligen Kloster Klarenthal erwartet uns jenseits der „Lahnstraße“ ein weiterer Anstieg im Wald. Wir überqueren noch die Gleise der ehemaligen Bahnlinie „Wiesbaden-Bad Schwalbach-Limburg“ und befinden uns bereits (?) oder endlich (?) am Rande der Dotzheimer Siedlung „Kohlheck“. Mein Angebot, entsprechend meiner Wegbeschreibung noch ein letztes Mal in den Wald abzubiegen, statt auf dem geringfügig kürzeren Weg durch die Siedlung weiterzugehen, nehmen alle an! Bergab ins „Weilburger Tal“, bergauf zum Dotzheimer „Waldfriedhof“. Noch 1 km bis zum Schloss Freudenberg! „Das waren dann aber bestimmt 30 km“, meint Lutz und verweist auf seine Wegerfahrungen bei Volkswandertagen.

Als wir gegen 17.30 Uhr den Park von Schloss Freudenberg erreichen, strömen uns Scharen von Besuchern entgegen. Sie nehmen jedoch kaum Notiz von uns. Dafür werden die „Labyrinthwanderer“ jedoch auf einer großen Tafel in der Vorhalle des Schlosses willkommen geheißen. Wir genießen im Café noch eine leckere Gemüsesuppe und begeben uns anschließend zum Labyrinth, wo Sigrid zusammen mit Martha Fritsch ein „Friedenslicht“-Abschlussritual vorbereitet hat. Erwin Reißmann schießt noch ein paar weitere Erinnerungsbilder für seine sehr sehenswerte Homepage www.mymaze.de (Fotos dort unter Fotogalerie Freudenberg bzw. Langenhain), und mit einem gemeinsamen Gang durch das Labyrinth endet dieser schöne Wandertag.

Wanderung Euskirchen – Köln

Wanderung vom Labyrinth in Euskirchen zum Labyrinth bei der Severinskirche in Köln

erzählt von Klaus Kirdorf aus Wetzlar an der Lahn

Es ist inzwischen schon über 5 Jahre her, dass ich beim 2. Internationalen Labyrinth-Kongress in Zürich die Idee hatte, begehbare Labyrinthe durch Wanderwege „von Labyrinth zu Labyrinth“ zu verknüpfen. Inzwischen existieren bereits annähernd 100 Wanderweg-Beschreibungen (siehe www.begehbare-labyrinthe.de ). Dadurch, dass es in Deutschland bereits über 150 begehbare Labyrinthe gibt, wird auch das Wanderwege-Netz immer enger. Wer von Labyrinth zu Labyrinth wandert, hat auch immer etwas zu erzählen, wie ich z.B. von meiner Wanderung vom Labyrinth in Euskirchen zum Labyrinth bei der Severinskirche in Köln.

Es gibt auf dieser Welt nicht nur Menschen, die von Labyrinth zu Labyrinth wandern, sondern auch solche, die einfach „nur“ ihre Heimat am Niederrhein erwandern und gelegentlich auch auf hohe Berge klettern. Sie haben sich vor einiger Zeit zusammengeschlossen zu den „Niederrheinischen Berg- und Wanderfreunden“, die man auch im Internet unter www.niederrheinische-berg-und-wanderfreunde.de näher kennenlernen kann. Monika, die „Chefin“ der Gruppe, und Ruth, die Jakobsweg-Pilgerin, haben inwischen mit meiner „Nachhilfe“ auch ihr Interesse an Labyrinthen entdeckt – und zugleich natürlich auch das Interesse, von Labyrinth zu Labyrinth zu wandern.

