Feeds
Artikel
Kommentare

© Zoltán Ludwig Kruse

Sanskrit Bezüge zum Urwortskern T[i/ü/e/a/ö/o/u]R

Wie die folgenden Wortklangbeispiele es belegen, sind die Bezüge auch in dieser alten Sprache reichhaltig: dār~a (engl. ”tear~ing”) ”wild wütend, Zerriss, Brechen, Spalten” (↔ TÖR); dār~aka (engl. ”breaking, tear~ing, splitting”) ”Brechen, Zerkleinern, Bruch”; dār~i (engl. ”splitting, tear~ing asunder”) ”auseinander reissen”, dār~ita (engl. ”tor~n, rent, divided”) ”zerrissen, Riß, Sprung, Spalt, geteilt”; dār~ú (engl. ”braking, splitting”) ”Brechen, Spalten” (↔ TÖR~Ő ”Brecher, brechend/e/r”); Dār~uka, Name von Krishna´s Wagenlenker (der herum~fähr~t/-kehr~t; TÉR~Ő ”Herumkehrer, kehrend, Kehre”, TÉR~Ő~KE ”Kehrelein”); dúr = dvār (engl. ”a door”) ”ein/e Tor/Tür”; duro-dara (engl. ”door-opener”) ”Tür/Tor-Öffner” (↔ TÉR~Ő-TÁR~Ó ”Kehre-Öffner”; eine recht bemerkenswerte lautlich-inhaltliche Übereinstimmung!); dúr~ya (engl. ”belonging to the door or house, a residence”) ”zum Tor oder Haus gehörig, ein Aufenthaltsort”; tir~ás (engl. ”throu~gh, across, beyond, over, so as to pass by, apart from, without, against”) ”dur~ch, quer durch/über, jenseits, vorüber, über, vorbei, aus, zu Ende, so wie vorübergehen/-fahren, geschieden von, ohne, gegen, wider”; Dhár~ma (engl. ”that which is established or firm, steadfast decree, statue, ordinance, law”, hebr. ”Thor~a”) ”das, was festgesetzt oder beständig ist, fest gegründete Verfügung, Statue, Regel, Gesetz” (↔ TÖR~VÉNY Gesetz).

Lateinische Bezüge zum Urwortskern T[i/ü/e/a/ö/o/u]R:

Ter ”dreimal”, ter~ni ”je drei”, ter~ere ”(ab)reiben, oft gebrauchen/besuchen/befahren”, ter~gi-ver~sari ”Ausflüchte suchen”, ter~gi~ver~satio ”Verzögerung/Abweichung” (↔ EL-TÉR ”ab-weicht/kehrt”), ter~minare ”begrenzen, beschränken, bestimmen, festsetzen”, ter~rere ”(er)schrecken”, ter~ra ”Erde”, ter~renus ”aus Erde, auf/in der Erde befindlich” (↔ ÉR ”Quelle, Ader, Gang, gelangt, berührt, reift”, TÉR ”kehrt, Feld, Raum”), tor~mentum (it. ver~ricello) ”Winde”, tor~quere ”dreh~en”, tor~quis ”Gewundene/ Ge~dreh~te/Halskette”, tur~ba ”Ver~wirr~ung, Tur~bulenz”, tur~bare ”ver~wirr~en, trü~ben, aufwühlen”, tur~bidus ”s~tür~misch, ver~wirr~t, ge~trü~bt”, tur~bineus ”wir~belnd, krei~send”, tur~bulentus ”s~tür~misch/tur~bulent, wirr”, tur~ma ”Schwadron (röm. Reiterabteilung von 30 Mann), Schar, Schwarm”, tur~ris ”Tur~m, hoher Bau, Palast, Burg” usw.

Italienische Bezüge zum Urwortskern T[i/ü/e/a/ö/o/u]R:

Tir~anno/a ”Tyr~ann/in”, tir~annia ”Tyr~annei/Gewalt-/Willkürherrschaft” (Dru~ck, Er~drü~ckung, Unterdrückung ↔ TŰR ”(er)duldet”), tir~are ”(aus-, zu-)ziehen, wer~fen, ab~feuer~n, schleppen, dru~cken/abziehen”, tir~o ”Ziehen, Schießen, Wer~fen, Schuß, Wur~f, (Pferde-) Gespann, S~trei~ch”, tir~aggio ”Luftzufuhr”, tor~o ”S~tier” (gr. taur~os, lat. taur~us ↔ TÚR ”wühlt”, TÚR~ÁS ”Wühlen”, SZÚR ”sticht”, SZÚR~ÁS ”Stich, Stechen”, TÚR~ÓS ”wühlig”, SZÚR~ÓS ”stichig”), tor~re ”Tur~m” (engl. tower), tor~ta ”Tor~te” (die krei~srunde), tor~tor~a ”Tur~teltaube” (die gur~rende, TUR~BÉK~OL ”tur~telt”), tor~tuosità ”Gewundenheit, Krü~mmung”, tor~to ”Unrecht” (abge~kehr~t von der Wahrheit ↔ EL~TÉR~T).

