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Ein Gastbeitrag des Sprachforschers Zoltán Kruse

Ursprung und Sinnbedeutung des Toponyms CHARTRES

© Zoltán Ludwig Kruse

 Die weiträumige Bedeutungs-Sphäre des Toponyms Chartres ist determiniert von den Urwortskern-Archetypen, die in ihm geborgen sind. Es schwingen in ihm: CHAR/KAR und  TRES. TRES höre ich als eine erweiterte Gestalt des Urwortskern-Archetyps TER → TER-ES, mit Elision des interkonsonantischen Vokals: T()R-ES. Wenn ich mir nun KAR/KÖR und TER vom Wortschatz der magyarischen Sprache ausgehend anhöre – und dies mit gutem Grunde, denn seine Grundlage bilden bekanntlich Urwortskern-Systeme – so schließen sich zwei umfangreiche Inhaltsbereiche auf: KAR Arm (krumm) /KÖR Kreis und TÉR wendet, kehrt (Tor~nado, Tur~bine, Tur~bo, Tur~bulenz, Tur~nier, Tor~pedo, Tur~m); Raum/Feld/Gebiet (Ter~ra, Ter~rain, Ter~ritorium, ter~restrisch), bzw. TÉR-ÉS Wenden, Kehren. Allerdings nehmen diese Bedeutungen ihren Ursprung in den noch kürzeren Urwortskern-Archetypen, die in KAR und TÉR inbegriffen und wirksam sind, nämlich: ÁR Flut, Strom, Preis bzw. ÉR Ader, Vene, Arterie, Quelle, Rinnsal, (be)rührt, (ge)langt, reift, ist wert. Das heißt, dass KÖR (fra. cœur Her~z) Kreis und TÉR Raum/Feld, wendet/kehrt sind ÉR Ader, Ar~t~er~ie, Vene und ÁR Flut/Fluss, Strom gekennzeichnet. Sie sind übrigens das pochende Herzstück YR des LABYRINTHOS – Schlüsselbundes.  Eine durchaus bemerkenswerte, aufschlussreiche Aussage! Hieraus lassen sich die beiden Bedeutungen: KÖR – TÉR-ÉS Kreis – Wenden/Kehren und KÖR-TÉR EZ Kreis-Raum/ Feld/Gebiet/Platz ist dies ableiten. Die Situation ist aber, wie es aus dem nachfolgenden „Krisen“ – Text hervorgeht, noch sehr viel komplexer.

Ursprung und Sinnbedeutung des Wortes “Krise“

© Zoltán Ludwig Kruse

 Der Duden Herkunftswörterbuch liefert den Suchenden über das Wort “Krise“ folgende Auskunft: Krise, griechisch krísis, lateinisch crisis (vgl. kritisch) bedeutet „entscheidende, schwierige Situation; Klemme. Das verwandte Wort “kritisch“ bedeutet „streng, prüfend, beurteilend, anspruchsvoll, wissenschaftlich erläuternd; bedenklich, gefährlich“. Aus lat. criticus, gr. kritikós „zur entscheidenden Beurteilung gehörig, entscheidend, kritisch“ entlehnt. Aus dem gr. Verb krínein „scheiden, trennen; entscheiden, urteilen“ entwickelt, wie auch gr. kritérion, latinisierende Gestalt Kriterium, „unterscheidendes Merkmal, Kennzeichen, Prüfstein und gr. krísis “Krise, Krisis“. Das substantivierte Adjektiv gr. kritiké „Kunst der Beurteilung führt über fr. critique zu dt. Kritik. Ebenfalls substantiviert erscheinen gr. kritikós, lat. criticus “kritischer Beurteiler“, in dt. Kritiker. Die Verbform hiervon ist “kritisieren“.

 Ich denke, mehrsilbige Worte wie „krineín, kritiké, kritikós“ kann man unmöglich als Ursprung angeben. Ursprung sind stets die einsilbigen Wort-Samen, die Urworts-Kerne, die in allen Sprachen vorkommenden Wort-Archetypen. Und sie sind keinesfalls als starre, unveränderbare Wortbildungen aufzufassen. Ganz im Gegenteil. Die kennzeichnende Grundeigenschaft eines Urwortskern-Archetypus, in unserem Fall KIR, ist nämlich die seiner Veränderbarkeit. Durch das kreative Variations-Spiel der urwortskerneigenen Laute entstehen Wandlungsgestalten mit denen die Differenzierung der Grundbedeutung erlangt wird. Der Rahmen der Veränderbarkeit der beiden  Gutturalen K (stimmlos) und G (stimmhaft) ist umfangreich, nämlich: K/G < GY < C < CH < H < J < SCH < TSCH < S < Z. Ebenfalls jener der Vokale, praktisch alle. Und schließlich der Liquide R kann mit L alternieren (z. B.: sum. GIR, mag. GYER-EK, engl. chil~d, dt. Kind/Gör~e). Diese Dimension des Lautspiels oder -Variation erhält eine Ergänzung durch jene des Wechsels der Lautreinfolge. Die meist vorkommende Permutationsgestalt von KIR ist KRI, seltener RIK oder IRK, IKR.