Monika und Ruth reisten mit der Bahn von Moers nach Euskirchen, ich startete am frühen Morgen mit dem Auto in Wetzlar und kam rechtzeitig wie verabredet um 9.30 Uhr beim Labyrinth am Amtsgericht in Euskirchen an. Dort erwartete uns bereits eine der Labyrinth-Frauen vom Labyrinth-Euskirchen e.V., die uns nach einem Gang durchs Labyrinth auf dem kürzesten Weg aus der Stadt hinaus begleitete und noch weitere 10 km auf dem „Erft-Radwanderweg“ bis in die Nähe der Bahnstation Derkum mit uns marschierte. Zu meiner großen Überraschung entdeckte ich noch in Euskirchen an einem Pfosten direkt unter der Wegmarkierung E auch die Jakobsmuschel als Zeichen für den Pilgerweg von Köln nach Trier. Erinnerungen wurden wach an „meinen“ Jakobsweg von Wetzlar nach Santiago de Compostela im Sommer 2002. – Um die Mittagszeit machten wir einen Abstecher in die nahe Ortschaft Weilerswist, wo wir uns eine erste Pause bei gebackenem Camembert und „Kölsch“ in einem kroatischen (!) Restaurant gönnten.
Mit schweren Beinen und vollem Bauch marschierten wir anschließend weiter und erreichten kurz hinter Weilerswist den waldreichen Naturpark „Kottenforst-Ville“, das rekultivierte Gebiet des früheren Braunkohlen-Tagebaus. Hier kam meine große Stunde als Wanderführer: Ohne Kompass – allerdings mit Wanderkarte – erreichten wir zunächst den RKW, den historischen „Römerkanalweg“, auf dem vor 2000 Jahren Trinkwasser aus der Eifel in die römische Garnisonsstadt Köln geleitet wurde, und schließlich am Nachmittag den Heider Bergsee, auf dem sich zahlreiche Segelboote tummelten. Als uns irgendwann aber die Sonne nicht mehr von der linken Seite beschien, sondern von rechts durch die Bäume blinzelte, und der Weg am See entlang kein Ende nehmen wollte, musste ich mir eingestehen, dass wir dabei waren, den See zu umrunden, statt an seinem nördlichen Ende in Richtung unseres Tagesziels Brühl-Vochem weiterzugehen. Mit der freundlichen Unterstützung etlicher ortskundiger Mitmenschen erreichten wir am frühen Abend mit nur wenigen Minuten Verspätung und nach wenigen Metern Umweg unsere Privatunterkunft in Vochem.

Nach einer kurzen Erholungs- und Erfrischungspause zogen wir noch einmal los, um im Ort ein Abendessen einzunehmen. Unser erster Versuch in einer völlig verräucherten Gaststube schlug fehl: „Können wir hier etwas zu essen bekommen?“ fragte ich den Herrn hinter dem Tresen. „Noch nicht!“ antwortete er und fügte auf mein „Wann denn?“ hinzu: „Im November!“- Freundlicherweise verriet er uns noch, dass wir bestimmt „Bei Margret“ – 3 Häuser weiter – etwas zum Essen bekämen. – Wir hatten Glück! Margret servierte uns mit viel rheinischem Humor Riesenportionen Kartoffelsalat mit Eiern (für Monika mit einer zusätzlichen Fleischwurst) und kredenzte dazu „Kölsch“ – wegen unseres großen Durstes ausnahmsweise in 0,5l-Gläsern. Die erste Runde übernahm ich, weil es mir unterwegs im Wald entgegen meiner Ankündigung nicht gelungen war, Ruths riesigen Durst mit einem ebenso riesigen Glas „Kölsch“ zu stillen. Dafür konnte ich aber unterwegs mit meinen mentalen Fähigkeiten die anfänglichen Regenwolken so weit beiseite schieben, dass die Sonne genug Platz hatte, unseren Weg zu bescheinen.

Am anderen Morgen waren meine beiden Wanderfreundinnen noch nicht zum Frühstück in der Küche erschienen, so dass ich mir schon einmal mit Wasser aus dem Elektrokocher einen Tee aufbrühte. Monika und Ruth wollten ja ohnehin Kaffee trinken. Als sie schließlich doch noch zum Frühstück aufkreuzten, gestand mir Ruth, dass sie kaum ein Auge zugemacht hatte, um Monika nicht mit ihrem Schnarchen zu wecken. Jetzt freue sie sich auf einen heißen Kaffee. Doch ihre Enttäuschung war groß. „Alles hier im Haus ist perfekt – nur der Kaffee ist lauwarm!“ – sagte sie. Doch bevor sie bei der Gastgeberin reklamieren konnte, fiel mir „siedendheiß“ ein, dass ich vor einer Viertelstunde die Tischsteckdose abgeschaltet hatte – und damit nicht nur den Elektrokocher, sondern auch die elektrische Kaffee-Maschine. Um den heutigen Wandertag zu retten, versprach ich den beiden, nach der Ankunft in Köln je einen heißen Kaffee zu spendieren.

Wir ließen uns das reichliche Frühstück schmecken und zogen anschließend mit unseren Rucksäcken weiter in Richtung Köln. Wir kamen auch noch einmal „Bei Margret“ vorbei, wünschten ihr „Einen guten Morgen“ und sie uns „Einen guten Weg!“ – Wir mussten jetzt immer öfter auf Radwegen an viel befahrenen Straßen und durch Ortschaften marschieren, aber dies war ja ein Zeichen dafür, dass wir unserem Ziel allmählich näher kamen. Wenn wir gelegentlich durch einen Stadtpark kamen, drückte Monika wildfremden Personen ihre Kamera in die Hand und bat sie um eine Aufnahme des Wandertrios.