Englische Bezüge zum Urwortskern T[i/ü/e/a/ö/o/u]R:

Thro/trou~gh ”Schnellver~kehr~ss~tra~ße, Autobahn”, tra~ck ”S~pur, Fähr~te, Pfad, Weg, Bahn”, tra~ct ”(Land-) S~tri~ch, S~tre~cke, Gebiet, Fläche”, tra~de ”Handel (Wahren-Ver~kehr)”, tra~ding ”handel~trei~bend”, tra~ffic ”Ver~kehr”, tra~in ”Zug, Kar~awane, Reihe, Ser~ie”, tra~mp ”wandern, marschieren, laufen”, tra~vel ”fahr~en, gehen, laufen”, trea~d ”be~tre~ten, gehen, schreiten auf”, tree (↔ trou~gh, terr~ain) ”Baum” (↔ russ. der~evo; die germ. Weltesche Yg~dra~sil ↔ TÉR ”Raum, Feld; kehrt”, TER~JED ”dehnt/weitet sich aus”, TER~EP ”Gelände”, TER~EB~ÉLY ”Ausladung/
-weitung/-dehnung” der Baumkrone, TER~EB~ÉLY~ES ”ausladend”), tre~nd ”sich wenden, ers~tre~cken, ausdehnen”, tear (tor~e, tor~n) ”zerreißen, (auf)spalten, zersplittern, rasen, toben, Toben, Raserei” (↔ TÖR), tear around ”herumrennen/-tour~en”, tear down ”abreißen/-brechen, Trä~ne (tre~nnt sich und kehr~t her~vor aus dem Auge)”, tra~p (it. tra~ppola) ”Falle, Fallgrube, Schlinge, Fall~tür” (↔ TŐR); tra~pper ”Fallensteller, Tra~pper”; tra~verse ”dur~ch-/überqueren, durchkreuzen, Querlinie, Tra~verse, Hindernis, Dreh~bewegung, Queren, Schwenkbereich, Schwenkung” (↔ door – Tür/Tor), thre~shold ”Schwelle”.

Wechselbeziehung der Urwortskerne
T[i/ü/e/a/ö/o/u]R – K[i/ü/e/a/ö/o/u]R – P[i/ü/e/a/ö/o/u]R

Bild 1

Bild 1

Die Labyrinthos Darstellung auf dem Weinkrug von Tragliatella selbst, die die Inschrift TRUIA im äußersten Umgang trägt, ist offenbare Kundgebung der Realität von Verwobenheit der Urwortskerninhalte KÖR – PIR – TER, denn es zeigt den Betrachtern die Bildelemente: Krei~s – Krei~sen – Kehr~e – Kehr~en – Kur~sieren (KÖR) – For~m – Fahr~t – Fahr~en – Wir~bel – Wer~den (PIR/BYR) – Tour~en – Tur~nier – Tur~nus – Dreh – Dreh~en (gr. tro~chos “Rad“) – Dreh~ung – Trieb – Trei~ben (TER). Das Korrespondieren der drei Urwortskerne wird noch deutlicher, wenn man sich die Realisierung einer bestimmten Bedeutung in den Wortklängen verschiedener Sprachen anhört und diese miteinander vergleicht. Der Vergleich spricht dann für sich selbst: wieder-dreh~en/-kehr~en ↔ it. “ri~gir~are“ ↔ engl. “re~tur~n“; Dreh~ung/Kehr~e/Wendung ↔ it. “(ri)~gir~o“ ↔ engl. “tur~n, tor~sion“; um-/zurück-kehr~en ↔ engl. “re~tur~n, tur~n round“; zurück-/wieder-kehr~en/-wer~den ↔ it. “ri~tor~nare ↔ engl. “to re~tur~n“; Rück-/Wieder-kehr ↔ it. “ri~tor~no“ ↔ engl. “re~tur~n, re~cur~rence“; Dreh~en, wir~beln, sich dreh~en, um-dreh~en, -kehr~en, Wendung, Runde, Rundgang, Wechsel, Wende ↔ engl. “tur~n“; sich um-dreh~en, -wenden, -kehr~en ↔ engl. “to tur~n about“; Dreh~ung/Kehr~en, Wendung, Übergang, Wechsel ↔ engl. “tur~nover“; zurück-/wieder-kehr~en/-wer~den, Rück~kehr/-kunft, Wieder~kehr ↔ engl. “re~tur~n“; (An-, be-)trei~ben, fahr~en, bohr~en, energisch be~trei~ben, durchsetzen/-führ~en, den Ball trei~ben, Fahr~en, Fahr~t, Trie~bwerk, Trie~bkraft, Trie~b, An~trie~b, Dru~ck (drü~cken), drä~ngen/dri~ngende Sache, Auf~trie~b ↔ engl. “dri~ve“; trei~bend, Trei~b-, Trei~ben, Fahr~en ↔ engl. “dri~ving“; ver-/um~dre~hen/krü~mmen ↔ it. “tor~cere“; um-dreh~en, -wenden ↔ rum. “în~toar~ce“; Rück~kehr ↔ rum. “în~toar~cere“; zurückge~kehr~t ↔ it. “ri~tor~nato“ ↔ rum. “în~tor~s“; Wendung/ Dreh~ung/Kehr~e ↔ it. “ri~tor~nello“ ↔ rum. “în~tor~să~tur~ă“. Diese vorliegende “Kon-fusion” der Drei Urwortskerne belegt auch der deutsche Satz: “Manche wichtige Tür~en werden geradezu fre~netisch von tur~bulent wir~belnden, ein- und aus~kehr~enden Menschen-Schar~en (SOR “Ser~ie, Reihe“) fre~quentiert, dur~ch-dru~ngen, dur~ch-quer~t“.