 Lange bevor es die mit “kri“ beginnenden griechischen Worte geben konnte, gab es den Urwortskern-Archetypus KIR samt zahlreichen Wandlungsgestalten. Voraussetzung für das Verstehen der aus diesem Urwortskern entwickelten Sinnbedeutungen ist das Kennenlernen der Serie von Variationsgestalten des Urwortskernes KIR/GIR mit ihren jeweiligen semantischen Werten, Grundlage der Bedeutung von „Krei~s, lat. cir~cum, cir~culus, cir~cuitus, it. cer~chio, rum. cer~c, engl. cir~cle, fra. cer~cle“. Im Griechischen ist der Ausdruck der Bedeutung Kreis mit dem Wort “kýklos“ realisiert. Hier ist die Präsenz des Urwortskernes KIR eher unauffällig. Er fällt auf Anhieb kaum auf, einerseits weil er nicht gleich am Anfang sondern erst in der Mitte des Wortes vorkommt, andererseits weil er weder in der KIR noch in der KRI sondern in der K()L Gestalt erscheint, also mit alterniertem Liquida (R↔L). Das griechische „kýklos“ ist im deutschen Wort Zyklus leicht wiederzuerkennen. Aufschlussreich ist hierzu die agglutinierte Wortgestalt KI~KEL~ÉS im Magyarischen, mit der Bedeutung ´Auf~gehen, Aus~schlüpfen´. Von dieser Bedeutungsperspektive aus betrachtet erweist sich K()L, in der Gestalt KEL, als “geht/steht auf, erhebt sich“. Das Wort KEL~ET (KEL-ÚT “geht auf –Weg“) bedeutet “Osten, Aufgehen/Aufstehen“; KI~KEL~ET “Lenz“ Hinsichtlich der Einheitlichkeit in der Realisierung des verbalen Ausdrucks im Magyarischen ist das folgende Anwendungsbeispiel recht aufschlussreich:
KI KEL KEL~ET~EN? Wer geht/steht auf/erhebt sich im Osten?
A KÖR – KOR~ONG KEL KEL~ET~EN Die Kreis-Scheibe geht auf/erhebt sich im Osten.

 Auch zeigen ergänzend die griechischen Worte Chri~sáfi Gold, chri~safís goldfarben, chri~sós golden, Gold- eine eindeutige enge Verbindung zum Kreis, der leicht als der leuchtende Kreis am Himmelsgewölbe, eben als die goldene Sonnen-Scheibe erkannt werden kann. Die Namen Christós (Gesalbter), Christus und Krishna, und auch Kyr~ie Herr, Gur~u Meister (im Magyarischen GÓR~É bedeutet  Haupt, Herr, Chef, Meister, Leiter) gehören in diesen Kreis. Außerdem können  hier noch chrí~ma Geld (↔ Gold-Münze), chri~sáfi Gold, chri~safís goldfarben, chri~sós golden, Gold-, chrí~si Gebrauch, Verwendung, Nutzung (als zyklisch/kreisförmig wiederkehrende Handlung) und auch die Münzen Kreu~zer/mag. kraj~cár (Wert: 1/100 Gulden) und Gro~schen mag. GAR~AS ergänzend genannt werden. Dieser letzte Gold-(Geld)-Gelb- Bereich des Bedeutungskreises wird im Magyarischen mit den Wortgestalten: SAR [•]r] (G/K → Sch) Lohn, SÁR [•a:r] Kot, SÁR~GA Gelb sowie SÁR~ARANY gediegenes Gold (ÁR Flut, Preis; ARÁNY Verhältnis, Relation) realisiert.

