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Wanderung Euskirchen – Köln

Wanderung vom Labyrinth in Euskirchen zum Labyrinth bei der Severinskirche in Köln

erzählt von Klaus Kirdorf aus Wetzlar an der Lahn

Es ist inzwischen schon über 5 Jahre her, dass ich beim 2. Internationalen Labyrinth-Kongress in Zürich die Idee hatte, begehbare Labyrinthe durch Wanderwege „von Labyrinth zu Labyrinth“ zu verknüpfen. Inzwischen existieren bereits annähernd 100 Wanderweg-Beschreibungen (siehe www.begehbare-labyrinthe.de ). Dadurch, dass es in Deutschland bereits über 150 begehbare Labyrinthe gibt, wird auch das Wanderwege-Netz immer enger. Wer von Labyrinth zu Labyrinth wandert, hat auch immer etwas zu erzählen, wie ich z.B. von meiner Wanderung vom Labyrinth in Euskirchen zum Labyrinth bei der Severinskirche in Köln.

Es gibt auf dieser Welt nicht nur Menschen, die von Labyrinth zu Labyrinth wandern, sondern auch solche, die einfach „nur“ ihre Heimat am Niederrhein erwandern und gelegentlich auch auf hohe Berge klettern. Sie haben sich vor einiger Zeit zusammengeschlossen zu den „Niederrheinischen Berg- und Wanderfreunden“, die man auch im Internet unter www.niederrheinische-berg-und-wanderfreunde.de näher kennenlernen kann. Monika, die „Chefin“ der Gruppe, und Ruth, die Jakobsweg-Pilgerin, haben inwischen mit meiner „Nachhilfe“ auch ihr Interesse an Labyrinthen entdeckt – und zugleich natürlich auch das Interesse, von Labyrinth zu Labyrinth zu wandern.

Monika und Ruth reisten mit der Bahn von Moers nach Euskirchen, ich startete am frühen Morgen mit dem Auto in Wetzlar und kam rechtzeitig wie verabredet um 9.30 Uhr beim Labyrinth am Amtsgericht in Euskirchen an. Dort erwartete uns bereits eine der Labyrinth-Frauen vom Labyrinth-Euskirchen e.V., die uns nach einem Gang durchs Labyrinth auf dem kürzesten Weg aus der Stadt hinaus begleitete und noch weitere 10 km auf dem „Erft-Radwanderweg“ bis in die Nähe der Bahnstation Derkum mit uns marschierte. Zu meiner großen Überraschung entdeckte ich noch in Euskirchen an einem Pfosten direkt unter der Wegmarkierung E auch die Jakobsmuschel als Zeichen für den Pilgerweg von Köln nach Trier. Erinnerungen wurden wach an „meinen“ Jakobsweg von Wetzlar nach Santiago de Compostela im Sommer 2002. – Um die Mittagszeit machten wir einen Abstecher in die nahe Ortschaft Weilerswist, wo wir uns eine erste Pause bei gebackenem Camembert und „Kölsch“ in einem kroatischen (!) Restaurant gönnten.
Mit schweren Beinen und vollem Bauch marschierten wir anschließend weiter und erreichten kurz hinter Weilerswist den waldreichen Naturpark „Kottenforst-Ville“, das rekultivierte Gebiet des früheren Braunkohlen-Tagebaus. Hier kam meine große Stunde als Wanderführer: Ohne Kompass – allerdings mit Wanderkarte – erreichten wir zunächst den RKW, den historischen „Römerkanalweg“, auf dem vor 2000 Jahren Trinkwasser aus der Eifel in die römische Garnisonsstadt Köln geleitet wurde, und schließlich am Nachmittag den Heider Bergsee, auf dem sich zahlreiche Segelboote tummelten. Als uns irgendwann aber die Sonne nicht mehr von der linken Seite beschien, sondern von rechts durch die Bäume blinzelte, und der Weg am See entlang kein Ende nehmen wollte, musste ich mir eingestehen, dass wir dabei waren, den See zu umrunden, statt an seinem nördlichen Ende in Richtung unseres Tagesziels Brühl-Vochem weiterzugehen. Mit der freundlichen Unterstützung etlicher ortskundiger Mitmenschen erreichten wir am frühen Abend mit nur wenigen Minuten Verspätung und nach wenigen Metern Umweg unsere Privatunterkunft in Vochem.

Nach einer kurzen Erholungs- und Erfrischungspause zogen wir noch einmal los, um im Ort ein Abendessen einzunehmen. Unser erster Versuch in einer völlig verräucherten Gaststube schlug fehl: „Können wir hier etwas zu essen bekommen?“ fragte ich den Herrn hinter dem Tresen. „Noch nicht!“ antwortete er und fügte auf mein „Wann denn?“ hinzu: „Im November!“- Freundlicherweise verriet er uns noch, dass wir bestimmt „Bei Margret“ – 3 Häuser weiter – etwas zum Essen bekämen. – Wir hatten Glück! Margret servierte uns mit viel rheinischem Humor Riesenportionen Kartoffelsalat mit Eiern (für Monika mit einer zusätzlichen Fleischwurst) und kredenzte dazu „Kölsch“ – wegen unseres großen Durstes ausnahmsweise in 0,5l-Gläsern. Die erste Runde übernahm ich, weil es mir unterwegs im Wald entgegen meiner Ankündigung nicht gelungen war, Ruths riesigen Durst mit einem ebenso riesigen Glas „Kölsch“ zu stillen. Dafür konnte ich aber unterwegs mit meinen mentalen Fähigkeiten die anfänglichen Regenwolken so weit beiseite schieben, dass die Sonne genug Platz hatte, unseren Weg zu bescheinen.