Bild 2

Bild 2

Das die Inschrift TRUIA tragende Labyrinthos auf dem Weinkrug von Tragliatella ist zusammengewachsen dargestellt mit einer Reihe von jungen menschlichen Gestalten: zwei am Boden liegend kopulierenden (Geschlechts-Ver~kehr trei~benden: TÁR “öffnet, schließt weit auf, bietet an“, TÉR “kehr~t“, TÚR “wühlt“), eine ursprüngliche heilige Hochzeit zelebrierenden Paaren auf der rechten (das obere Paar ist auf einer erhöhten Unterlage dargestellt, während das untere sich auf dem Erdboden befindet) und zwei hintereinander reitenden, aus-kehr~enden und dahinziehenden Reitergestalten auf der linken Seite. Diese explizite Art der dicht nebeneinandergestellten Darstellung dieser Bildanteile des Weinkruges nötigt geradezu die Betrachtenden zu einer zusammen-hängenden Lesung dieser Symbole. Das Ein-/Dur~ch-/Her~vor-kehr~en, Ein-/Dur~ch-/ Ausziehen, Hinein-/Dur~ch-/Hinauss~tre~ben in, dur~ch und aus dem Labyrinthos bildet somit eine Metapher der durch paarende Fortpflanzung sich ereignenden Wiedergeburt des Menschen. Durch die Ader-Blut-Strom ÉR-VÉR-ÁR genährte ”starke Kraft” ERŐS ERŐ des Eros, die den wollusterfüllten Paarungsakt bewirkt, erhält das in der heilen Mitte des Labyrinthos geborgene Zeichen MYŠ-TER-UM: “Paargezeugtes Anderes/Neues – generiert durch Abzweigung – in der Mutter“ Gültigkeit. Wesentlich scheint mir dabei die Gegebenheit, dass diese verschmolzene Art der Darstellung der kopulierenden Paare mit dem Labyrinthos sich in direkter, natürlicher Entsprechung befindet mit der Klanglichkeit des Wortnetzgewebes, dessen Ausgangsknoten die zahlreichen Wandlungsgestalten der Urwortskerne TIR, GIR und PIR bilden. Dass heißt, dass auch in diesem Fall, wie allgemein, das Bildhafte das lautsprachliche Gewebe in eingestimmter Art und Weise reflektiert.

Bild 3

Bild 3

Die Darstellung des Klein~tier-Paar~es auf dem Weinkrug, wobei das eine Tier das andere trei~bt, setzt eine zusätzliche Betonung und vermittelt die für die Tier~welt wesentliche Schlüßelbotschaft: “Trie~b, Trei~ben, Ge~trie~ben-sein“, der Weg zur unendlichen Serie von Kör~per-for~m-wer~dungen. Die onduliert krie~chende lange Schlange, Symboltier der sub~ter~restrischen hin-und-her kehr~enden (TÉR~Ő) Ader-Strom-Kräfte (ÉR-ÁR-ERŐ) ist hier ebenfalls präsent. Und auch diese Botschaften erhalten Realisierung durch die Urwortskerne T[i/ü/e/a/ö/o/u]R – K[i/ü/e/a/ö/o/u]R – P[i/ü/e/a/ö/o/u]R.