 Im hungar-/magyarischen Wortschatz befindet sich ein reichhaltiges System des Urwortskernes KIR. Die Bestandteile dieses Urwortskern-Systems sind in der folgenden Aufzählung in Fettschrift notiert. Das System mit einigen Entwicklungsgestalten hört sich folgendermaßen an: KÖR Krei~s, Entwicklungen KÖR~ÖS be~krei~st, KÖR~ŐS Krei~sahn, Krei~sursprung,  KÖR~ÜL her~um, GÖR~DÜL rollt, GÖR~BE kru~mm, gebogen, KÖR~BE (rund-/rings-) her~um, KÖR~ÖZ kur~siert, umläuft, zir~kuliert, KÖR~NYÉK Umgebung, KÖR-EMLÉK/”CROMLECH” Kreis–Denkmal/Andenken/Erinnerung, KÖR-HANT/”KUR-GAN” Kreis/Rund-Hügelgrab, KÖR~ÍT gar~niert, GUR~ÍT rollt (etwas), GUR~UL (es) rollt, GUR~IGA, KAR~IKA Reif, Reifen, Ring, GÖR~GŐ Rolle, KOR~ONG Scheibe, KER~ING kreist, umläuft, KER~ENG~Ő Kreuzgang, KER~ING~Ő (Kreis-Pendeln) Walzer, KAR~IMA Kre~mpe, Rand, KÖR~ÖM Nagel, KER~EK rund, krei~sförmig, KER~ÉK Rad, KÉR~EG (runde) Rinde, KER~ÍT umgibt, umzäunt, verschafft, nimmt her, holt her~bei, KER~T Gar~ten, KER~T~EL redet her~um, macht Umschweife, KER~ET Rahmen (rund~her~um), KER~ÍT~ÉS Zaun, KER~ES sucht (sich her~um drehend), verdient (Lohn), KER~ÜL flieht (Zentrifugal-/Flieh-Kraft), meidet, gelangt, macht einen Umweg (geht drum~her~um), KER~ÜL~ET Umfang, Be~zir~k, KER~ECS~EN (SÓLYOM) Hor~us / Wander – (Falke);  KÉR bittet, verlangt, fragt, Entwicklungen KÉR~ÉS Bitte, Anliegen, Verlangen, KÉR~D, KÉR~D~EZ fragt, KÉR~D~ÉS Frage, CSER~E Wechsel, Tausch, CSER~ÉL wechselt, tauscht, CSÍR~A Keim; KAR Arm (ge~krü~mmte Gliedmaßen mit denen der Mensch den Krei~slauf des Gegenstände an sich Her~anholens und von sich Her~gebens tätigt), Chor (Sänger-Runde), Entwicklungen KAR~D Schwert, KAR~Ó Pfahl, (Bohnen) Stange (um die sich die Pflanze her~umwickelt), KAR~OS „bearmt“, mit Arm ausgestattet, KAR~OL umarmt, umfängt, KAR~ÁM Kral, Pferch, KAR~ÁCS~ONY, rum. cră~ciun, Weihnachten (Zeit der Wintersonnenwende); KÁR Schaden, Entwicklungen KÁR~OS schädlich, KÁR~OS~ÍT schädigt, KÁR~OS~OD~ÁS Schädigung; KOR Alter, Zeitalter (krei~sende Uhrzeiger), Entwicklungen KOR~OS bejahrt, betagt (viele Sonnenumläufe/-jahre alt), KOR~MÁNY Steuerrad, Ruder, Regierung; KÓR Kra~nkheit, Entwicklungen KÓR~OS kra~nkhaft, KÓR~HÁZ Kra~nkenhaus, KOR~HELY Lump, liederlich; GAR Stimmenflut, GAR~AT Gur~gel, HER~E Hoden, GYÁR Fabrik (schnelle, radbestimmte Produktion von Produkten), GYÁR~T fabriziert, produziert, GYÁR~T~ÁS Fabrikation, Herstellung, Fertigung, Produktion, GYÁR~OS mit Fabrik ausgestattet, Fabrikant, GYOR~S schnell, geschwind, GYOR~S~ÍT beschleunigt (Rad ↔ Fahrzeug, Produktion) GYOR~S~UL beschleunigt sich (Geschwindigkeit, Krei~slauf), GYER~EK Kind (Familien-Krei~s,  Generations-Krei~s); JÁR geht (abrollendes Schreiten der Füße), bewegt sich, GYÚR knetet, walzt, GYŰR knüllt, GYŰR~Ű Ring, HÍR Kunde, Nachricht, Botschaft (wird in Umlauf gebracht), Entwicklungen HÍR~ES berühmt, HÍR~DET verkündet, verlautbart, HÍR~HEDT berüchtigt, HÍR~NÖK Bote, HÍR~TELEN plötzlich, schlagartig, rasch (“nachrichtlos, ungewarnt“), usw.