Vom Kölner Dom war immer noch nichts zu sehen, aber plötzlich standen wir vor der Severinstorburg am Südrand der Kölner Altstadt. Jetzt waren es nur noch wenige Meter bis zur Kirche St. Severin, vor deren Eingang sich das gepflasterte Labyrinth befindet. Wir stellten unsere Rucksäcke an der Kirchenmauer ab und gingen behutsam – um ja nicht mit den hindurchhastenden Passanten zusammenzustoßen, durch das achteckige Labyrinth. Nach einem kurzen Kirchenbesuch zogen wir weiter Richtung Dom. Durch die enge Severinstraße und die anschließende Hohe Straße mussten wir uns zur Feierabendzeit regelrecht durch die Fußgängermassen hindurchkämpfen. Zusätzlich kamen uns laut grölend noch die Anhänger von Alemannia Aachen entgegen, die den Europacup-Sieg ihrer Mannschaft im Kölner Stadion gegen den französischen Spitzenklub OSC Lille feierten. Schließlich erreichten wir doch noch den Dom, vor dem Musikanten und Gaukler ihr Können zeigten. Wir bogen jedoch zunächst einmal links ab, um im Café Reichard am Fuße des Doms zu leckerem Apfel- und Marillenstrudel den angekündigten heiß ersehnten Kaffee zu uns zu nehmen.

Inzwischen wurde es 17.00 Uhr und die Zeit des Abschieds nahte. Monika und Ruth wussten bereits, dass ihr Zug in Richtung Duisburg um 17.51 Uhr in Köln abfuhr. Sie hatten also noch etwas Zeit, um einen Abstecher in den Dom machen zu können. Dort gibt es auf dem Weg zur Krypta auch ein Labyrinth, das allerdings nicht begehbar ist. Da ich ja noch mit dem Zug nach Euskirchen zurückfahren musste, um dort mein Auto abzuholen, verabschiedete ich mich von Monika und Ruth und ging zum Hauptbahnhof gegenüber, um mich nach der Abfahrtszeit des Zuges zu erkundigen und eine Fahrkarte zu lösen. Der Zug sollte 17.47 Uhr auf Gleis 5 abfahren, kam aber mit einigen Minuten Verspätung im Kölner Hauptbahnhof an. Kurz nachdem ich eingestiegen war, tauchten auch Monika und Ruth auf demselben Bahnsteig an, da ihr Zug in Richtung Duisburg auf Gleis 4 abfahren sollte. Sie versuchten mir von draußen zu signalisieren, dass sie das Labyrinth im Kölner Dom entdeckt hatten, und ich versuchte ihnen verständlich zu machen, dass ihr Zug nach Duisburg jede Minute abfahren würde. Es gelang mir nicht! – So fuhr der Zug ohne sie los, und so hatten Monika und Ruth noch eine Stunde Zeit, um ein paar weitere „Kölsch“ zu genießen.

Der Blindgänger

Der Blindgänger – eine Geschichte aus dem Labyrinth in Hillentrup

erzählt von Klaus Kirdorf  aus Wetzlar an der Lahn

Ich hatte mich eigentlich „nur“ zu einem REIKI-Wochenende bei Rosemarie Werner in Hillentrup angemeldet, die sich nicht nur rührend um das in die Landschaft wunderbar eingebundene Pflanzenlabyrinth am Rande einer Pferdekoppel kümmert, sondern als REIKI-Meisterin auch zu vierteljährlichen Jahreszeiten-Festen einlädt. Um rechtzeitig zum gemeinsamen Abendessen um 18 Uhr da zu sein, war ich schon kurz nach 14 Uhr zu Hause Richtung „Lipper Land“ gestartet. Schließlich ist ja auf der A 45, der „Sauerlandlinie“, vor allem am Freitagnachmittag mit starkem Wochenendverkehr zu rechnen.