Die Botschaft von SOR ”Serie”

Wortklänge wie Zir~kulieren, Zir~kel, Zir~kus, Zer~emonie, Ser~mon, mag. SOR “Ser~ie, Sequenz, Reihe“, SOR~OZ~AT “Reihenfolge“ sind rückverbunden an die grundsätzliche Vorstellung von “Rundsein, Rotieren, Abrollen, Abspulen“ (der Sequenz), die einen wesentlichen Aspekt des Archetypus ☼, namentlich des großen himmlischen Sonnen-Kreises darstellt. Wie in früheren Texten von mir bereits erläutert, ist der Archetypus ☼ mit dem Urwortskern KIR/GIR/KÖR “Krei~s“ lautsprachlich realisiert. Die Wortklänge fra. char, engl. char~iot (beräderter, rollender) “Wagen“, Chor (Krei~s der Sängerinnen und Sänger), mag. SOR “Serie, Reihe“, die diese Verbundenheit belegen, können somit als lautlich-inhaltliche Variationsgestalten des Urwortskernes KIR/GIR/KÖR “Krei~s“ erkannt werden (K < G < CH < S).

Bild 4

Bild 4

Die Darstellungen auf dem Weinkrug von Tragliatella übermitteln sehr klar den Gedankeninhalt “Serie, Sequenz“, die, naturgemäß, Krei~slauf geprägt ist (Zir~kulieren, Tur~nier, Kur~sieren, Krei~slauf/-Dreh~ung KÖR-FOR~G~ÁS; FOR ↔ KÖR < SOR). Dies äußert sich in der serienmäßig angeordnete Aufstellung der zu Pferd reitenden und zu Fuß schreitenden Knabengestalten. Sie sind an der Zer~emonie (ser~ienartig “abrollende“ Reihenfolge von Handlungen) des TéRÚJJÁ “Kehrt zum Neuen“ Turnier-Spiels beteiligt (in einem Tur~nier kommt es stets auf (Ein)Tre~ffen – Tre~ffer – Tro~phäe und Tri~umph an). Die Ser~ie dieser, und überhaupt aller, Tier- und Menschen-Gestalten kehr~t her~vor aus dem in der Mitte des LABYRINTHOS geborgenen MYŠ-TER-UM. Die im Magyarischen gegenwärtigen Variationen und Entwicklungen des Urwortskerns SOR, Wandlungsform des Urwortskernes KOR/KÖR “Zeitalter/Kreis“ und Wurzel des Wortklanges “Ser~ie“, bieten den hörend Betrachtenden allgemeine, vielfältige und überaus wertvolle Botschaften: SOR “Ser~ie, Reihe“ (Labat, Šumerogramm Nr. 152 SAR, in “Reihe“ gepflanztes grünes Gemüse), SOR~OL “reiht auf“, SOR~S “Schicksal“ (zyklische Abfolge von Lebensereignissen), SOR~OZ~AT “Reihenfolge“, SZER “Zer~emonie, -mal/-fach, Mittel, Gerät“ (die zur Vervielfältigung dienen), SZER~V “Organ“ (Multipel gleichartiger Zellen; ein zu bestimmter Leistung dienender Kör~per~teil mehrzelliger Lebewesen), SZER~V~EZ “organisiert“, SZER~V~ES “organisch“, SZER~V~EZ~ET “Organismus“, SZER~V~EZ~ÉS “Organisierung“, SZOR~OZ “multipliziert/vervielfältigt/mehrt“, SZER~ET “liebt“, SZER~ET~Ő ”Liebende/r, Geliebte/r“, SZER~ET~ET (universale) “Liebe“ (lat. car~itas), SZER~EL~EM (sinnliche) “Liebe“, SZER~EN~CSE “Glück“ (↔ For~tuna, FOR~OG, FOR~DUL “dreht/wendet sich“).