 In allen diesen magyarischen Wortklängen kommt die Grundbedeutung KÖR Kreis zur Geltung; das zyklisch Wiederkehrende, das um die eigene Mitte Umlaufende, vorwärts Rollende, das kreislaufend Runde, das Sonnen-Rad. Wie es sich leicht feststellen lässt, gelangt die Grundbedeutung KÖR Kreis oft im übertragenen Sinne zur Geltung.  Es handelt sich somit nicht lediglich um die gewohnte, ausschließlich geometrische Bedeutung des Wortes Kreis, vielmehr um die allgemeine, ganzheitliche, im Sinne eines zyklisch wiederkehrenden Strömungsprozesses. Dieser, den Menschen aller Zeiten beschäftigende Urgedanke, ist bereits im III Jahrtausend v. u. Z. im kingir/šumerischen Keilschriftzeichen GAR (Labat Nr. 597) mit den Bedeutungen sammeln, Summe, Gesamtheit, in treffender Art und Weise zum Ausdruck gebracht worden: . Die innige, untrennbare Verbundenheit des hungar/magyarischen (in mittelalterlichen Schriften wurden die Hungar/Magyaren noch `Kangares´ genannt) Urwortskernes KÖR Krei~s samt Wandlungsgestalten mit dem kingir/šumerischen GAR sowie seinen verwandten Gestalten GIR/QIR/KIR Kind (Labat Nr. 346, geschrieben mit dem Ideogramm des waagerecht strömenden Fisches), GÚR sich krümmen (Labat Nr. 362), GUR (Labat Nr. 111) sich drehen, sich verändern/wandeln/wenden, KUR (Labat Nr. 366) Berg, Land, nehmen, erreichen/treffen, strahlen, erscheinen, Auflodern/Leuchten und KÍR (Labat Nr. 424) Her~z (lat. cor, it. cuor~e, fra. cœur,  spa. cor~ason engl. hear~t, car~diac, cor~date her~zförmig, cor~diality Her~zlichkeit), ist selbstverständlich.

 Bedeutungsvoll und überaus aufschlussreich  scheint mir die zwischen den Urwortskernen GAR/KIR und BAR/PIR bestehende sehr enge Beziehung. Man kann sogar sagen, dass sie von wahrhaftiger Kon-fusion, von Vermischung sei. Dies weil sowohl der eine als der andere auf das große Thema “Sonne“ bezogene archetypische Klanglichkeiten sind. Wie man wohl weiß, die den Licht und Wärme ausströmenden  Stern erfassenden menschlichen Wahrnehmungen sind vielfältig. Mit dem Urwortskern GAR/KAR/KÖR (und Varianten) werden vorwiegend Aspekte reflektiert, die an seine Erscheinung und an seine Umlaufbahn am Himmelsgewölbe, an seine zyklisch kreisende Bewegung, die Tag-Nacht sowie Ablaufen des Zeitstromes bewirken und Ähnliches  gebunden sind. Während mit dem Urwortskern BAR/BIR/PIR werden Aspekte reflektiert, die an seine chromatische Erscheinung von Röte (Feuer/fire/Feuer/Für, Pyr~os → py~rot, py~red, py~rouge, py~rosso, py~roşu usw.), an sein Dasein von wär~meausstrahlende, bro~delnde Quelle und auch an seine pir~ouettengleich wir~belnde/pyrot~ierende Bewegung gebunden sind. Ja, selbst der Urwortskern TÉR, der Aspekte von Raum, Feld, Einfluss-Sphäre, Kehren, Wiederkehren, Wenden reflektiert, ist in enger Beziehung mit dem Archetypen GAR/KÖR Kreis. Einige Beispiele hierzu: A KÖR FOR~OG Der Kreis dreht sich. KÖR-FOR~G~ÁS Kreis-drehung/Kreis-lauf. Im Kör-per, lat. corpus, (KÖR-PÍR Kreis-Röte, KÖR-VÉR Kreis-Blut) geschieht VÉR- KÖR-FOR~G~ÁS/KER~ING~ÉS  Blut-Krei~slauf/Zir~kulation/(Py)Rotation/Umlauf.

 Im deutschen Wortschatz wiederfinden wir den Kreis – Kreislauf bedeutenden Urwortskern GIR/KIR/GAR/KAR/KÖR beispielsweise in Worten wie: Hör-, Chor, Hör~en, Hor~chen, (H)Ohr, Har~monie, Ak~kor~d, Herr/-in, Kör~per, Kar~ma, Her~z, Hir~n, Har~n, Gar~n, Kor~n, Ker~n, Hor~n, Har~fe, Kar~ren, Kar~riere, Zir~kel, zir~kulieren, Zer~emonie, Zir~kus, Kur, Kur~ve, Ker~ker, Kar~zinom, Kre~bs, Kur~s, Kur~ier, Kur~bel, Kür, Kür~bis, Gar~ten, Gur~ke, Gur~t, Gür~tel, Kro~ne, Wal~kür~e (aengl. wæl~cyr~ge) („von ihren Goldhelmen und Harnischen geht blendender Glanz aus, und Sonnenstrahlen brechen aus ihren Speeren und Schilden“), Schar~ade fra. char~ade Rätsel (zu erraten durch Fragen beantworten: KÉR bittet, verlangt, KÉR~D fragt, KÉR~D~ÉS Frage → Char~ade Rätsel) usw.