Am anderen Morgen waren meine beiden Wanderfreundinnen noch nicht zum Frühstück in der Küche erschienen, so dass ich mir schon einmal mit Wasser aus dem Elektrokocher einen Tee aufbrühte. Monika und Ruth wollten ja ohnehin Kaffee trinken. Als sie schließlich doch noch zum Frühstück aufkreuzten, gestand mir Ruth, dass sie kaum ein Auge zugemacht hatte, um Monika nicht mit ihrem Schnarchen zu wecken. Jetzt freue sie sich auf einen heißen Kaffee. Doch ihre Enttäuschung war groß. „Alles hier im Haus ist perfekt – nur der Kaffee ist lauwarm!“ – sagte sie. Doch bevor sie bei der Gastgeberin reklamieren konnte, fiel mir „siedendheiß“ ein, dass ich vor einer Viertelstunde die Tischsteckdose abgeschaltet hatte – und damit nicht nur den Elektrokocher, sondern auch die elektrische Kaffee-Maschine. Um den heutigen Wandertag zu retten, versprach ich den beiden, nach der Ankunft in Köln je einen heißen Kaffee zu spendieren.

Wir ließen uns das reichliche Frühstück schmecken und zogen anschließend mit unseren Rucksäcken weiter in Richtung Köln. Wir kamen auch noch einmal „Bei Margret“ vorbei, wünschten ihr „Einen guten Morgen“ und sie uns „Einen guten Weg!“ – Wir mussten jetzt immer öfter auf Radwegen an viel befahrenen Straßen und durch Ortschaften marschieren, aber dies war ja ein Zeichen dafür, dass wir unserem Ziel allmählich näher kamen. Wenn wir gelegentlich durch einen Stadtpark kamen, drückte Monika wildfremden Personen ihre Kamera in die Hand und bat sie um eine Aufnahme des Wandertrios.

Vom Kölner Dom war immer noch nichts zu sehen, aber plötzlich standen wir vor der Severinstorburg am Südrand der Kölner Altstadt. Jetzt waren es nur noch wenige Meter bis zur Kirche St. Severin, vor deren Eingang sich das gepflasterte Labyrinth befindet. Wir stellten unsere Rucksäcke an der Kirchenmauer ab und gingen behutsam – um ja nicht mit den hindurchhastenden Passanten zusammenzustoßen, durch das achteckige Labyrinth. Nach einem kurzen Kirchenbesuch zogen wir weiter Richtung Dom. Durch die enge Severinstraße und die anschließende Hohe Straße mussten wir uns zur Feierabendzeit regelrecht durch die Fußgängermassen hindurchkämpfen. Zusätzlich kamen uns laut grölend noch die Anhänger von Alemannia Aachen entgegen, die den Europacup-Sieg ihrer Mannschaft im Kölner Stadion gegen den französischen Spitzenklub OSC Lille feierten. Schließlich erreichten wir doch noch den Dom, vor dem Musikanten und Gaukler ihr Können zeigten. Wir bogen jedoch zunächst einmal links ab, um im Café Reichard am Fuße des Doms zu leckerem Apfel- und Marillenstrudel den angekündigten heiß ersehnten Kaffee zu uns zu nehmen.

Inzwischen wurde es 17.00 Uhr und die Zeit des Abschieds nahte. Monika und Ruth wussten bereits, dass ihr Zug in Richtung Duisburg um 17.51 Uhr in Köln abfuhr. Sie hatten also noch etwas Zeit, um einen Abstecher in den Dom machen zu können. Dort gibt es auf dem Weg zur Krypta auch ein Labyrinth, das allerdings nicht begehbar ist. Da ich ja noch mit dem Zug nach Euskirchen zurückfahren musste, um dort mein Auto abzuholen, verabschiedete ich mich von Monika und Ruth und ging zum Hauptbahnhof gegenüber, um mich nach der Abfahrtszeit des Zuges zu erkundigen und eine Fahrkarte zu lösen. Der Zug sollte 17.47 Uhr auf Gleis 5 abfahren, kam aber mit einigen Minuten Verspätung im Kölner Hauptbahnhof an. Kurz nachdem ich eingestiegen war, tauchten auch Monika und Ruth auf demselben Bahnsteig an, da ihr Zug in Richtung Duisburg auf Gleis 4 abfahren sollte. Sie versuchten mir von draußen zu signalisieren, dass sie das Labyrinth im Kölner Dom entdeckt hatten, und ich versuchte ihnen verständlich zu machen, dass ihr Zug nach Duisburg jede Minute abfahren würde. Es gelang mir nicht! – So fuhr der Zug ohne sie los, und so hatten Monika und Ruth noch eine Stunde Zeit, um ein paar weitere „Kölsch“ zu genießen.