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Wikipedia und das Labyrinth

Unter LabyrinthologInnen und IrrgärtnerInnen wird schon lange nach einer Definition für das Labyrinth gesucht, die zutreffend, genau und kurz ist; oder auch nach einer Erklärung, die etwas mehr in die Tiefe geht. Auch ich suche schon lange danach. Meistens hilft man sich damit zu betonen, dass das Labyrinth kein Irrgarten ist, sondern einen eindeutigen Weg in die Mitte (und wieder zurück) hat. Das bezeichnet dann das wahre, echte, richtige Labyrinth oder auch das Labyrinth im strengen oder engerem Sinn.

Die letzten Jahre habe ich immer wieder einmal bei Wikipedia, der freien Online-Enzyklopädie, unter Labyrinth nachgeschaut. Im Lauf der Jahre hat sich da einiges geändert, aber inzwischen ist ein guter Stand erreicht. Es steht nicht mehr alles in einem Artikel, sondern in mehreren. Vorangestellt ist eine Begriffsklärung, die zu den unterschiedlichen Artikeln verweist.

Der Hauptartikel beginnt mit folgendem Satz:

Labyrinth bezeichnet ein auf einen Mittelpunkt ausgerichtetes System von Linien oder Wegen, das durch zahlreiche Richtungsänderungen ein Verfolgen oder Abschreiten des Musters zu einem Rätsel macht.

Weiter geht es mit einer Aufzählung, in der auch die übrigen Begriffe verlinkt sind. Leider ist das Labyrinth des Minotauros dabei nicht aufgeführt.

Labyrinthe können als Bauwerk, Ornament, Mosaik, Pflanzung (Hecken-Irrgarten und Maislabyrinth), Steinsetzung (Trojaburg, ähnlich: Rasenlabyrinth), als Zeichnung oder Felsritzung ausgeführt sein. Auch in gedruckter Form existieren Abbildungen labyrinthischer Muster.
Darüber hinaus wird der Begriff im übertragenen Sinne verwendet, um einen Sachverhalt als verworren oder schwierig zu kennzeichnen.

Der Abschnitt mit dem Titel Arten von Labyrinthen bringt eine Einteilung der Labyrinthe in zwei Arten, nämlich die im engeren Sinn und die im weiteren Sinn.
Die im engeren Sinn sind die Labyrinthe und die im weiteren die Irrgärten. Dabei werden die Begriffe unverzweigte und verzweigte Linienführung verwendet. Die eigentlichen Labyrinthe werden noch in drei Muster eingeteilt.

Da werden (wir) LabyrinthologInnen und IrrgärtnerInnen einige Bedenken anmelden dürfen. Wo bleibt der Typ baltisches Rad? Was ist mit 5-achsigen Labyrinthen und neueren Formen? Der Typ Chartres ist nicht nur auf christliche Labyrinthe beschränkt.

Insgesamt ist der Artikel gut, er war schon einmal nahe daran exzellenter Artikel zu werden. Interessant ist auch, die Diskussion zu verfolgen und bei den anderen Sprachen nachzuschauen.

Zum Schluss könnte man fragen, ob Wikipedia selbst eher ein Labyrinth oder ein Irrgarten ist? Ob man immer zum Ziel kommt oder sich durch die vielen Querverweise (= Links) verführen läßt?

Das kommt auf jeden selbst an. Ob man einen roten Faden hat, wenn man auf die Suche geht.

Wenn Wikipedia nicht hilft, bleibt vielleicht noch Google?

Verwandte Artikel

Das Bypass Labyrinth

Passend zum Thema dieser Tage passt hier gut ein Artikel zum Bypass Labyrinth.

Vor gut einem Jahr habe ich in einem Bericht über die schwedischen Trojaburgen auf mymaze auch über die Sonderform eines Labyrinths im Bypass-Modus geschrieben.
Man sieht, es gibt für fast alles ein Labyrinth. Auch ein Herzlabyrinth hatten wir schon.

Wie sieht der Bypass nun aus?
Hier die Schemaskizze aus dem Buch Gotländskt Arkiv 1983, in dem John Kraft über die schwedischen Trojaburgen schreibt. Die Skizze selbst ist von Bo Stjernström, einem weiteren schwedischen Labyrinthfachmann.

Das Grundmuster

Das Grundmuster

Zu sehen das inzwischen wohl allen Besuchern dieses Blogs bekannte Grundmuster mit der Variante der Linienführung zur Erzeugung eines Bypasses.

Hier eine Zeichnung des vollständigen Labyrinths, damit man die gesamte Linienführung nachvollziehen kann.

Bypass Labyrinth mit 10 Umgängen

Bypass Labyrinth mit 10 Umgängen

Ohne den Bypass ergäbe das ein Labyrinth mit 11 Umgängen, so sind es nur 10 Umgänge.

Und hier der Ariadnefaden:

Der Ariadnefaden

Der Ariadnefaden

Jetzt frage mich aber keiner für was so ein Labyrinth gut war.
Vielleicht eines für Herzkranke? Weil man da einen Umgang weniger hat? Weil man eher an der Mitte vorbeikommt? Weil die Mitte größer ist? Weil weniger manchmal mehr ist?

Wie baue ich ein Labyrinth (Trojaburg)?

oder

Wie könnten die Trojaburgen in den skandinavischen Ländern gebaut worden sein?

Denn dort gibt es die ältesten und meisten begehbaren Labyrinth weltweit. Und fast alle sind aus Feldsteinen in den verschiedensten Größen gelegt. So darf man also getrost dort die Heimat der Labyrinthe vermuten.