 Die Urwortskern-Gestalt KIR, mit der alternierten Anordnung der Konsonanten, scheint mir die ursprüngliche zu sein. In solcher Anordnung erhalten im allgemeinen konsonantische (mitlautende) Verschluss-, Enge- oder Reibe-Momente  durch ihre Alternierung mit Vokalen eine jeweilige, ausgleichbringende Öffnung. Konsonanten können in dieser Art sehr viel leichter artikuliert werden als in vokallosen Aufeinander-folgen. Die Artikulation ist bequem und verhältnismäßig einfach. Die eine Stauung der beiden Konsonanten aufweisende Gestalt KRI stellt, m. E., eine geänderte, permutierte Anordnung der ursprünglichen Ko. + Vo. + Ko. Reihenfolge der Laute des Urwortskernes KIR dar.

 Nun aber zurück zum Hauptargument dieses Textes: Ursprung und Sinnbedeutung des Wortes „Krise“. Wie wir erfahren haben, stellt sie, laut Duden, eine schwierige, kritische Lage dar, die einer Lösung, einer Entscheidung bedarf. Die sich in der „Krise“ befindende, von der „Krise“ betroffene Person fühlt sich so, als würde sie sich im Kreis (KÖR) herum (KÖR~ÜL, KÖR~BE) drehen, als wäre sie eingeengt, eingezäunt, ja, einge~ker~ker~t (KER~ÍT). Verunsichert und etwas orientierungslos um~her~schweifend sucht (KER~ES) sie nach einer Lösung. Das Bedürfnis, der Drang aus dem Krisen-Kreis heraus zu brechen wird immer größer und konkretisiert sich oft in einer flehenden Bitte (KÉR~ÉS, KÉR bittet). In Krisensituationen häufen sich Fragen über Fragen (KÉR~D~ÉS), die nach einer Antwort suchen. Durch die „Krise“ bewirkt entstehen bekanntlich meist Schäden (KÁR). Die „Krise“ kann somit schädlich (KÁR~OS) sein; aber sie kann zugleich auch nützlich sein – nützlich zur Reifung. Der „Krisen“ gibt es vielerlei Arten. Häufig sind „Krisen“ alters- (KOR) und kra~nkheitsbedingt (KÓR). Und nicht selten müssen bejahrte  (KOR~OS) Personen in Krisensituationen der Gesundheit das Kra~nken-Haus (KÓR-HÁZ)  aufsuchen. Die von der „Krise“ betroffene Person stellt sich sehr viele Fragen. Hilfe suchend stellt sie auch anderen Menschen Fragen, Freunden oder eben auch Fachleuten, Therapeuten. Fragen, die manchmal beantwortet werden, andere Male aber von Außenstehenden kaum zufriedenstellend beantwortet werden können. Die im „Krisen-Kreis“ steckende Person muss die Antwort in sich selbst, in der eigenen Mitte suchen (KER~ES) und finden. 

 Aufschlussreich ist die Benennung der „Krise“ in Magyarisch, nämlich: VÁLSÁG. Der Zeitwortskern VÁL~, der hier die Grundlage bildet, drückt die Bedeutung trennen/scheiden aus. Er wird ergänzt vom substantivierenden Formanten ~SÁG -schaft/-tum/-heit/-erei.  VÁL~SÁG würde man wörtlich somit als „Trenn-erei/Scheid-erei“ übersetzen. In einer ganzen Reihe von anderen sinnverwandten Worten kommt der Zeitwortskern VÁL~ gleichermaßen als Basis vor; so z. B. in VÁL~IK trennt / scheidet sich, wird zu etwas, verwandelt sich, es gedeiht/gereicht, VÁL~ÁS Trennung, Scheidung, VÁL~ASZ Antwort (↔ Wahl-/Entscheidungswort), VÁL~ASZ~OL antwortet (gibt Wahlwort), VÁL~ASZ~T wählt (↔ durch Entscheidung), VÁL~ASZ~T~Ó Wähler/in (↔ Entscheider/in), wählend, VÁL~ASZ~T~ÁS Wahl (↔ Entscheidung), Wählen (↔ Entscheiden), VÁL~ASZ~T~ÉK Auswahl, VÁL~ASZ~T~É~KOS ausgesucht, VÁL~ASZ~T~MÁNY Ausschuss, VÁL~ASZ~ÚT Scheideweg (Antworts-/Entscheidungs-Weg).