Bild 5

Bild 5

Ebenso bedeutend erweist sich mir die Mitteilung der Realität von “Harmonie“, von Geordnetheit, die durch die Familien-Harmonie bildende Drei~heit Mutter-Vater-Kind dargestellt ist. Diese erhält Realisierung durch die Wortklänge GAR ”Stimmenflut” (↔ Chor, Har~a, Hur~ra!, Har~e, Har~e, Gur~u!; vergl. m. ”jemandem den Gar ausmachen”), KÖR ”Kreis” (fra. cœur, it. cuor~e ”Her~z”) und GYER~EK ”Gör/e, Kind”, HÁR~OM ”Drei”, HÁR~M~AS ”Dreier”, HÁR~M~AN ”zu dritt”, HÁR~M~AN JÓ ”zu dritt Gut”, die allen wohlbekannte Har~monia/Har~monie. Wenn man das Detail dieser Drei~ergruppe, die in der eigenen Imagination die Familie als Kerngrundlage der menschlichen Gesellschaft wachruft, eine geraume Zeit anschaut, wird einem allmählich die darin geborgene Dreh~bewegung bewusst. Und zwar im zentralen Zwischenraum der Kommunikation. Die große (Ei-) Sphäre in der Hand der Frau, die etwas kleinere (Apfel-) Sphäre in der Hand des Mannes und die rechte Hand des Mädchens, die unmissverständlich auf den Frauenschoß, dem Ursprung der unendlichen Ser~ie menschlicher Geschöpfe weist, sind ihre einprägsamen Momente. Der/die mecher/etruskische Gestalter/in der Darstellung hat hier, m. E., mit aller einfachsten Ausdrucksmitteln die Botschaft des zyklischen Krei~slaufes der “Wieder~kehr“ TRUIA/TÉRÚJJÁ des Lebens aus dem Mutterschoß meisterhaft realisiert.

Verwandte Artikel

Mehr über das Buch LABYRINTHOS Wortkernschichtungund den Autor selbst können Sie auf seiner Website laberintes.de erfahren.

oder, frei nach Herbert Grönemeyer:

Wann ist ein Labyrinth ein Labyrinth?

Die Recherchen bei Wikipedia zum Labyrinth haben mich einmal mehr angeregt, mich selbst an einer Definition des Labyrinths zu versuchen. Das ist mein Vorschlag:

Das Labyrinth ist ein (auf den ersten Blick) verwirrendes, jedoch eindeutiges, zielgerichtetes, kunst- und sinnvolles Liniensystem. Das Labyrinth im engeren und eigentlichen Sinn ist (in der Regel) unverzweigt und führt auf verschlungenen Wegen zum Ziel, meistens in die Mitte. Das Labyrinth im weiteren Sinn hat ein verzweigtes Liniensystem mit mehreren Wahlmöglichkeiten, Sackgassen und Schleifen und wird (vor allem im deutschen Sprachraum) als Irrgarten bezeichnet. Das Labyrinth im übertragenen Sinn bezeichnet einen verworrenen (komplizierten) und meistens schwierigen Sachverhalt.

Das ist wahrscheinlich viel zu lang, klingt zu kompliziert und wirkt daher selbst schon labyrinthisch. Vielleicht genügt auch nur der erste Satz, denn er schließt den Irrgarten nicht aus und läßt die Ausnahmen zu.

Ein Labyrinth ist nicht immer unverzweigt und gänzlich ohne jede Wahlmöglichkeit. Der Typ baltisches Rad (zum Beispiel das Rad in der Eilenriede) wäre sonst kein Labyrinth, ist es nach Meinung vieler Fachleute aber doch. Das Ziel ist auch nicht immer die Mitte, schon gar nicht die geometrische Mitte oder das Zentrum. Der Wunderkreis von Kaufbeuren mit einer Verzweigung und ohne eigentliche Mitte ist eher ein Durchgangslabyrinth, daher für Festzüge bestens geeignet.

Auch der Richtungswechsel in der Bewegung gehört nicht unbedingt zum Labyrinth, denn sonst wäre ein dreigängiges Labyrinth oder manche moderne Form kein Labyrinth. Man kann sogar Kreuzungen akzeptieren, wie in den Crossing Labyrinths von Alana Forest aus Australien, denn die Wegführung ist eindeutig. Man darf weder rechts noch links abbiegen, sondern immer nur geradeaus gehen.

Labyrinth und Irrgarten haben vieles gemeinsam und sind miteinander verwandt. Ein Irrgarten ist auch ein Labyrinth (wenn auch im weiteren Sinn), aber ein Labyrinth (im eigentlichen Sinn) ist kein Irrgarten. Denn man kann sich darin nicht verirren. Aber es kann (auf den ersten Blick) verwirrend und irritierend sein.
Ich glaube, die Verwirrung kommt auch daher, dass beim Labyrinth im strengen Sinn immer von einem kreuzungs- und verzweigungsfreien Weg  die Rede ist und dann das Labyrinth in seinen Begrenzungslinien gezeigt wird. Dabei beziehen sich diese Angaben auf den Weg, den Ariadnefaden, der zwischen den Begrenzungslinien liegt und bei dieser Darstellungsform nicht sichtbar ist. Das ging mir am Anfang meiner Bekanntschaft mit dem Labyrinth genauso. Erst der zweite und genauere Blick macht einem die richtigen Zusammenhänge klar.