Wir wissen inzwischen wie man am einfachsten ein klassisches Labyrinth mit 7 Umgängen zeichnen kann. Und beim Bauen kann man auf die gleiche Weise vorgehen. Man legt das Grundmuster, das in einem Quadrat angelegt ist und baut dann kreisförmig daran an. Statt mit Steinen kann man das auch mit Sägemehl oder Rindenmulch oder Holzscheiten oder sonstigen Objekten machen.

Am besten baut man von innen nach außen. Man kann es allein tun und es geht zu mehreren. Nur muss man sich dann einigen, was wann mit was verbunden wird und wer was wie macht.

Wenn man ein dauerhaftes Exemplar anlegen will, sollte man sich vorher schon Gedanken über die Größe, Wegbreite, Ausrichtung und genaue Lage machen.

Als Beispiel nehmen wir hier ein Labyrinth mit 11 Umgängen, also 4 mehr als “sonst”. Die 4 mehr entstehen einfach dadurch, dass in den 4 Quadranten des Quadrates noch je ein weiterer Winkel eingefügt wird.
Und Sie ahnen es bereits: Noch je 4 mehr ergibt ein Labyrinth mit 15 Umgängen usw.

So sind jedenfalls die schwedischen Trojaburgen entstanden, die ich letztes Jahr erkunden konnte.

Hier das Grundmuster für ein 11-gängiges Labyrinth:

Grundmuster

Grundmuster

Man muss einfach immer den letzten freien Stein auf der einen Seite (links von der Mitte) mit dem letzten freien Stein auf der anderen Seite (rechts von der Mitte) parallel zum vorangegangenen Bogen verbinden.

Und hier Schritt für Schritt der Bau in einer Diaschau:

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Hier ein kleines 7-gängiges Labyrinth, gelegt 2007 von Lisa am Strand von Folhammar (Gotland, Schweden).

Steinlabyrinth

Steinlabyrinth

Archäoastronomische Überlegungen zu den historischen Labyrinthen gibt es bisher kaum. Für die Trojaburg Steigra hat Mechthild Meinike aus Halle (Saale) solche Untersuchungen vorgenommen.
Die Gegend um Steigra ist reich an frühgeschichtlichen Funden, insbesondere die Himmelsscheibe von Nebra und die Kreisgrabenanlage von Goseck haben in den letzten Jahren für Schlagzeilen gesorgt. Es werden immer noch größere archäologische Grabungen in der Nähe mit vielen neolithischen, bronze- und eisenzeitlichen Funden durchgeführt.

Bei der astronomischen Einordnung der Trojaburg durch die Ausrichtung der Azimute auf die umgebende Topographie, markante Punkte, sonstige frühgeschichtliche Bauwerke und Wasserstellen ergaben sich aber keine wesentlichen Bezüge. Auch die Berücksichtigung der Mondextreme brachten keine weiteren Erkenntnisse.

Mechthild Meinike hat für die Trojaburg die Sonnenauf- und Sonnenuntergangsazimute zu den Sonnenwenden für die Jahre 1500 v. Chr., 1700 n. Chr. und heute berechnet. Die Werte der Azimute für die drei verwendeten Zeiten liegen sehr dicht zusammen. Auf der hier gezeigten Darstellung sind die Werte von 1500 v. Chr. eingezeichnet.

Die Lageskizze

Die Lageskizze

Es ergibt sich nun folgendes: Eine Linie, die man über die Mitte des Labyrinths, der Raute und dem Eingangsbereich zieht, zeigt zum Sonnenuntergang zur Sommersonnenwende. Das heißt, wenn man in der Mitte steht, geht die Sonne zur Sommersonnenwende hinter dem Eingang unter. Beim Gehen in das Labyrinth hinein hat man zuerst die untergehende Sonne im Rücken, man kommt also von der untergehenden Sonne her.
Steht man zur Wintersonnenwende bei Sonnenaufgang in der Mitte des Labyrinths und blickt in Richtung des Grabhügels neben dem Labyrinth, dann schaut man in die aufgehende Sonne.

Hier die Zusammenfassung des Artikels:

Abschließend kann festgestellt werden, dass die Trojaburg von Steigra eine Ausrichtung auf den Sonnenuntergang zur Sommersonnenwende hat, unter der Voraussetzung, dass man vom Zentrum aus Richtung Eingang schaut. Der Sonnenaufgang zur Wintersonnenwende erfolgt hinter dem Grabhügel. Somit verbirgt die Trojaburg von Steigra zu den überlieferten sonnenbezogenen Geschichten von Jungfrauen, Rittern und Drachen einen konkreten Sonnenbezug.

Was bedeutet das nun für den Labyrinth-Begeisterten?

Da wir viel zu wenig wissen über das tatsächliche Alter der Trojaburg und deren Bedeutung oder Nutzung, sind das alles keine Beweise, allenfalls Hinweise, dass die Ausrichtung zur Sonne beim Bau des Labyrinths eine Rolle gespielt hat. Es läßt sich aber vermuten, dass ein Zusammenhang mit dem Lauf der Sonne bestehen könnte und von daher auch eine Beziehung zu den diesbezüglichen Überlieferungen in Mythen, Märchen und Erzählungen gegeben sein könnte.
Weitere archäoastronomische Untersuchungen in anderen alten Labyrinthen wären wünschenswert.

Quelle: Die Trojaburg von Steigra, Mechthild Meinike, veröffentlicht in MegaLithos 3/2005 (ISSN 1439-7366)

Hier finden Sie einen Artikel über das Frühlingsfest 2008 in Steigra.

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