 In Krisensituationen entsteht meistens der gefürchtete Krisen-Krei~s, der so genannte „Teufels~Krei~s“  (lat. cir~culus vitiosus, it. cir~colo vizioso). In  ihm ist die betroffene Person festgefangen. Um aus dem abschließenden (KER~ÍT) Rahmen (KER~ET) dieses Kreises (KÖR) heraus zu gelangen bedarf sie ganz besonders großer Entscheidungs-Kraft; also großer Wahl- und Trennungs-Kraft.

 So entpuppt sich also das etablierte griechisch – lateinisch – deutsche, ja, europäische Wort „krisis, crisis, Krise“ als aus dem Urwortskern-Archetypen KÖR Kreis entwickeltes KÉR bittet, KÉR~ÉS Bitten, Verlangen, KER~ES sucht, KER~ES~ÉS / K()risis / Suchen, KÖR~ÖZ~ÉS / K()risis / Umlaufen, Kursieren und KÉR~D~ÉS Fragen. Und wonach wohl? Eben, nach lösender, aus dem Teufels-Kreis der Krise führender Antwort.

 Mir ist klar, dass diese Gegebenheit, so evident sie auch ist, tendenziell von manchen Menschen abgelehnt wird. Möglicherweise mit verschiedenen historisch-machtpolitisch beeinflussten, scharfsinnigen Begründungen. Aber, wie es sich leicht feststellen lässt, sind Geschichte und Machtpolitik an und für sich das Ergebnis entstellender Manipulierungen von Siegenden. Für manche wird es vermutlich unverständlich, unbequem oder auch peinlich sein, dass die zusammenhangbietende Er-Klärung der Sinnbedeutung des Wortes „Krise“, wie vieler anderer Worte übrigens auch, ausgerechnet aus dem Magyarischen kommt und nicht im Altgriechischen, Hebräischen oder im Lateinischen zu finden sei. Dennoch, mit einfachem, gesundem Menschenverstand gedacht, kann Erklärung aber nur aus Sprachen kommen, die in ihrem Wortschatz ursprüngliche Urwortskerne bewahrt haben. Und zwar nicht als einzeln, splitterweise vorkommende, sondern als umfangreiche Systeme bildende Urwortskerne. Wie dem auch sei, die eventuelle Ignorierung dieser Gegebenheit lässt ihre Gültigkeit noch keinesfalls inexistent werden. Die Wahl der Entscheidung über Annahme, Beherzigung, Anwendung oder Ablehnung der hier mitgeteilten Kunde liegt ganz allein bei der verehrten Leserschaft.

 Ob nun die Krise, der Sonnen-Kreis, das Her~z cœur, das Kreislaufen und all die anderen verwandten, im diesem Text erläuterten Wortsbedeutungen etwas mit der Reise nach Chartres, der Kathedrale, seinem beeindruckenden Chor mit den unterirdische Wasserläufe/Arterien führenden Kanälen, seinem berühmten Labyrinthos und dem Spiel, ja, dem kreativen Spiel mir der goldenen Luft-Sphäre, dem Ball, etwas zu tun haben oder nicht, bzw. was sie damit zu tun haben, diese Frage möchte ich gerne der Findigkeit meiner verehrten Leserschaft überlassen.

 Mehr über den LABYRINTHOS Lebens-Code, das Buch LABYRINTHOS Wortkernschichtung und den Autor selbst können Sie auf seiner Website laberintes.de erfahren.

Einsicht

Am Freitag (3.9.2010) war auf dem Kongress der Tag der Workshops.

Ich ging zu Workshop 9 mit dem Titel: Kosmische Dimensionen des Labyrinthweges und Tanz

Wie kam ich ins Labyrinth?
Wie kam das Labyrinth in Mich?
Mein Schutz vor verborgenen Ängsten und ihre Sprengung – Grafische Aufzeichnungen vom Punkt zum Kreis über Doppelspirale zum Ariadnefaden – Tanz durch den neuen Ariadnefaden zum Inneren des Horizontkreises (autonomen Selbst) und zum Äußeren des Horizontkreises (Bezug zum Kosmos und Anderen) – Tanz oder Gang durch den Ariadnefaden.

unter der Leitung von Gundula Thormaehlen-Friedman.