Es ist ja das Faszinierende am Labyrinth, dass es ein uraltes, archaisches Menschheitssymbol ist, das in verschiedenen Kulturen, Religionen und Zeitepochen anzutreffen ist und das für viele Deutungen und Annäherungen offen ist. Darum ist es auch für unsere jetzige Zeit und Welt als universales Symbol geeignet. Doch sollte niemand für sich die Deutungshoheit beanspruchen.

Zuerst wollte ich diesen Artikel nur betiteln: Das Labyrinth bei Wikipedia. Doch dann habe ich gemerkt, dass da durchaus labyrinthische bis “irrgärtnerische” Züge zu finden sind. Teilweise trifft das auch für das Internet als Ganzes zu.

Man findet (fast) alles, wenn man weiß wie es geht und lange genug sucht. Und sich nicht ablenken lässt oder in Sackgassen verläuft. Gerade bei Wikipedia ist man durch die vielen unterlegten Querverweise (= Links) schnell in einer Sackgasse. Da hilft zwar oft der Zurück-Button im Browser, um wieder in die richtige Spur zu kommen. Oft gibt es gar nicht die Querverweise zu dem, was man sucht. Oder man findet, was man sucht, nur durch Zufall oder ganz woanders. Sicher hilft hier Versuch und Irrtum, und man lernt auch eine ganze Menge nebenbei, aber man verzettelt sich und verliert Zeit.
Also ist Wikipedia beides: Labyrinth und Irrgarten. Und es kommt sehr darauf an, wie man sich darin bewegt.

Jetzt das eigentliche: Es war wieder einmal Zeit, bei Wikipedia nach dem Labyrinth zu schauen. Hier der Beginn des Artikels: 

Labyrinth bezeichnet ein System von Linien oder Wegen, das durch zahlreiche Richtungsänderungen ein Verfolgen oder Abschreiten des Musters zu einem Rätsel macht.

Das 7-gängige klassische Labyrinth

Das 7-gängige klassische Labyrinth

Ich habe ja schon zwei Mal genauer hingeschaut, im März 2009 und im November 2009.
Und wieder hat sich einiges geändert. Sogar zum Besseren, was ja nicht selbstverständlich ist.

Die Titulierung der Trojaburgen und Rasenlabyrinthe als ”Schlingenmuster und daher keine Labyrinthe” ist zum Glück verschwunden.
Und die offensichtliche Vertauschung der Begriffe Labyrinthe im engeren und im weiteren Sinn ist korrigiert worden. Jetzt sind die Labyrinthe wieder die Labyrinthe im engeren Sinn und die Irrgärten gehören zu den Labyrinthen im weiteren Sinn.

Von der Form her bleibt es bei den Labyrinthen im engeren Sinn bei der Einteilung  in das kretische (”klassische”), römische und christliche Muster. Hier bietet sich in Anlehnung an die Vorschläge der Labyrinthsociety (TLS) eher eine Einteilung in ein klassisches, römisches und mittelalterliche Muster an.
Die Bezeichnung kretisches Labyrinth hat sich zwar sehr eingebürgert, ist aber doch zu einseitig. Auch die historischen Trojaburgen und einige der Rasenlabyrinthe (vor allem die deutschen) gehören zu diesem Typ. Die Bezeichnung Ur-Labyrinth wird auch nicht gern gesehen (Verzeihung liebe Ilse), wenngleich dieser Typ vermutlich das erste und älteste nachweisbare Labyrinth darstellt.
Und christlich sollte man als Typ auch nicht wählen, denn das würde bedeuten, dass die übrigen heidnisch wären. Die Labyrinth Society schlägt dafür “mittelalterlich” vor. Selbstverständlich wurde das Labyrinth wie so viele andere Symbole auch christianisiert, aber das heisst nicht, dass ein bestimmter Typ christlich wäre.

Dann gibt es noch einen sehr interessanten Satz:

Aus dem kretischen Muster kann theoretisch durch vierfache Wiederholung das römische, durch Ineinanderfügen zweier verkleinerter römischer das christliche Muster entwickelt werden.

Das klingt sehr gut. Doch wie sieht die konkrete (zeichnerische, bauliche) Umsetzung aus? Denn so richtig vorstellen, kann ich mir das (noch) nicht. Vielleicht Sie? Ich lasse mich gern beraten.