Ich kam auf der Autobahn zügig voran und freute mich schon auf einen ersten Gang durchs Labyrinth noch vor dem Abendessen. Dann bog ich am Westhofener Kreuz auf die A 1 in Richtung Hannover / Bremen ab und fand mich mitten im eigentlich schon vorher erwarteten Stau wieder. Nach wenigen Kilometern im Schritttempo ging plötzlich nichts mehr. In Dreier-Reihen standen die Autos auf der Autobahn. Seltsamerweise kam aus der Gegenrichtung kein einziges Auto entgegen. Nach ein paar Minuten suchten sich mit „Tatü-tata“ drei Polizeiwagen von hinten einen Weg durch die Autoschlange, aber sonst passierte nichts weiter. Ich hatte längst den Motor abgestellt und stieg aus, um mir einen Überblick über die Lage zu verschaffen. Wenige Meter vor mir erblickte ich rechts ein Hinweisschild „Raststätte Lichtendorf 500m“. Was mich jedoch sehr überraschte: Nur wenige Meter hinter dem Schild war die Fahrbahn völlig frei! „Warum in aller Welt fahren die Autos denn nicht einfach weiter?“ fragte ich mich. Plötzlich schlängelte sich ein Polizeiauto langsam in der Gegenrichtung durch die Fahrzeugreihen und eine Polizistin, die vor ihm herging, verbreitete die frohe Botschaft, dass es „um Halb“, also in 10 Minuten, weiterginge. Und tatsächlich: Punkt 16.30 Uhr setzte sich die Fahrzeugschlange wie bei einem Formel-1-Rennen in Bewegung. Als ich an der Raststätte Lichtendorf vorbeifuhr, fiel mir zwar auf, dass die Zufahrt gesperrt war, aber ich machte mir keine weiteren Gedanken darüber. Ich war froh, dass der Verkehr wieder rollte.

Als ich kurz vor dem „Kamener Kreuz“ das Radio einschaltete, um mich über weitere Staus in meiner Fahrtrichtung zu informieren, erfuhr ich u.a. den Grund für den Stau bei der Raststätte, und so stand es auch am andern Tag in der Zeitung: „Ein anonymer Anrufer hat gestern mit einer Bombendrohung den Verkehr auf der Autobahn A 1 zwischen den Anschlussstellen Schwerte und Dortmund-Unna stundenlang lahmgelegt.“ Glücklicherweise war es aber ein blinder Alarm, der mich zusammen mit zwei anschließenden Baustellen-Staus zwei nicht eingeplante Stunden auf der Autobahn kostete. Was mir bisher nur bei der Begegnung mit Menschen passiert war: wäre ich nur eine Minute früher bei diesem Ort „Raststätte Lichtendorf“ gewesen, hätte ich diese Situation einfach hinter mir gelassen – so wie ich früher schon oft ohne eine Verabredung besonderen Menschen begegnet bin, weil wir beide zur selben Zeit am selben Ort waren.

Als ich schließlich kurz nach 19 Uhr in Hillentrup ankam, bekam ich zu meiner Freude von Rosemarie noch eine leckere Suppe und selbstgebackenes Brot serviert, so dass mir das „Umschalten“ von 5 Stunden Autofahrt auf das REIKI-Wochenende recht leicht fiel.

Wer jetzt nach der Schilderung meiner Anreise in Verbindung mit der Überschrift dieser Geschichte einen Bombenfund im Labyrinth in Hillentrup erwartet, den muss ich enttäuschen! Stelle Dir stattdessen vor, Du befindest Dich in der Abenddämmerung auf einer zu einem plätschernden Bach hin sanft abfallenden Wiese mitten in einem Pflanzenlabyrinth. Du möchtest einfach die Augen schließen und ganz bei Dir sein. Und Du bittest einen Menschen, der sich mit Dir im Labyrinth befindet, er möge Dich aus dem Labyrinth herausführen. Er nimmt Dich an die Hand, und Du gehst – sozusagen ein „Blindgänger“ – vertrauensvoll neben oder hinter der Person her. Du nimmst die wenigen Geräusche in der Umgebung wahr, die Unebenheiten des Bodens und streifst die Getreidehalme, die in der Wegbegrenzung wachsen.

Und wenn Du dann nach einer scheinbaren Ewigkeit am Ausgang des Labyrinths angekommen bist und Dich dann eine andere Person bittet, jetzt auch einmal durchs Labyrinth geführt zu werden, was kann es in diesem Augenblick und an diesem Ort Schöneres im Leben geben?

Am Sonntagmorgen ist – natürlich noch vor dem Frühstück – ein gemeinsamer Gang zum Labyrinth angesagt. Inzwischen hat sich die Geschichte vom „Blindgehen“ auch bei den anderen Gruppenmitgliedern herumgesprochen. Weil wir zunächst nur 5 Personen sind, schlägt Rosemarie vor, hintereinander durch das Labyrinth zu gehen: 4 Personen schließen die Augen, legen ihre Hände auf die Schultern des/der Vorausgehenden, und die Person an der Spitze der Schlange führt diese mit offenen Augen behutsam zur Mitte. Dort machen alle kehrt, und die Schlange der „Blindgänger“ bewegt sich mit einer neuen Führerin wieder aus dem Labyrinth heraus. Welch ein Erlebnis!

Wer jetzt wissen möchte, was denn an diesem Wochenende in Hillentrup noch passiert ist, dem kann ich nur sagen: Schade, dass Du nicht dabei warst!