Das Ganze spielte sich ab im LVR-Industriemuseum Euskirchen und dauerte etwa von 11 bis 17 Uhr.

Vor allem interessierte mich der Programmpunkt Grafische Aufzeichnungen vom Punkt zum Kreis über Doppelspirale zum Ariadnefaden. Gundula hatte mir das zwar schon alles in Bad Kreuznach ausführlich erklärt und gezeigt, aber ich hatte es nicht wirklich verstanden. Ilse hatte auch versucht, es mir klar zu machen und einige Zeichnungen für ein Skript von mir dafür gewollt. Aber auch da war mir nicht alles klar und es blieben Fragen offen.

So war ich also sehr gespannt und schrieb auf mein am Eröffnungstag (2.9.2010) von Rosmarie Schmid und Agnes Barmettler ausgeteiltes Täfelchen, auf dem wir unsere Erwartungen in einem Wort formulieren sollten: Neues?

Moderation

Moderation

Und am Ende des Workshops, wie gewünscht, in einem Wort, was wir erhalten hätten. Ich schrieb: Einsicht.

Was für eine Einsicht habe ich da gewonnen?

Die Schamanin und Künstlerin Gundula hat es in den Stunden des Workshops verstanden, mir (und hoffentlich auch den übrigen Teilnehmerinnen) zu vermitteln, wie sie zu ihrer Sicht des Labyrinths gekommen ist und wie sie an den Bau eines Labyrinthes herangeht mit ihrem Verständnis von Bewegung und Energie.

Dabei entsteht aus dem Tanz und der Bewegung der Weg des Labyrinths, also der Ariadnefaden. Auf dem Papier und sogar auf dem Rasen gelingt das.
Auf dem Papier mit dem Bleistift in handgezeichneten Linien, die harmonisch miteinander verbunden sind.
Auf dem Rasen in getanzten Schritten, ohne Spuren zu hinterlassen.

Mir gelingt es allerdings nicht, aus dem vorgegebenem Muster eine geometrisch nachvollziehbare Konstruktionszeichnung zu entwerfen; schon gar nicht in digitaler Form. Das macht auch nichts, denn Gundula ist die Erfinderin dieser Methode und für mich die Skateboard-Labyrinth-Schamanin. Denn sie sieht in den größeren und kleineren Kreisen einfach die Rollen an einem Skateboard.

Die Grafik zeigt das von Gundula vermittelte Grundmuster zum Zeichnen und Tanzen des Ariadnefadens. Zum Vervollständigen muss man einfach mit einem Bogen die gleichen Ziffern verbinden, also von der linken 7 über die 8 hinweg die rechte 7; dann die 6 links mit der 6 rechts usw. bis zur 1. Bei o ist der Beginn des Ariadnefadens, bei 8 das Ende und damit das Zentrum.
Am besten: Selbst probieren. Dazu das Muster kopieren oder neu zeichnen und die Linien verbinden. Dann entsteht der Weg im Labyrinth, der Ariadnefaden.

Muster

Muster

Ich habe in diesem Workshop und durch Gundula eine neue Sicht auf das Labyrinth bekommen, also an Ein-sicht gewonnen. Da sie auch nicht behauptet, dass diese ihre Sicht auf das Labyrinth die einzige und alleinige ist, ist das eine Bereicherung und eine schöne Sache.

Nun bin ich den umgekehrten Weg gegangen und habe ihr Muster auf einen “fertigen” Ariadnefaden gelegt. Da kann ich alle 16 Punkte wieder finden, allerdings gehen die Linien nicht direkt hindurch und das Labyrinth ist verdreht. Und die Kreisbögen gehen nicht von Punkt zu Punkt.

Ariadnefaden

Ariadnefaden

oder auch:

Das schiefe/ schräge / krumme / verdrehte / verschobene / verwundene Labyrinth

Betrachtet mit den Augen eines Geometers und Labyrinthebauers (wahlweise: Designer oder etwas abgehobener: experimenteller Labyrinthologe)

Das klassische Labyrinth

Hier das klassische Labyrinth, entwickelt nach dem bekanntem Grundmuster mit dem Kreuz, den vier Punkten und den vier Winkeln dazwischen. Angeordnet in einem Quadrat.
 