Als mittelalterliches Fußbodenlabyrinth wird der “Chartres-Typ” eigens erwähnt, hier sind jedoch einige kleine Fehler enthalten: Die Steine sind weiß und schwarz, nicht blau. Das weiß ist eher ocker. Der Kranz besteht aus 113 regelmäßig angeordneten Zacken und nicht aus 112, wie die treuen Leser dieses Blogs auf einem der vorausgegangen Artikel erfahren haben.

Ich habe den Eindruck, dass der Artikel zu umfangreich geworden ist und eine Verlagerung in verschiedene, eigenständige Artikel geschehen ist. Als erstes wird schon eine gewisse (aber leider nicht konsequente) Einteilung vorgenommen, wenn man die Begriffsklärung Labyrinth anschaut.
Von hier kommt man zu Labyrinth, Irrgarten, Labyrinth des Minotauros und Große Labyrinth-Höhle.
Leider nicht zu Trojaburg und Rasenlabyrinth. Das sind Artikel, die man direkt aufrufen muss. Aber auch das Maislabyrinth hat einen eigenen Artikel, oder das Spiegellabyrinth, beide gehören sie jedoch zu den Irrgärten.

Trojaburg Visby

Trojaburg Visby

Beim Artikel über die Trojaburgen stört mich die “pseudolabyrinthische schlingenartige Form”. Hier der Originaltext:

Als Trojaburgen (schwedisch Trojeborg, Mehrzahl Trojeborgar) werden Steinsetzungen in pseudolabyrinthischer schlingenartiger Form aus faust- bis kopfgroßen Steinen bezeichnet.

Ein eigener Artikel gehört der Trojaburg von Tibble, wird aber als Labyrinth von Tibble bezeichnet. Das trifft zu, wie es aber für alle Trojaburgen zutrifft, die ja echte klassische Labyrinthe sind.

Beim Artikel über die Rasenlabyrinthe steht:

Ein Rasenlabyrinth (engl. turf maze), auch Wunderkreis oder Wunderburg, ist ein großflächiges, begehbares Labyrinthmuster, das in eine ebene Rasenfläche eingeschnitten wurde, meist auf kargem Boden.
 

Das Rad in der Eilenriede

Das Rad in der Eilenriede, Foto: © AxelHH (Wikipedianer)

Von den noch existierenden, historischen acht Rasenlabyrinthen in Großbritannien sind zwei (Dalby: 7-gängig, Somertom: 15-gängig)) vom klassischen Typ, die übrigen sechs vom mittelalterlichen Typ. Von den noch existierenden Rasenlabyrinthe in Deutschland sind die zwei in Graitschen und Steigra vom klassischen Typ (mit 11 Umgängen) und das Rad in der Eilenriede vom klassischen Typ des baltischen Rades mit einem zweiten kurzen Aus- bzw. Eingang. Diese wurden oft auch Wunderburgen genannt. Der ursprüngliche Wunderkreis von Kaufbeuren ist an historischer Stelle (Bau einer Kaserne durch die Wehrmacht im letzten Weltkrieg) nicht mehr vorhanden. Jedoch wurde 2002 im Jordanpark nach historischem Vorbild ein neuer Wunderkreis angelegt. So könnte man dieses Labyrinth durchaus als viertes historisches Labyrinth für Deutschland zählen.

Dem Rasenlabyrinth in Saffron Walden (GB) ist wieder ein eigener Hauptartikel gewidmet.
Julian’s Bower in Alkbourough (GB) hat einen Hauptartikel mit einem Weblink zu einem schönen Artikel mit Fotos. Ein Foto gibt es in der englischen Version.
Zum Rad in der Eilenriede findet man in einem Hauptartikel über Eilenriede und dort im Punkt 4.1 Rasenlabyrinth.

Bis auf Sommerton (GB) konnte ich alle historischen Rasenlabyrinthe in England und Deutschland besuchen und fotografieren. Und auf einer Schwedentour auch etliche der historischen Trojaburgen dort.

Die Bilder sind zu finden in der Fotogalerie auf meiner Website Geheimnis Labyrinth mymaze.de.

Vor kurzem habe ich wieder einmal bei Wikipedia unter Labyrinth nachgeschaut. Im März 2009 hatte ich ja schon einmal darüber berichtet und mich lobend geäußert. Doch diesmal war ich sehr überrascht. Leider negativ. Und warum? Am besten, ich zitiere einmal:

Labyrinth bezeichnet ein System von Linien oder Wegen, das durch zahlreiche Richtungsänderungen ein Verfolgen oder Abschreiten des Musters zu einem Rätsel macht. Labyrinthe können als Bauwerk, Ornament, Mosaik, Pflanzung (Hecken-Irrgarten und Maislabyrinth), als Zeichnung oder Felsritzung ausgeführt sein. Auch in gedruckter Form existieren Abbildungen labyrinthischer Muster. Darüber hinaus wird der Begriff im übertragenen Sinne verwendet, um einen Sachverhalt als verworren oder schwierig zu kennzeichnen.