Das klassische Labyrinth mit gleichen Wegbreiten

Das klassische Labyrinth mit gleichen Wegbreiten

Daraus entfaltet sich das ganze Labyrinth, indem alle Elemente bogenförmig miteinander verbunden werden. Also eine Synthese von Quadrat und Kreis. Somit ergeben sich 5 Mittelpunkte, die alle im Quadrat liegen und und deren Bogenstücke (Halb- und Viertelkreise) knickfrei (hierbei spielt der rechte Winkel eine Rolle) aneinanderstoßen. Das ergibt die Labyrinthfigur mit ihren Begrenzungslinien.
Will man ein (begehbares) Labyrinth mit gleichen Wegbreiten, tritt das zentrale Ausgangskreuz zurück und es bleibt ein rautenförmiges Gebilde (die Fontanelle).
Schaut man die Lage der sich ergebenden Wege an, erkennt man. dass die Eingangsachse, die Mittelachse, die Zentrumsachse in verschiedenen Ebenen liegen. Die Eingangsachse liegt nicht in einer Linie mit der Wegachse, die in die Mitte führt. Es gibt so etwas wie ein Zentrum und eine Mitte, die voneinander verschieden sind. Erst im römischen Labyrinth fallen die zusammen.
Oder anders ausgedrückt:
Ein Labyrinth ist nicht symmetrisch, obwohl es gleichmäßig aussieht.
Ein Labyrinth  ist keine Spirale, obwohl sich die Wege winden.
Ein (klassisches) Labyrinth ist keine Kreisfigur, obwohl es aus lauter Kreisbögen besteht.

Hier können Sie sich die Konstruktionszeichnung für ein klassisches Labyrinth als PDF-Datei anschauen / drucken / speichern / kopieren.

 
Das Knidos Labyrinth

Für begehbare Labyrinthe wird oft eine größere Mitte gewünscht.
Erstmals ist ein solches Labyrinth auf einem Graffito zu sehen, das auf einem Steinblock auf der Halbinsel Knidos in der heutigen Türkei bei Ausgrabungen römischer Anlagen gefunden wurde und in die byzantinische Epoche datiert werden kann.

Das Knidos Labyrinth

Das Knidos Labyrinth

Der Mittelpunkt für die Mitte springt also gleichsam aus dem Quadrat heraus (quasi ein Eisprung).
Die geometrische Umsetzung wird nun schwieriger. Behält man die übrigen vier Mittelpunkte im Quadrat bei, verschieben sich die verschiedenen Achsen in unterschiedlichen Abständen und aus den Halb- und Viertelkreisen werden größere und kleinere Segmente (Kuchenstücke). Insgesamt wird die Labyrinthform runder.

Hier können Sie sich die Konstruktionszeichnung für ein Knidos Labyrinth als PDF-Datei anschauen / drucken / speichern / kopieren.

 
Das mittige Knidos Labyrinth

Möchte man nun dass die Achse des letzten Wegstückes und der Mittelpunkt der Mitte auf der gleichen Linie liegen, verschieben sich die beiden rechten Mittelpunkte im Quadrat etwas nach oben und nach links. Aus dem Quadrat wird eine Raute und die Kuchenstücke verändern sich ebenfalls.

Das mittige Knidos Labyrinth

Das mittige Knidos Labyrinth

Hier können Sie sich die Konstruktionszeichnung für ein mittiges Knidos Labyrinth als PDF-Datei anschauen / drucken / speichern / kopieren.

 
Das zentrierte Knidos Labyrinth

Sollen nun alle Achsen auf einer Linie liegen (wie z. B. beim Santa Rosa Labyrinth), verschieben sich die 4 Mittelpunkte im Quadrat noch mehr. Damit aber auch die Kuchenstücke und die Fontanelle. Die ursprünglichen 4 Mittelpunkte haben sich total verzogen und liegen schief im Labyrinth.

Das zentrierte Knidos Labyrinth

Das zentrierte Knidos Labyrinth

Hier können Sie sich die Konstruktionszeichnung für ein zentriertes Knidos Labyrinth als PDF-Datei anschauen / drucken / speichern / kopieren.

 
Welches Labyrinth gefällt Ihnen/Dir am besten?

Es kommt natürlich auch darauf an, an welchem Ort sich das Labrinth befindet und welchen Zwecken es dient, was damit ausgesagt werden soll und was einem persönlich wichtig ist.
Weitere Variationen sind noch möglich, die einfachsten erhält man durch Spiegeln an einer vertikalen Achse.
Die Entwicklungsstufen vom klassischen Labyrinth zum zentrierten Knidos Labyrinth könnte man auch als eine Wandlung vom Quadrat und Rechteck zum Kreis betrachten. Die Endstufe wäre dann vielleicht das Chartres Labyrinth, das den Kreis und die Mitte noch mehr betont und wo die Kreuzform im ganzen Labyrinth ausgedrückt wird.

 
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