Trojaburgen und Rasenlabyrinthe sind hingegen Schlingenornamente und keine Labyrinthe.

Beim Satz mit den Schlingenornamenten muss ein “Labyrinthologe” erst einmal tief Luft holen: Trojaburgen und Rasenlabyrinthe sind keine Labyrinthe? Das ist schlichtweg falsch, behaupte ich.

Bei den Arten von Labyrinthen wird jetzt die Bedeutung der Labyrinthe im engeren und weiterem Sinne einfach vertauscht. Oder ist das nur eine Verwechslung? Dieser Satz legt es nahe:

Von diesem Zeitpunkt ab nimmt die Entwicklung der Labyrinthe im weiteren Sinn (der „echten“ Irrgärten) eine eigenständige Entwicklung, die bis heute zu immer komplizierteren Mustern und Wegenetzen geführt hat.

Aber dann wird es grundsätzlich. Hier der Wortlaut:

 

Die Formen von Labyrinthen sind vielfältig. Die Art der Linienführung (des Wegemusters) erlaubt eine Typisierung. Grundsätzlich lassen sich zwei Arten unterschieden:

  • Labyrinth im engeren Sinn: Ein System mit Wegeverzweigungen, das auch Kreuzungen oder Sackgassen umfasst. Im deutschen Sprachbereich wird eine derartige Struktur auch als Irrgarten bezeichnet. Hier ist ein Verirren möglich und meist Sinn der Anlage.
  • Labyrinth im weiteren Sinn: Ein verschlungener Weg ohne Verzweigungen, der unter regelmäßigem Richtungswechsel zum Mittelpunkt führt. Solche Schlingenmuster sind keine Labyrinthe. Es ist es nicht möglich, sich zu verirren.

Ist der Irrgarten nun ein Labyrinth im engeren oder im weiteren Sinn?
Sind nun die Schlingenmuster Labyrinthe oder nicht?  Da fehlt irgendwie die Konsequenz.

Danach kommt wieder eine Einteilung der verschiedenen Formen der Labyrinthe. Hier der Wortlaut:

Von der Form her können bei den Labyrinthen im weiteren Sinn drei Arten von Mustern unterschieden werden, die – mit einigen Varianten – sehr häufig auftreten:

  • das kretische („klassische“) Labyrinth mit typischerweise sieben Umgängen (benannt nach Abbildungen auf kretischen Münzen),
  • das römische Labyrinth mit vier Quadranten (nach römischen Fußbodenmosaiken)
  • das christliche Labyrinth mit elf Umgängen (namensgebend die Fußbodenlabyrinthe christlicher Kathedralen).

Ich komme noch einmal auf die als Schlingenornamente titulierten Trojaburgen und Rasenlabyrinthe zurück. Die weit überwiegende Zahl der Trojaburgen ist vom klassischen Typ mit meistens 11 oder 15, manchmal auch 7 Umgängen. Sie folgen alle dem Muster, das auch den Abbildungen auf den kretischen Münzen zugrunde liegt.

Trojaburg mit 11 Umgängen

Trojaburg mit 11 Umgängen

So ähnlich ist es bei den historischen Rasenlabyrinthen, allerdings folgen die meisten englischen dem Typ Chartres mit 11 Umgängen. Zwei deutsche historische Rasenlabyrinthe sind wie die Trojaburgen vom Typ klassisches (auch kretisch genannt) Labyrinth mit 11 Umgängen.
Der Typ baltisches Rad (das dritte deutsche historische Labyrinth) hat wieder keinen Platz, denn er paßt mit seinen zwei Wegen nicht in das Schema. Er wird aber wohl als labyrinthisches Muster durchgehen.

Der Sachverhalt ist verworren und schwierig, labyrinthisch eben. Der (geänderte) Artikel von Wikipedia macht ihn noch verworrener.
Ich habe versucht, hinter die Kulissen bei Wikipedia zu schauen. Aber ich muss zugeben, dass ich da nicht durchblicke. Aber einen schönen Satz habe ich doch irgendwo aufgeschnappt und der tröstet mich etwas:

Wikipedia ist nicht der Nabel der Welt …

Verwandter Artikel

Nächste »